• vom 27.05.2015, 17:53 Uhr

Sportpolitik


FIFA

"Imageproblem verstärkt"




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Von Tamara Arthofer

  • Österreichs Fußball-Chef Leo Windtner sieht Schaden für die Fifa, geht aber davon aus, dass diese den Kongress wie geplant durchpeitschen wird - Europa in der Blatter-Opposition weiter in der Minderheit.

ÖFB-Chef Leo Windtner wollte sich zu den konkreten Auswirkungen des Skandals noch nicht äußern. Doch daran, dass Fußball-Europa mit der Oppositionsrolle allein auf weiter Flur steht, dürfte sich nicht so schnell etwas ändern. - © apa/epa/Georg Hochmuth

ÖFB-Chef Leo Windtner wollte sich zu den konkreten Auswirkungen des Skandals noch nicht äußern. Doch daran, dass Fußball-Europa mit der Oppositionsrolle allein auf weiter Flur steht, dürfte sich nicht so schnell etwas ändern. © apa/epa/Georg Hochmuth

Wien. Auf Leo Windtner kommen ereignisreiche Tage zu, wohl noch ereignisreicher, als es sonst bei derartigen Anlässen der Fall ist. Die Razzia in der Nacht auf Mittwoch in jenem Zürcher Hotel, in dem die Granden des Fußball-Weltverbandes Fifa residierten, sowie die Festnahmen hoher Funktionäre haben die Fifa vor dem Kongress, bei dem am Freitag die Wiederwahl von Joseph Blatter auf dem Programm steht, in helle Aufregung versetzt. Windtner, Österreichs Verbandschef, weilte dabei noch in der Heimat, die "Wiener Zeitung" erreichte ihn auf dem Weg zum Flughafen. Zu den konkreten Auswirkungen, die die Ereignisse in Zürich haben könnten, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen, "wir verfügen über keinen bevorzugen Informationsstand darüber, wer die festgenommenen Funktionäre sind und was die genauen Vorwürfe betrifft", sagte er, meinte aber auch: "Die Tatsache an sich, dass hier offenbar eine größere Zahl an Funktionären festgenommen wurde, verstärkt natürlich das Image- und Glaubwürdigkeitsproblem der Fifa."

Diese allerdings will am geplanten Vorgehen festhalten, weder stünde derzeit eine Verschiebung der Präsidentenwahl noch eine Neuvergabe der umstrittenen Weltmeisterschaften in Russland 2018 und Katar 2022 zur Diskussion, verlautete Walter de Gregorio, Sprecher des Weltverbandes, am Vormittag in einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Ob es die richtige Vorgehensweise ist, einfach so mir-nix-dir-nix zur Tagesordnung überzugehen, wollte Windtner nicht näher kommentieren, allzu überrascht ist er aber nicht: "Klar ist, dass man den Kongress über die Runden bringen will."

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Das ist freilich nichts Neues, schon rund um die Wahl Blatters im Jahr 2011 hatte es massive Vorwürfe gegeben, derer sich die Fifa dann ebenso wie des Blatter-Herausforderers Mohamed bin Hammam entledigt hat. Ob es diesmal wieder so einfach gehen wird, lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt nicht seriös beurteilen, immerhin ermitteln aktuell, anders als damals, die Behörden - und das an gleich zwei Fronten.

Doch trotz des neuerlichen Skandals scheint eine Abwahl Blatters unwahrscheinlich. Immerhin wurden gegen den Präsidenten selbst keine Vorwürfe erhoben, wiewohl er das System des Gebens und Nehmens in der Fifa perfektioniert hat und er quasi die Personifizierung der Fifa darstellt. Nicht zuletzt deswegen sowie wegen mangelnder Reformbereitschaft und intransparenter Aufarbeitung diverser Skandale sieht sich der Schweizer schon länger mit einer Opposition aus Europa konfrontiert; die anderen Konföderationen haben indessen bereits angekündigt, Blatter geschlossen oder zumindest mehrheitlich ihre Stimmen zu geben. "Wir wissen, dass die Uefa beziehungsweise Europa bei der Wahl in der Minderheit ist", sagte Windtner. "Inwieweit jetzt auch die Vertreter anderer Verbände und Konföderationen sich ihre Vorgehensweise überlegen, bleibt abzuwarten." Zurückhaltend reagierte zunächst auch der Europaverband Uefa: In einem ersten Kommentar zeigte man sich "erstaunt und traurig", für eine weitere Stellungnahme wolle man aber erst "detaillierte Informationen" abwarten.

Windtner ist als Vertreter des österreichischen Verbandes ebenso wahlberechtigt wie die Delegierten der anderen 208 Verbände innerhalb der Fifa. Bereits vor Wochen hatte das Präsidium des ÖFB beschlossen, dass seine Stimme nicht an Blatter gehen werde; Gespräche mit diesem beim Uefa-Kongress im März in Wien über ein soziales Projekt in Afrika stünden damit in keinerlei Zusammenhang, betonte Windtner. Darauf, ob man aber offen den jordanischen Herausforderer Prinz Ali bin Al-Hussein unterstützen oder sich beim Votum eventuell enthalten werde, wollte sich der ÖFB-Chef indessen nicht festlegen. "Klar ist, dass wir nicht Blatter wählen werden", sagte er, für das genaue Vorgehen wolle er aber erst ein Treffen der europäischen Delegierten abwarten. Einerseits standen beim ÖFB-Präsidiumsbeschluss noch zwei andere Kandidaten zur Disposition - der ehemalige Weltfußballer Luis Figo und der niederländische Verbandschef Michael van Praag haben ihre Bewerbungen vor wenigen Tagen zurückgezogen -, andererseits wolle er den Gesprächen nicht vorgreifen. "Wichtig ist ein geschlossenes Vorgehen Europas, um für die Zukunft Allianzen zu schmieden", sagte der 64-Jährige und verwies auf die Wahlarithmetik der Fifa, die diese Basisdemokratur nennt - und die es einer europäischen Opposition nicht eben einfach macht: "Europa ist ja mit 53 von 209 Stimmen ohnehin in der Minderheit."




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Dokument erstellt am 2015-05-27 17:56:05



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