• vom 16.08.2017, 18:01 Uhr

Sportpolitik

Update: 16.08.2017, 18:15 Uhr

Fußball

Ungelöschte Brandherde




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  • Die Krawalle von Rostock heizen die Sicherheitsdebatte im Fußball vor dem Start in die deutsche Bundesliga an. Doch darüber, wie man dem Problem beikommt, gibt es geteilte Meinungen.

Es brodelt in Deutschlands Fußball. Die Gewalt im Cupspiel überschattet den Liga-Start.

Es brodelt in Deutschlands Fußball. Die Gewalt im Cupspiel überschattet den Liga-Start.© A. Heimken/dpa/ap Es brodelt in Deutschlands Fußball. Die Gewalt im Cupspiel überschattet den Liga-Start.© A. Heimken/dpa/ap

Rostock. (art) Es ist schon wieder was passiert. Wenige Tage, bevor die deutsche Bundesliga am Freitag in die neue Saison geht, haben Ausschreitungen beim Cupspiel zwischen Hansa Rostock und Hertha BSC vom Montag (0:2), bei dem zwischen den Sektoren Feuerwerkskörper flogen, Sitze und Banner brannten, auch die Diskussion um die Sicherheit im Fußball neu entfacht. Der Kontrollausschuss des deutschen Fußballbundes (DFB) ermittelt, die Polizei sieht ein Versagen auch bei den Hansa-Verantwortlichen, die Vereine distanzieren sich von den Gewalttätern, sind aber gleichzeitig oft überfordert. Am Mittwoch meldete sich auch Bundesinnenminister Thomas De Maizière (CDU) zu Wort. "Zunächst einmal reden wir von erheblichen Straftaten, da muss die Justiz harte Kante zeigen", sagte er. Dann seien aber auch die Klubs in der Pflicht, "alles zu unternehmen, um solche hemmungslosen Vorfälle zu verhindern". Meldeauflagen für Gewalttäter seien eine Möglichkeit, Stadionverbote eine weitere, meinte er. Allerdings stehen einander ungeachtet der von sämtlichen Parteien verurteilten Ausschreitungen in Rostock zwei Philosophien im Umgang mit Fans gegenüber: Während manche generell für einen harten Kurs plädieren, fordern einige auch ein Entgegenkommen, etwa, indem man Pyrotechnik in manchen Bereichen erlaubt, um den Unmut nicht weiter zu schüren.

DFB gegen Kollektivstrafe
Die Debatte zeigt die Komplexität. Denn dass gegen identifizierte Gewalttäter vorgegangen werden muss, ist Konsens - dass dem Problem aber mit Kollektivstrafen (alleine) nicht beizukommen ist, wie Fanforscher seit Jahren betonen, räumte am Mittwoch auch der DFB ein. Präsident Reinhard Grindel sprach sich in einer Aussendung dafür aus, "bis auf Weiteres" davon abzusehen. Vielmehr wolle man in den Dialog mit den Fans und auch der Ultra-Bewegung treten. Zwar betonte der DFB, dass es sich dabei um "keine kurzfristige Reaktion auf aktuelle Ereignisse, sondern um eine seit einiger Zeit auf Basis zahlreicher Gespräche vorbereitete Erklärung" handle, doch auch bei den Fans von Hansa Rostock hatte sich zuletzt der Unmut über solche Pauschalverurteilungen geregt. Erst vor einer Woche war Rostock wegen früheren Fehlverhaltens der Fans, die ihren Verein schon mehrfach in die Negativschlagzeilen gebracht haben, zu einem Ausschluss bei mindestens zwei Auswärtsspielen verurteilt worden. Der Verein Fanszene Rostock hatte darauf mit einem offenen Brief reagiert, in dem es hieß: "(. . .) diese Strafe unterstreicht nochmals, dass dieser Verband alles tut, um sich von den Fans, aber auch vom eigentlichen Fußball zu entfernen" und Protestaktionen für die kommenden Spiele angekündigt. Die Eskalation am Montag hat freilich hauptsächlich andere Ursachen, die besondere Rivalität der beiden Vereine spielt eine Rolle, dass es Sicherheitsmängel bei der Abwicklung der als Risikospiel eingeschätzten Partie gegeben haben muss, ist offenkundig. Dennoch haben Fanforscher wie Gunter Pilz und Harald Lange auch für die nun anstehende Bundesligasaison vor einem verstärkten Konfrontationskurs zwischen Fan-Gruppierungen auf der einen sowie Verband, Liga und Vereinen auf der anderen Seite gewarnt. Denn auch dem nicht gewaltbereiten Teil der Ultras ist die Kommerzialisierung im Fußball schon lange ein Dorn im Auge, in dieser Saison erreicht sie - Stichwort Zersplitterung der Spieltage, weniger Spiele im frei empfangbaren TV - eine neue Stufe.


Positive Signale
Zwar betonte Pilz im Deutschlandfunk, dass die Exzesse von Rostock "nicht unbedingt etwas mit dem ,Krieg gegen den DFB‘ zu tun" hätten. Was aber Verunglimpfungen und Choreografien angehe, "werden wir eine neue Dimension erleben". Von der "überwiegenden Zahl der besonnenen Fans" forderte er, sich daran zu beteiligen, "den Chaoten das Handwerk zu legen", von den Vereinen und dem Verband aber gleichzeitig Dialogbereitschaft mit jenen, die mit Gewalt nichts zu tun haben.

Während einige in der Ablehnung der Kollektivstrafen nun einen Kniefall vor den Ultras sehen, begrüßen die Fanforscher den Schritt - was freilich, darin sind sich alle einig, kein Freibrief sein darf. Doch Hoffnung besteht, schließlich gab es selbst an jenem Montag positive Signale, als den Brandstiftern von den übrigen Fans Chöre wie "Und ihr wollt Hansa Rostock sein?" entgegenschallten. Nun gilt es, sie an einen Tisch zu bekommen - bevor wieder etwas passiert.




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Dokument erstellt am 2017-08-16 18:06:06
Letzte nderung am 2017-08-16 18:15:04



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