• vom 21.08.2012, 17:54 Uhr

Sportpolitik

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Olympische Nachwehen



  • Auch in Deutschland wird nach London über Sportpolitik debattiert.

Wien. (sir) Der Sport muss ins tägliche Leben implementiert werden! Es müssen Milliarden fließen! Wir müssen unsere Bürger clever machen, und dafür ist eine sportliche Grundausstattung notwendig! Wir dürfen uns nicht beschweren, wenn wir jetzt ein marodes Krankensystem haben! Und so weiter und sofort. Es sind Forderungen wie diese, die seit dem Olympiafiasko durch Österreich hallen. Oder zumindest ähnliche.

Die oben genannten Forderungen stammen von Markus Weise, dem deutschen Teamchef der Hockey-Herren, die in London die Goldmedaille geholt haben. In einem großen Interview in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mahnt Weise eine stringente und auf gesellschaftliche Verändergungen reagierende Sportpolitik ein. Denn auch in Deutschland ist seit Olympia eine sportpolitische Debatte angelaufen, da das Abschneiden der deutschen Athleten und Athletinnen unter den Erwartungen geblieben ist. Nur elfmal Gold hatte es zuletzt 1988 gegeben, allerdings gab es damals noch die DDR (die in Seoul 37 Goldmedaillen holte).

Bundeswehr in der Kritik
Kritisiert wird in Deutschland auch ein Bereich, der in der Debatte in Österreich bisher noch gar nicht touchiert wurde: Die Sportförderung durch das Bundesheer. In Österreich gibt es 192 Zeitsoldaten, die beim Heer angestellt sind, versichert sind und ein monatliches Gehalt beziehen, allerdings tatsächlich Profisportler sind. Ein solches System gibt es auch in Deutschland.

Der ehemalige Ruderer Wolfgang Maennig, der 1988 eine von den elf Goldenen gewonnen hat und jetzt Universitätsprofessor in Hamburg ist, kritisierte in der "Zeit" dieses Fördermodell. "Die jungen Leute fühlen sich sicher in ihrer beamteten Stelle mit den rund 1500 Euro. Sie ahnen nicht, dass mit 32 das Ende da ist. Ihnen wird Sicherheit vorgegaukelt, die es nicht gibt", sagt Maennig.

Die Absicherung durch die Bundeswehr habe eben die Kehrseite, dass sich die Sportler nicht um das Danach kümmern, in dem sie etwa studieren. "Durch die eindimensionale Verengung des Sportleralltags können Medaillen verloren gehen", sagt Maennig. Im Gegensatz zu Österreich gibt es in der deutschen Bundeswehr auch Tendenzen, die Sportsoldatenposten abzuschaffen.

Im Hinblick auf die Diskussionen in Österreich wird es interessant sein, welchen Verlauf die Debatte in Deutschland nimmt. Der für den Sport zuständige Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat für die Wochen nach den Spielen eine Analyse angekündigt. Freilich: Der Druck in Deutschland auf Reformen im Bereich Gesundheitsvorsorge, Bewegung und Schulsport ist ein anderer als in Österreich nach Null Medaillen.




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Dokument erstellt am 2012-08-21 17:59:02


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