Prishtina. An der meistbefahrenen Straße von Prishtina stehen sieben gelbe, große Buchstaben: New Born. Als der Kosovo 2008 seine Unabhängigkeit erklärte, wurde das Monument hier provisorisch aufgestellt, bis ein besserer Platz dafür gefunden ist. Vier Jahre später steht es immer noch da. Es ist nur ein Beispiel von vielen, wie mühsam und langsam sich der Kosovo entwickelt.
Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die Unabhängigkeit des von Serbien beanspruchten Kosovo derzeit nur von 90 der 193 UN-Nationen anerkannt wird, darunter auch von Österreich, und eine Lösung des Konflikts mit Serbien scheint nicht in Sicht. Der frischgekürte serbische Präsident Tomislav Nikolic hat sich in der Vergangenheit in der Kosovo-Frage als Hardliner hervorgetan.
Es sind nur ein paar Schritte vom New-Born-Monument zum Nationalstadion, das halb verfallen, halb verlassen Mitten im Zentrum der nach wie vor rasant wachsenden Stadt steht. Auf einem riesigen Transparent ist immer noch eine Grußbotschaft zu lesen: "Herzlich Willkommen Franz Beckenbauer". Es liegt dort seit mehr als einem Jahr, als die Fußballikone die Hauptstadt besucht hat. Beckenbauer versprach damals, sich bei der Fifa und Uefa für die Eigenständigkeit des Landes einzusetzen.
Sehnsüchtige Fans
Am Dienstag hat der Weltverband dann einen ersten Schritt in diese Richtung getan. Er hat seinen Mitgliedsverbänden erlaubt, Freundschaftsspiele gegen den Kosovo zu bestreiten. Bisher waren sportliche Auftritte kosovarischer Athleten unter der eigenen Nationalflagge lediglich im Judo, Tischtennis, Ringen und Fechten möglich. Doch diese Sportarten interessieren im Kosovo vielleicht ein paar Dutzend. Der Fußball indessen ist in der Stadt allgegenwärtig. Doch in Ermangelung nationaler Idole sind es die internationalen Klubs aus England, Spanien und Italien, denen die Fans aus der Ferne sehnsüchtig die Daumen drücken. Gleich fünf Sportsender übertragen praktisch alle Partien der großen Ligen.

Ermal, einer von vielen Kosovaren in ihren Zwanzigern - das Durchschnittsalter beträgt etwa 24 Jahre - ist fanatischer Fan von Juventus Turin. Und beinahe wäre er dabei gewesen beim finalen Spiel der Saison, beim Meistertitel. Eine Eintrittskarte hätte er schon bekommen, irgendwie. "Aber ich habe das Visum nicht rechtzeitig bekommen", sagt er. Manchmal ginge das schneller, manchmal dauere es ewig, warum, weiß keiner. Das ist der frustrierende Alltag im Kosovo. Es gebe vermutlich Wege, Entscheidungen wie diese zu beschleunigen. Die Korruption ist im Kosovo ein ebenso großes Problem wie die Arbeitslosigkeit, die bei Jugendlichen jenseits der 60 Prozent liegt.