Wien.Mit einer saftigen Strafe ist am Dienstag im Wiener Straflandesgericht das Beweisverfahren im Untreue-Prozess gegen den ehemaligen Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), Heinz Jungwirth, abgeschlossen worden. Jungwirth wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die mitangeklagte Manuela K., eine ehemalige Mitarbeiterin Jungwirths, wurde freigesprochen.
Der Schöffensenat ging bei Jungwirth von einem angerichteten Schaden von 3,3 Millionen Euro aus. Dieses Geld fehle dem ÖOC, "und wenn man sich den Lebenswandel von Doktor Jungwirth ansieht, kann man sich vorstellen, wo die Beträge gelandet sind", so Richter Georg Olschak in der Urteilsbegründung. Olschak bescheinigte Jungwirth eine "besonders freche" bzw. "infame" Vorgangsweise, zumal dieser von ÖOC-Konten sogar seine privaten Lieferanten bezahlt habe.
Das ÖOC, das sich als Privatbeteiligte dem Verfahren mit 1,5 Millionen Euro angeschlossen hatte, bekam diese Summe in voller Höhe zugesprochen. Sämtliche Entscheidungen des Schöffensenats sind nicht rechtskräftig. Jungwirth, der zu diesem Zeitpunkt einen sichtlich konsternierten, fast geknickten Eindruck hinterließ, erbat Bedenkzeit, ehe er mit seinem Verteidiger Herbert Eichenseder überstürzt das Weite suchte.
"Für den Regen und Mist" zuständig
Der angeklagte, einst wohl mächtigste Sportfunktionär des Landes ahnte bereits vor der Urteilsverkündung nichts Gutes, nachdem der Wirtschaftsprüfer Helmut Lercher ein für Jungwirth vernichtendes Gutachten präsentiert hatte. In seinem Schlusswort signalisierte der langjährige ÖOC-"General" Endzeitstimmung.
"(Ex-ÖOC-Präsident Leo, Anm.) Wallner war für die Sonnenseiten des Lebens zuständig, ich für den Regen und Mist. Jetzt muss ich dafür büßen", gab der 61-Jährige zu Protokoll. Es sei "halt eine fatale Geschichte, wenn Beteiligte und Vorgesetzte die Erinnerung verlässt", so Jungwirth.
Der Buchsachverständige Lercher hatte am letzten Verhandlungstag erklärt, insgesamt 3,6 Millionen Euro hätten Verrechnungskonten und ein Sparbuch des ÖOC "verlassen" und wären teilweise unmittelbar "in die Privatsphäre Jungwirths geflossen". Allein vom Sparbuch habe Jungwirth 2,23 Millionen Euro bar behoben, wobei ein beachtlicher Teil davon - nämlich 874.000 Euro - praktisch zeitgleich auf Konten Jungwirths landeten.
ÖOC-Präsident Karl Stoss dankte in einer Stellungnahme "all jenen, die zur Aufklärung beigetragen haben" und versprach die 1,5 Millionen Euro einfzuordern und dafür zu sorgen, "dass das Geld in voller Höhe zurück in den heimischen Sport fließt".