• vom 24.05.2012, 17:50 Uhr

Sportpolitik

Update: 24.05.2012, 18:19 Uhr
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Fifa rudert im Fall Kosovo zurück



  • Blatter zog sich mit seinem Solo den Zorn von Uefa-Präsident Platini zu.

Budapest. (sir) Vielleicht ist ja Sepp Blatter wieder sein sehnlichster Wunsch eingefallen, der Friedensnobelpreis. Mit dieser Auszeichnung kokettiert der Chef des Weltfußballverbandes Fifa seit Jahren, und eine Lösung des Kosovo-Konflikts würde Blatters Chancen, die derzeit bei Null liegen, bestimmt erhöhen.

In einem präsidialen Alleingang hat Blatter am Dienstag das Exekutivkomitee der Fifa gebeten, dem Kosovo, der vor vier Jahren seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt hat, das Recht einzuräumen, mit der Nationalmannschaft Freundschaftsspiele gegen andere Nationen zu bestreiten - die "Wiener Zeitung" berichtete.

"Lasst sie spielen", flehte Blatter via Twitter, als die ersten entrüsteten Reaktionen aus Serbien eintrudelten, das die Unabhängigkeit des Kosovo wie 103 von 193 UN-Nationen nicht anerkennt. Auch der europäische Verband reagierte entsetzt auf die Soloaktion Blatters. Zwar hatte die Fifa darauf hingewiesen, dass der Antrag nur eine Gegenstimme erhielt, allerdings hatten sich alle europäischen Mitglieder des Exekutivkomitees ihrer Stimme enthalten. Sie wussten vor der Sitzung nichts von Blatters Wunsch.

Auch Republika Srpska will ein Nationalteam stellen
Doch die Uefa ist jener Verband, der die heiklen Länderspiele des Kosovo abwickeln müsste, und das will er nicht. Uefa-Chef Michel Platini interessiert kein Nobelpreis, nur der Fußball. "Ich mache keine Politik", sagte er in anderer Causa, als er Kritik an EM-Gastgeber Ukraine abwiegelte. Im Gegensatz zur Fifa, die sich statuarische Ausnahmen erlaubt, akzeptiert die Uefa nur Staaten, die von der UNO anerkannte werden als Mitglieder. Den Kosovo demnach nicht.

Wie am Rande des laufenden Fifa-Kongresses in Budapest zu hören war, wird der Weltverband in der Kosovo-Frage zurückrudern. Für kommende Woche ist ein Treffen zwischen Blatter, Platini sowie den Verbandspräsidenten aus Serbien und dem Kosovo anberaumt. Die Entscheidung soll zurückgenommen werden, um sie dann unter geänderten Voraussetzungen erneut zur Abstimmung zu bringen. Sollte die Entscheidung dann negativ ausfallen, wären die Fifa und Blatter blamiert - und dann wäre Kosovo brüskiert.

Wenn der Antrag durchgeht, kann sich die Fifa bald mit dem nächsten Aufnahmegesuch beschäftigen. Die serbische Teilrepublik in Bosnien-Herzegowina will auch eine Nationalmannschaft stellen, wie Mile Kovacevic, der Verbandspräsident der Republika Srpska erklärte. "Aufgrund der heiklen Situation konnten wir das bis jetzt nicht", sagt er. Blatter muss sich wohl eingestehen, dass die Fifa die Konflikte am Balkan nicht lösen wird. Das war’s dann auch mit dem Nobelpreis.




Schlagwörter

UEFA, FIFA, Balkan, Serbien, Kosovo

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-24 17:56:07
Letzte Änderung am 2012-05-24 18:19:17


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