• Artikel vom 17.06.2011, 20:15 Uhr

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Update: 17.06.2011, 20:26 Uhr
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Seiltänzer zwischen Schuldenberg und Industrieschloten


Von Claudia Peintner
  • Italiens Wirtschaft stagniert seit Jahren.
  • Rom kämpft um Schuldenabbau und höhere Produktivität.
  • Wien. Mit Schulden in Rekordhöhe zählt Italien eigentlich zu den Wackelkandidaten der Euro-Zone. Doch Rom zeigt sich überraschend standfest - immerhin lebt es schon lange mit der Krise und ist geübt im Schuldenmanagement: In den vergangenen zehn Jahren wuchs Italiens Wirtschaft im Jahresdurchschnitt lediglich um 0,2 Prozent. Einem stark industrialisierten Norden steht der unterentwickelte Süden gegenüber. Am unteren Ende des Stiefels lebt ein Drittel der Bevölkerung, die Wirtschaftsleistung pro Kopf ist um 40 Prozent niedriger als im Norden. Die Folge daraus ist eine extrem hohe Arbeitslosigkeit, besonders unter Jugendlichen. Eine wirtschaftliche Lähmung erfährt das Berlusconi-Land freilich auch durch die chronische Schattenwirtschaft und die organisierte Kriminalität.

Kein Geld für Exzesse

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"Die Dauerkrise hat das Land vielleicht vor dem Schlimmsten bewahrt", ist nun vielfach zu hören. Denn Italien musste nicht wie Spanien oder Irland eine geplatzte Immobilienblase durchstehen, keine Baukrise. Auch Banken mussten keine gerettet werden. Der Mittelmeerstaat dokterte mit seinen eigenen hohen Staatsschulden herum und sei so nicht in Versuchung gekommen, die Exzesse der letzten Jahre mitzumachen, heißt es.

"Im Vergleich zu den Euro-Sorgenkindern Griechenland und Spanien hat Italien eine starke und etablierte Exportindustrie, die die gesamte Wirtschaft trägt", sagt Gottfried Steindl von Raiffeisen Research. Italien exportiert in erster Linie Nahrungsmittel, Wein, Textilien und Bekleidung. Automarken wie Ferrari, Lamborghini oder Fiat sind weltbekannt. Auch der Nahrungsmittelriese Ferrero. In der Modebranche glänzen Armani, Prada oder Benetton und hunderte kleine Betriebe.

Zum "dolce far niente" rennt den Italienern jedoch die Zeit davon. Die achtgrößte Volkswirtschaft der Welt hat seit den 70er-Jahren über ihre Verhältnisse gelebt. Dadurch hat sich das 60-Millionen-Einwohner-Land so stark verschuldet wie kein anderer Euro-Staat mit Ausnahme Griechenlands. Der Schuldenstand liegt bei 119 Prozent des BIP.

Um den Schuldenberg abzubauen, bleiben den Italienern zwei Möglichkeiten: sparen oder das Bruttoinlandsprodukt zu steigern. Wegen der drohenden Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen will Italiens Regierung noch im Juni ein neues Sparpaket auf den Tisch legen. Mit diesem soll das Defizit bis 2014 auf null gedrückt werden. Die EU-Kommission rief Rom zu Maßnahmen auf, die Wirtschaft und Beschäftigung fördern können. Dem scheidenden italienischen Notenbankchef Mario Draghi zufolge, braucht Italien moderne Infrastrukturen und ein gerechteres Steuersystem. Der künftige EZB-Chef plädiert für einen schärferen Kampf gegen die Steuerhinterziehung. Außerdem müsse das ganze Land für eine Überwindung der wirtschaftlichen Kluft zwischen Nord- und Süditalien arbeiten.

Zu kleine Betriebe

Zwischen Jänner und März stieg die italienische Wirtschaftsleistung nur um 0,1 Prozent zum Vorquartal und damit deutlich schwächer als erwartet. Um aus eigener Wirtschaftskraft das Schuldenloch zu stopfen müsste Italien zuerst seine Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Ein schweres Unterfangen, solange die Lohnstückkosten im EU-Spitzenfeld liegen. Weitere Gründe für die niedrige Produktivität seien das geringe Ausbildungsniveau, der Schwerpunkt der Industrie und die vielen Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern, so eine Analyse der deutschen Commerzbank.

Die für Italien typischen Familienbetriebe seien aufgrund ihrer geringen Größe nicht in der Lage, neue Märkte zu erschließen und innovative Technologien umzusetzen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-06-17 20:15:28
Letzte Änderung am 2011-06-17 20:26:00


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