• vom 29.03.2016, 17:05 Uhr

Sportpolitik

Update: 29.03.2016, 17:11 Uhr

Registrierkassenpflicht

Kasse statt Tore




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  • ÖFB-Boss Leo Windtner kritisiert Registrierkassenpflicht für Amateur-Vereine und warnt vor Folgen.

ÖFB-Präsident Leo Windtner sieht sich auch als Schirmherr der kleinen Amateur-Vereine.

ÖFB-Präsident Leo Windtner sieht sich auch als Schirmherr der kleinen Amateur-Vereine.© apa/Jäger ÖFB-Präsident Leo Windtner sieht sich auch als Schirmherr der kleinen Amateur-Vereine.© apa/Jäger

Wien. (rel/apa) Dass ein kleiner Fußballverein eine Kantine unterhält oder einmal jährlich ein größeres Vereinsfest veranstaltet, ohne sich dabei um die Steuer zu scheren, ist nichts Außergewöhnliches. Schließlich machen das alle gemeinnütziges Vereine so, von der Feuerwehr angefangen bis zu den Vogelzüchtern. Und dennoch: Spätestens mit 1. Mai 2016 ist damit Schluss. So will es der Gesetzgeber. Wer ab da einen sogenannten "begünstigungsschädlichen Betrieb" unterhält, fällt unter die neue Registrierkassenpflicht. Und der Fußballbetrieb bildet da keine Ausnahme.

Weswegen der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) am Dienstag ausgerückt ist, um nun den vielen betroffenen Amateur-Vereinen im Kampf gegen diese Pflicht beizustehen. Grundtenor: Die zusätzlichen Kosten sowie der administrative Aufwand könnte viele Amateur-Vereine überfordern. Das betonte ÖFB-Präsident Leo Windtner im Gespräch mit der Austria-Presse-Agentur. "Die Klubs sind davon teils massiv betroffen. Es ist eine weitere zusätzliche Last für die Funktionäre", erklärte der Oberösterreicher und bekundete seine Befürchtung, dass manche Vereine aufgrund der Regelung zusperren müssten, weil sie keine Mitarbeiter mehr finden können. "Die Gefahr, dass ehrenamtliche Funktionäre davonlaufen und keiner mehr bereit ist, ein Ehrenamt zu übernehmen, ist schlagend geworden", betonte er. Auch dürfe man die negativen Auswirkungen, die durch die Registrierkassenpflicht entstehen und die weit über den Fußball hinausgehen, unterschätzen. "Dem Gesetzgeber muss bewusst sein, dass er einen Teil unserer Gesellschaftskultur gefährdet und auch die gesamte Breitensport-Entwicklung", so Windtner.


Kritik an Barumsatzgrenze, Warnung vor Bürokratie
Um Front gegen die Regelung zu machen, hat der ÖFB-Boss bereits die Bundessport-Organisation eingeschaltet. Tatsächlich ist der Aufwand, der das neue Gesetz verursacht, gerade für kleine Klubs beachtlich. Es hat nämlich zur Folge, dass Vereine bis in die unterste Liga pro Kantine eine Registrierkasse zu einem Preis von jeweils mehreren hundert Euro anschaffen müssen. Außerdem sind Schulungen im Umgang mit dem Gerät für das oft wechselnde Personal notwendig. Und bei missbräuchlicher Verwendung - die nach der Meinung von Windtner gerade im Amateurklub-Bereich auch unwissentlich passieren kann - haften im Endeffekt die Funktionäre.

Von der Registrierkassenpflicht betroffen sind praktisch alle Fußballvereine, denn als maßgebliche Höhe des Barumsatzes wurde ein relativ geringer Betrag von 7500 Euro festgelegt - und das jährlich. "Diese Grenze ist zu niedrig angesetzt", kritisierte auch Windtner. "Ehrenamtliche Funktionäre fühlen sich immer mehr unter Druck gesetzt und mit einem Bein im Kriminal. Die Bürokratie wird in den Vereinssport hineingepresst." Sollten wie befürchtet zahlreiche freiwillige Mitarbeiter ihre Tätigkeit einstellen, hätte dies äußerst negative Konsequenzen nicht nur für den Fußball, sondern auch das freiwillige Engagement im Allgemeinen, warnte Windtner. "Die öffentliche Hand wird nie so viel Geld in die Hand nehmen können, sodass die ehrenamtliche Arbeit ersetzt werden kann. Man muss den Ehrenamtlichen ein Animo geben, um idealistisch wirken zu können, und ihnen nicht Prügel vor die Füße werfen."

Sportminister soll für Vereine eine Ausnahme erreichen
Der ÖFB-Präsident hofft nun auf die Fürsprache von Sportminister Hans Peter Doskozil. "Er ist für uns so etwas wie ein Anwalt des Sports und hat sich als sehr praxisnah präsentiert. Unser Emissär ist Hans Peter Doskozil, unser Adressat Hans Jörg Schelling", sagte Windtner. Ein Termin von Vertretern des Sports beim Finanzminister sei zumindest derzeit allerdings nicht vorgesehen. Dennoch hofft der ÖFB-Chef noch auf ein Entgegenkommen Schellings. "Bei gutem Willen und entsprechenden Argumenten ist immer eine Chance da", vermutete er.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-03-29 17:08:06
Letzte ńnderung am 2016-03-29 17:11:04



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