• vom 03.10.2014, 17:17 Uhr

Sportpolitik

Update: 06.10.2014, 19:38 Uhr

Asienspiele

Alles nur ein Spiel




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Von WZ-Korrespondent Fabian Kretschmer

  • Im Fußballfinale der Asienspiele trafen die beiden Koreas aufeinander - nur wenige Autostunden von der Grenze entfernt, die die beiden Staaten trennt.

Handschlag zwischen Südkorea und Nordkorea? Sport mag zwar politische Implikationen haben, so weit wie zwischen Son Jun-ho (r.) und seinem nordkoreanischen Gegner Yun Il Gwang ist es aber noch lange nicht. - © Reuters/Kim Kyung-hoon

Handschlag zwischen Südkorea und Nordkorea? Sport mag zwar politische Implikationen haben, so weit wie zwischen Son Jun-ho (r.) und seinem nordkoreanischen Gegner Yun Il Gwang ist es aber noch lange nicht. © Reuters/Kim Kyung-hoon

Seoul. Der Spielverlauf war lahm, die Entscheidung hätte dramatischer nicht sein können: In der sprichwörtlich letzten Minute der Verlängerung schoss der südkoreanische Verteidiger Rim Chang-woo sein Team in Incheon zum Sieg. Nach 28 Jahren holten sich die roten Teufel erneut Fußballgold bei den Asienspielen.

Nur wenige Kilometer entfernt, in einer Fußballbar im Studentenviertel von Seoul, ist der Sieg gerade mal einen kurzen Jubel wert. Nur eine Handvoll Pärchen sind an diesem Abend in die Fußballbar gekommen, weitaus weniger als zum Ligaspiel des FC Seoul am Tag davor. Wieso sich niemand für dieses historische Spiel interessiere? Der Barbetreiber, ein freundlicher Mann mit graumelierten Haaren, zuckt nur mit den Schultern: "Ich denke, dass das Halbfinale gegen unseren Rivalen Japan bedeutsamer war. Außerdem sind es ja doch nur die Asienspiele."

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Nord- und Südkorea, zwei Staaten also, die sich technisch betrachtet noch immer im Krieg befinden, treffen nur wenige Autostunden von einer der höchstgerüsteten Grenzen der Welt aufeinander - und all das soll wirklich nur ein Spiel wie jedes andere sein?

"Wenn sich Nordkorea gut bei den Asienspielen schlägt, wird das Regime zumindest in seiner Sportpolitik bestätigt, die es seit 2012 forciert. Außerdem kann es darauf hinweisen, dass es ihr geliebter Sozialismus ist, der diese Leistung produziert", sagt Andray Abrahamian, der mit seiner NGO Choson Exchange regelmäßig nach Pjöngjang fährt, um Wirtschaftsseminare für Nachwuchstalente aus Nordkorea zu halten.

Kim Jong-un gilt als großer Sportliebhaber, der die internationalen Leistungen seiner Athleten zur Staatsangelegenheit erhob. Goldmedaillengewinner erhalten regelmäßig neugebaute Apartments in Pjöngjang, wo die Elite des Landes wohnt. Auch die skurrilen "sportdiplomatischen" Reisen wie etwa von Ex-Basketballer Dennis Rodman zeugen von Kims Leidenschaft.

Spiegel des politischen Klimas
Doch politische Implikationen, sagt Abrahamian, werde das Fußballspiel keine haben. Dabei sorgte die Teilnahme Nordkoreas schon im Vorfeld der Asienspiele für eine ganze Reihe an Kontroversen: Zum ersten Mal weigerte sich die südkoreanische Regierung, für Reisekosten und Unterkunft der nordkoreanischen Athleten zu bezahlen, ebenso bannten sie alle Flaggen teilnehmender Staaten außerhalb des Stadions - aus Angst, konservative Aktivisten könnten nordkoreanische Fahnen niederreißen und so einen politischen Eklat auslösen. "Seouls Einstellung lässt sich ganz gut mit der Phrase zusammenfassen: Ihr könnt kommen, aber wir werden euch nicht besonders behandeln", sagt Abrahamian.

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Dokument erstellt am 2014-10-03 17:20:05
Letzte ńnderung am 2014-10-06 19:38:05



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