• vom 19.05.2016, 16:59 Uhr

Sportpolitik


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Die nächste Runde im Polit-Streit




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  • Serbiens Fußball-Verband kämpft gegen die Aufnahme des Kosovo in die Uefa an.

Xherdan Shaqiri ist der prominenteste Fußballer mit Wurzeln im heutigen Kosovo.

Xherdan Shaqiri ist der prominenteste Fußballer mit Wurzeln im heutigen Kosovo.© afp Xherdan Shaqiri ist der prominenteste Fußballer mit Wurzeln im heutigen Kosovo.© afp

Lausanne. Es ist erst wenige Tage her, da brandete Jubel im Kosovo auf. Zunächst hatte der europäische Fußballverband Uefa den kosovarischen Verband aufgenommen, danach auch der Weltverband Fifa. Für die 1,8 Millionen Einwohner zählende Balkan-Republik, die 2008 ihre Unabhängigkeit erklärt hatte, schien der Weg zur Teilnahme an Fußball-Großveranstaltungen nun frei. Nach derzeitigem Stand dürfte ein eigenes Nationalteam im September erstmals an der Qualifikation für eine WM teilnehmen.

Serbien allerdings, das sich gegen eine Aufnahme ausgesprochen hat und die Unabhängigkeit seiner einstigen südlichen Teilrepublik nach wie vor nicht anerkennt, will dies nun verhindern. Wie angekündigt legte der Verband Berufung vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS gegen die Aufnahme in die Uefa ein, vertreten werden die Serben bei ihrem Ansinnen von der Wiener Anwaltskanzlei Lansky, Ganzger und Partner. "Unser Hauptargument ist, dass die Uefa ihr eigenes Statut verletzt", erklärt Gabriel Lansky der APA. Demnach könne nur jemand Mitglied werden, der auch als UNO-Mitglied anerkannt sei. "Das ist der Kosovo nicht. Jeder Verein hat sein Statut und muss sich daran halten." Vorangegangen war ein jahrelanges Tauziehen um den sportpolitischen Status, dessen vermeintliches Ende abzusehen war. Die Mehrheit der UNO-Mitgliedsstaaten erkennen den Kosovo als unabhängig an, seit 2014 ist es dem kosovarischen Team erlaubt, Länderspiele zu bestreiten - der nächste Schritt, die Teilnahme an offiziellen internationalen Wettbewerben, schien also programmiert. Zudem haben viele international tätige Fußballspieler kosovarische Wurzeln, die (bisherigen) Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri gehören dazu. Nicht zuletzt deswegen hat man nicht nur in Serbien und Albanien, das ebenfalls einen Spieler-Exodus fürchtet, sondern auch bei den Eidgenossen Bedenken gegen ein eigenes Nationalteam des Kosovo. Während die Mitglieder des Weltverbandes auf dem Kongress vor einer Wochen mit der überwältigenden Mehrheit von 141:23 für eine Aufnahme des Verbandes stimmten, dieser nun mit Gibraltar 211 Mitglieder zählt, fiel das Votum innerhalb der Uefa mit 28:24 Stimmen bei zwei Enthaltungen denkbar knapp aus. Der Europa-Verband äußerte sich bisher noch nicht zu der Berufung, will erst die detaillierte Begründung, die laut Ganzger bis 3. Juni vorgelegt wird, abwarten. Und zumindest so lange heißt es wohl auch für die Kosovaren ,Bitte warten‘, ehe der sportpolitische Weg zu Großveranstaltungen tatsächlich frei ist.





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Dokument erstellt am 2016-05-19 17:02:04



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