Kein Geld für Exzesse
"Die Dauerkrise hat das Land vielleicht vor dem Schlimmsten bewahrt", ist nun vielfach zu hören. Denn Italien musste nicht wie Spanien oder Irland eine geplatzte Immobilienblase durchstehen, keine Baukrise. Auch Banken mussten keine gerettet werden. Der Mittelmeerstaat dokterte mit seinen eigenen hohen Staatsschulden herum und sei so nicht in Versuchung gekommen, die Exzesse der letzten Jahre mitzumachen, heißt es.
"Im Vergleich zu den Euro-Sorgenkindern Griechenland und Spanien hat Italien eine starke und etablierte Exportindustrie, die die gesamte Wirtschaft trägt", sagt Gottfried Steindl von Raiffeisen Research. Italien exportiert in erster Linie Nahrungsmittel, Wein, Textilien und Bekleidung. Automarken wie Ferrari, Lamborghini oder Fiat sind weltbekannt. Auch der Nahrungsmittelriese Ferrero. In der Modebranche glänzen Armani, Prada oder Benetton und hunderte kleine Betriebe.
Zum "dolce far niente" rennt den Italienern jedoch die Zeit davon. Die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt hat seit den 70er-Jahren über ihre Verhältnisse gelebt. Dadurch hat sich das 60-Millionen-Einwohner-Land so stark verschuldet wie kein anderer Euro-Staat mit Ausnahme Griechenlands. Der Schuldenstand liegt bei 119 Prozent des BIP.
Um den Schuldenberg abzubauen, bleiben den Italienern zwei Möglichkeiten: sparen oder das Bruttoinlandsprodukt zu steigern. Wegen der drohenden Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen will Italiens Regierung noch im Juni ein neues Sparpaket auf den Tisch legen. Mit diesem soll das Defizit bis 2014 auf null gedrückt werden. Die EU-Kommission rief Rom zu Maßnahmen auf, die Wirtschaft und Beschäftigung fördern können. Dem scheidenden italienischen Notenbankchef Mario Draghi zufolge, braucht Italien moderne Infrastrukturen und ein gerechteres Steuersystem. Der künftige EZB-Chef plädiert für einen schärferen Kampf gegen die Steuerhinterziehung. Außerdem müsse das ganze Land für eine Überwindung der wirtschaftlichen Kluft zwischen Nord- und Süditalien arbeiten.
Zu kleine Betriebe
Zwischen Jänner und März stieg die italienische Wirtschaftsleistung nur um 0,1 Prozent zum Vorquartal und damit deutlich schwächer als erwartet. Um aus eigener Wirtschaftskraft das Schuldenloch zu stopfen müsste Italien zuerst seine Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
Ein schweres Unterfangen, solange die Lohnstückkosten im EU-Spitzenfeld liegen. Weitere Gründe für die niedrige Produktivität seien das geringe Ausbildungsniveau, der Schwerpunkt der Industrie und die vielen Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern, so eine Analyse der deutschen Commerzbank.
Die für Italien typischen Familienbetriebe seien aufgrund ihrer geringen Größe nicht in der Lage, neue Märkte zu erschließen und innovative Technologien umzusetzen.
Italiens Opposition sucht Berlusconi-Nachfolger
In Mali haben sich die Tuareg-Rebellen und die Islamistengruppe Ansar Dine nach Angaben des britischen Senders BBC zusammengeschlossen und auf die...weiter