• vom 05.06.2014, 16:43 Uhr

Sport

Update: 05.06.2014, 17:17 Uhr

Brasilien

"Von der WM können wir nicht leben"




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Von Magdalena Brugger

  • Nicht alle Brasilianer in Österreich freuen sich auf die Fußball-WM - das Sportevent gilt als das umstrittenste Sportereignis in der Geschichte des Landes.

"Die Brasilianer sind so gute Fußballer, weil sie Capoeira machen. Dadurch sind sie flinker, beweglicher und reagieren schneller", ist Rodrigues (im Bild springend) überzeugt.

"Die Brasilianer sind so gute Fußballer, weil sie Capoeira machen. Dadurch sind sie flinker, beweglicher und reagieren schneller", ist Rodrigues (im Bild springend) überzeugt.© George Kaulfersch. "Die Brasilianer sind so gute Fußballer, weil sie Capoeira machen. Dadurch sind sie flinker, beweglicher und reagieren schneller", ist Rodrigues (im Bild springend) überzeugt.© George Kaulfersch.

Wien. Ivan Koppen Rodrigues streicht sein weißes Leiberl zurecht. Auf dem linken Ärmel ist die brasilianische, auf dem rechten die österreichische Flagge abgebildet. "Ich kann mich für keines der beiden Länder entscheiden", sagt Rodrigues nachdenklich und fügt hinzu: "Ich fühle mich als Brasilianer und als Österreicher."

Der 36-Jährige stammt aus Paraná im Süden Brasiliens. Vor zehn Jahren ist er nach Wien gekommen, um Capoeira zu unterrichten. Capoeira ist ein afro-brasilianischer Kampftanz und enthält Elemente von Tanz, Kampf, Ritual, Akrobatik und Musik. Capoeira gilt in Brasilien - neben Fußball - als Nationalsport. 70 Prozent der Brasilianer, so schätzt Rodrigues, praktizieren regelmäßig diese Kunstform. Capoeira sei auch der Grund dafür, dass die brasilianische Fußballmannschaft so viele Erfolge verzeichnet: "Die Brasilianer sind so gute Fußballer, weil sie Capoeira machen. Dadurch sind sie flinker, beweglicher und reagieren schneller", ist er überzeugt.

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Proteste und Straßenkämpfe
Mit fünf Weltmeistertiteln ist Brasilien die erfolgreichste Fußballnation der Welt. "Jeder Brasilianer spielt Fußball, wir lieben diesen Sport", erklärt Rodrigues. Und dennoch betont Entwicklungsforscher Andreas Novy: Die heurige Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien gilt als das umstrittenste Sportereignis in der Geschichte des Landes. Proteste, Streiks, Straßenkämpfe - die brasilianische Bevölkerung fühlt sich hintergangen, weil die Regierung zu viel Geld in Stadien und zu wenig in das Gesundheits- und Sozialsystem investiere.

Nicht nur Nachteile
"Die Leute zünden Busse an, plündern Supermärkte, randalieren", erzählt Denise de Macedo. Die 29-jährige Sängerin wurde in Brasilien geboren und kam im Alter von vier Jahren nach Österreich. Während ihres Brasilien-Aufenthalts Anfang dieses Jahres hat sie die Auswirkungen der Proteste miterlebt: "Es wurde alles dichtgemacht. Als ich einkaufen ging, wurde die Tür des Supermarkts aufgesperrt und hinter mir gleich wieder zugesperrt. Die Angst vor Plünderungen war einfach zu groß." Auch Rodrigues ist bestürzt über die Zustände in seiner Heimat. "Es werden Milliarden für eine große Feier ausgegeben. Aber von einer WM-Feier allein können wir nun mal nicht leben. Wir brauchen Schulen, Spitäler, Kindergärten", sagt er.

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Dokument erstellt am 2014-06-05 16:47:06
Letzte nderung am 2014-06-05 17:17:52




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