• vom 02.03.2010, 17:12 Uhr

Sportpolitik

Update: 02.03.2010, 17:13 Uhr
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Nach Vancouver ist vor Sotschi - doch die Organisatoren der Winterspiele 2014 haben ungeahnte Probleme

Olympische Ideale und Strohfeuer


Von Tamara Slavik

  • Die Sorgen sind organisatorischer und sportlicher Natur.
  • Olympia-Geschichte ist reich an größeren Krisen und Dramen.
  • Wien. Es braucht gar keinen übertriebenen Hang zum Pathos für die Feststellung, dass die olympische Flamme in Vancouver zwar erloschen ist, das Feuer aber weiterbrennt. Denn daran, dass nach Vancouver vor Sotschi 2014 ist, ließ das offizielle Russland in den zwei Tagen nach Beendigung der XXI. Winterspiele keinen Zweifel aufkommen. Doch die Stimmung ist unterkühlt, das Einzige, das lodert, ist der Zorn über das mit 15 Medaillen und dem 11. Platz in der Edelmetall-Wertung schlechteste Abschneiden der Geschichte. Dabei sind die sportlichen Leistungen, die als Affront gegen den Nationalstolz gesehen werden, vier Jahre vor Sotschi nur eines von vielen Problemen. Und vielleicht eines der geringeren.

In vier Jahren lodert die olympische Flamme in Sotschi. Doch bis dahin wartet viel Arbeit auf die russischen Organisatoren. Foto: Reuters

In vier Jahren lodert die olympische Flamme in Sotschi. Doch bis dahin wartet viel Arbeit auf die russischen Organisatoren. Foto: Reuters In vier Jahren lodert die olympische Flamme in Sotschi. Doch bis dahin wartet viel Arbeit auf die russischen Organisatoren. Foto: Reuters

Die Organisatoren haben ihr Bestes gegeben, um die Abschlusszeremonie in Vancouver den Gepflogenheiten gemäß als Werbeplattform für die darauffolgenden Winterspiele zu nützen. In einem stimmungsvollen Showteil präsentierte Moderatorin Natalia Wodjanowa, ein russisches Topmodel, neben ihrer Abendgarderobe auch das Motto für Sotschi 2014: Als "Brücke in die Zukunft" werden die Spiele tituliert, als einzigartig sollen sie in die Geschichte eingehen. Es sind hohe Ziele, die sich die Russen gesetzt haben.

Zunächst einmal gilt es, das sportliche Trauma von Vancouver, das Präsident Dmitri Medwedew zu einem Rundumschlag gegen die Funktionäre motiviert hat, zu bewältigen. Dass allein das schon schwer werden dürfte, verhehlten unter anderem Sportminister Witali Mutko und Eiskunstlauf-Legende Irina Rodina nicht. Sie erklärte, dass die vier Jahre bis Sotschi nicht ausreichen würden, "um die Fehler des Postkommunismus zu beseitigen".

Baustellen pflastern den Weg nach Sotschi

Die Spuren sind auch in Sotschi selbst noch deutlich zu sehen, und noch überdecken sie den angeblichen Fortschritt, dessen sich die Veranstalter an der Schwarzmeerküste seit der Vergabe der Spiele rühmen. Barackenbauten säumen die Straßen, Kräne und Bagger versinken im Schlamm, dort wo in vier Jahren die Sportwelt ein einzigartiges Fest begehen soll. Die Bauarbeiten an den Wettkampfstätten sollen bis spätestens 2012 abgeschlossen sein, beinahe alle müssen ebenso wie die Infrastruktur neu errichtet werden. Wenn die Flamme erloschen sein wird, werden sie großteils abgetragen und in andere Regionen verfrachtet. Die Kosten sind enorm, die Schäden an der Umwelt, vor allem im Skigebiet, in dem vor kurzem noch eine Handvoll alter Sessellifte einsam vor sich hingeschaukelt ist, nicht minder. Erst kürzlich hat der WWF den Veranstaltern aus diesem Grund die Zusammenarbeit aufgekündigt. Auch die Menschen in der Olympia-Region sind wenig begeistert von den hochtrabenden Plänen, etwa tausend Familien müssen umgesiedelt werden, um den nötigen Platz zu schaffen. Die Aktionen der Veranstalter, beispielsweise das landesweite Anbringen von Plakaten, die einen Russen mit dem Slogan "Sotschi, das sind auch meine Spiele" zeigen, sind dabei nicht geeignet, der wachsenden Sorge Einhalt zu gebieten.

Berichtet werden darf über diese und andere Probleme in Russland kaum, wie die Organisation "Reporter ohne Grenzen" am Tag nach der Schlussfeier in Vancouver und dadurch mitten im allgemeinen Gejammer um das schlechte Abschneiden bekrittelte. Lokale Medien seien massivem Druck durch die Behörden ausgesetzt, heißt es. Mit dem Motto "Brücke in die Zukunft" lässt sich das nur schwerlich vereinbaren.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2010-03-02 17:12:38
Letzte Änderung am 2010-03-02 17:13:00

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