• vom 12.07.2017, 19:00 Uhr

Sportpolitik

Update: 12.07.2017, 21:24 Uhr

Olympia

Doppelt hält dreimal so gut




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Von Tamara Arthofer

  • Der Beschluss zur Olympia-Doppelvergabe soll laut IOC-Chef Bach mehr Transparenz und Attraktivität bringen. In erster Linie bringt er aber dem IOC Planungssicherheit für Verhandlungen.



Lausanne. Am Ende gab es Jubelposen wie bei einer olympischen Siegerehrung; Thomas Bach stand in der Mitte, umflankt vom Bürgermeister Los Angeles’, Eric Garcetti, sowie dessen Pariser Amtskollegin Anne Hidalgo, die dem Präsidenten des internationalen Komitees (IOC) kamerawirksam die Hände gereicht und diese gemeinsam in die Höhe gestreckt hatten. Das Bild, das nach der außerordentlichen Vollversammlung des IOC am Dienstagabend in Lausanne entstanden war, hatte Symbolkraft. Schließlich sei der Beschluss der Mitglieder, den Weg zu einer Doppelvergabe der Sommerspiele 2024 und 2028 zu ebnen, eine "Win-Win-Win"-Situation, wie Bach sagte. Dass er selbst dabei in der Mitte stand, dort, wo bei einer Siegerehrung der Platz für den Ersten reserviert ist, mag Zufall gewesen sein, es passt aber ebenfalls ins Bild.

Denn während die französische und die US-amerikanische Bewerbung sich nun ausschnapsen können, in welcher Reihenfolge sie die Spiele veranstalten wollen, ehe sie am 13. September in der peruanischen Hauptstadt Lima per Formalakt vergeben werden, sind das IOC und Bach selbst die Hauptprofiteure des Beschlusses einer Doppelvergabe. Dem Präsidenten, der seit seinem Amtsantritt nicht müde wurde, ein gerechteres, transparenteres Bieterverfahren zu proklamieren, wird in den Gesprächen eine wichtige Rolle spielen, das IOC erhält Planungssicherheit für die Verhandlungen mit den Medienstationen über die TV-Rechte sowie mit Sponsoren.

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Denn wiewohl die Geldmaschine IOC nach wie vor wie geschmiert läuft - aus dem jüngsten Zyklus mit Sotschi 2014 sowie Rio de Janeiro 2016 erzielte es einen Gewinn von 5,7 Milliarden Dollar, was einer Steigerung um 7,6 Prozent entspricht -, konnte auch Bach die Signale nicht überhören: Zuletzt meldeten sich immer weniger Interessenten für das Milliardenschauspiel. Nachdem dieses, Winter und Sommer zusammengerechnet, nun dreimal hintereinander im asiatischen Wachstumsmarkt gastiert - 2018 in Pyeongchang, 2020 in Tokio und 2022 in Peking - will das IOC die Spiele wieder in die westliche Hemisphäre holen. Nur die will nicht so recht und fremdelt angesichts unüberschaubarer Kosten sowie einer massiven Vertrauenskrise in die Sportfunktionärswelt mit Olympia. Für 2024 sind der Reihe nach Hamburg, Rom, Budapest sowie Boston ab- und für Letzteres die Kollegen aus Los Angeles eingesprungen.

Das IOC - "die Braut,
der keiner traut"

Das IOC sei, so folgerte die "Süddeutsche Zeitung" dieser Tage, "die Braut, der keiner traut". Doch mit dem Bocksprung zur bisher verpönten Doppelvergabe hat man es nun doch geschafft, gleich zwei potenten Bewerbern die olympischen Ringe anzustecken, sozusagen. Mit Los Angeles und Paris hat das IOC für die Spiele 2024 und 2028 zwei Kandidaten, denen man zutrauen kann, die Veranstaltung zu stemmen, an der Hand - genauso, wie es Bach mit Garcetti und Hidalgo veranschaulichte. Zwar braucht es noch eine Einigung über die Reihenfolge - ansonsten werden in Lima nur die Spiele in sieben Jahren vergeben - doch dass es diese geben wird, gilt als sicher, Paris als Favorit für 2024. Aufgrund eines Uralt-Vertrages, der den USA ohnehin einen größeren Anteil an den Einnahmen als anderen Ländern garantiert, müsste man deren Bewerbung das Warten wohl mit weniger zusätzlichen finanziellen Zugeständnissen versüßen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der in Lausanne dabei war, betonte angesichts der weltpolitischen Lage auch gleich olympische Werte wie Toleranz und Freiheit, die man hochhalten wolle. "Diese Werte sind in Gefahr", sagte er. Sein Amtskollege Donald Trump sagte dazu nichts, er war nicht anwesend. Immerhin aber meinte Casey Wasserman, Chef der US-Bewerbung: "Es geht nicht um Geld oder Ego oder den amerikanischen Stolz oder Gewinnen oder Verlieren. Es geht um die künftige Ausrichtung der olympischen Bewegung." Diese hatte Los Angeles schon einmal geprägt: Die Spiele 1984 markieren gemeinhin den Beginn der Kommerzialisierung.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-07-12 16:57:06
Letzte nderung am 2017-07-12 21:24:06



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