
Amsterdam. Den Propheten Mohammed beschimpft er als Mörder. Den Islam nennt er eine faschistische Ideologie für Terroristen. Und den Koran stellt der niederländische Populist Geert Wilders auf eine Stufe mit Hitlers "Mein Kampf". Dass er damit Hass gegen Muslime schüren würde, könne man dem Chef der Freiheitspartei PVV aber nicht vorwerfen, urteilten am Donnerstag Richter in Amsterdam nach einem international Aufsehen erregenden Prozess gegen den Chef der ebenso islamfeindlichen wie populistischen Partei für die Freiheit (PVV).
"Darf den Islam kritisieren, mir ist kein Maulkorb anerlegt worden"
Der monatelange Prozess hat die Popularität des 47-Jährigen mit der blondgetönten Föhnwelle beflügelt. Schon bald nach Verfahrensbeginn zeigen Umfragen deutlich: Selbst bei einem Schuldspruch wird Wilders als "Märtyrer der Meinungsfreiheit" punkten. Nun präsentiert er sich als deren erfolgreicher Verteidiger: "Man darf also den Islam kritisieren, mir ist kein Maulkorb angelegt worden", jubelte der Bewunderer des deutschen Ex-Bundesbankers Thilo Sarrazin vor den TV-Kameras.
Wer sich nicht integriert, verliert Aufenthaltsgenehmigung

Ein Land "für Henk und Ingrid, nicht für Ahmed und Fatima"
Ein "historischer Fehler" sei dieser Kurswechsel in der Integrationspolitik, warnte der sozialdemokratische Oppositionsführer Job Cohen. Migranten nach dem Motto "Passt euch an oder verschwindet" sich selbst zu überlassen, werde sich rächen. "Dafür bekommen wir in ein paar Jahren die Rechnung präsentiert." Die Regierung hingegen argumentiert, dass den Niederlanden vielmehr gerade dann Unruhen bevorstehen, wenn man nicht endlich gegensteuere. Es werde Schluss damit gemacht, dass Ausländerkinder "hauptsächlich die Kultur ihrer Herkunftsländer erlernen". Insgesamt müsse der Zustrom von Immigranten "gebändigt werden".
Das klingt fast exakt wie das Wahlprogramm, mit dem Wilders im vorigen Jahr seine Freiheitspartei zur drittstärksten politischen Kraft gemacht hat. Ohne die PVV-Populisten geht in Den Haag kaum noch etwas: Die Wilders-Partei verschafft der Minderheitsregierung aus Rechtsliberalen und Christdemokraten auf der Basis eines "Duldungsvertrages" die erforderliche Mehrheit im Parlament.
In der Bevölkerung hat die Regierung, die ansonsten wegen harter Sparmaßnahmen in der Kritik steht, mit der "Wilders-Wende" in der Integrationspolitik breite Zustimmung erfahren. Rund drei Viertel der Niederländer unterstützen laut Umfragen den neuen Kurs. Selbst bei Wählern der Sozialdemokraten und der Grün-Linken lag die Unterstützung dafür bei mehr als 50 Prozent. Und insgesamt 83 Prozent sprachen sich für ein Burka-Verbot nach dem Vorbild Frankreichs aus.