Washington. Mitt Romney hat im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner in den vergangenen Tagen viel Kritik wegstecken müssen - und ein Ende ist vorerst auch nicht abzusehen. Trotzdem ist es ihm gelungen, seinen Favoritenstatus auszubauen: Nach seinem Sieg bei der Vorwahl in New Hampshire liegt er 2:0 gegen seine Rivalen in Führung. Mindestens genauso wichtig aber ist, dass ihm rechtzeitig vor der nächsten Etappe in South Carolina einflussreiche Konservative wie der prominente Radiomoderator Rush Limbaugh zur Seite springen. Denn der Multimillionär, Ex-Unternehmer und Mormone muss zeigen, dass er nicht nur im wohlhabenden, liberaleren Neuengland punkten kann, sondern auch in einem Bundesstaat, in dem die Arbeitslosigkeit mit mehr als neun Prozent über dem Landesdurchschnitt liegt und erzkonservative Christen den Ausschlag geben.
Die Kritik gegen Romney konzentriert sich im Wesentlichen auf zwei Bereiche: Einmal versuchen ihn seine Rivalen wegen seiner Karriere bei der von ihm mitgegründeten Investmentgesellschaft Bain Capital als Heuschrecke und "Job-Killer" zu brandmarken. Sie werfen ihm vor, Firmen in die Pleite getrieben und Menschen in Scharen entlassen zu haben, während er selbst riesige Gewinne einsackte. Newt Gingrich nannte Romney einen Plünderer, Rick Perry schimpfte ihn einen Aasgeier. Romney machte es sich selbst zusätzlich schwer, als er bei einer Gelegenheit sagte, Konkurrenz unter Krankenversicherern sei wichtig, und hinzufügte: "Ich mag es, Leute feuern zu können."
Nicht konservativ genug
Der andere Kritikpunkt: Romney ist vielen Anhängern der Republikaner nicht konservativ genug. Besonders den erzkonservativen Christen an der Basis, die nicht zuletzt durch die Tea-Party-Bewegung in den vergangenen zwei Jahren erheblich an Einfluss gewonnen haben, ist der Mormone ein Dorn im Auge. Romney schlägt sich mit dem Vorwurf herum, moderat zu sein, was bei vielen Republikanern einer Beleidigung gleichkommt.
Aber der Versuch, ausgerechnet Romneys Vergangenheit als Unternehmer gegen ihn einzusetzen, stößt zunehmend auf Unverständnis bei vielen Konservativen. Die eigentliche Präsidentenwahl im November dürfte ganz im Zeichen der Konjunktur- und Arbeitsmarktkrise stehen. Dem Ex-Unternehmer Romney wird gerade auch deshalb in Umfragen am ehesten ein Sieg gegen Amtsinhaber Barack Obama zugetraut.
Eine "anti-kapitalistische Kritik" an Romney
Die Kritik von Gingrich oder Perry reiche an einen Angriff auf den Kapitalismus heran, sagte da selbst Limbaugh, der Romney kürzlich noch einen Opportunisten nannte, der kein wahrer Konservativer sei. Auch die konservative Kolumnistin Jennifer Rubin fragte sich in der "Washington Post", warum Gingrich Romney beim Thema freier Marktwirtschaft angehe, wo dieser doch im Zentrum der modernen Republikanischen Partei stehe. Ins gleiche Horn stieß die ehemalige eBay-Chefin Meg Whitman, die sich im vergangenen Jahr vergebens als Gouverneurin von Kalifornien beworben hatte. Eine "anti-kapitalistische Kritik" an Romney sei schlecht für die Partei. "Wir sollten uns jetzt alle hinter einen Kandidaten stellen, um zu versuchen, das Weiße Haus zurückzuerobern."
Noch deutet jedoch nichts darauf hin, dass Romneys Bewerber willens sind aufzugeben. Gingrich wird vermutlich vor der Abstimmung in South Carolina am 21. Jänner zum Frontalangriff blasen. Noch während die Ergebnisse der Vorwahl in New Hampshire am Dienstag ausgezählt wurden, schaltete er einen neuen Wahlwerbespot, in dem er Romney kritisierte, weil dieser sich einst für Abtreibung ausgesprochen habe - ein extrem sensibles Thema unter Konservativen. Eine Gruppe von Gingrich-Unterstützern hat zudem angekündigt, mehr als drei Millionen US-Dollar einzusetzen, um Romney zu stoppen. Herz der Kampagne soll ein 27-minütiges Video sein, das auf die Phase bei Bain Capital abzielt.
Vor allem aber könnte South Carolina zum Stolperstein für Romney werden, wenn sich die erzkonservative Basis auf einen einzigen Gegenbewerber einigt. "Ein 'Jeder-außer-Romney-Kandidat' könnte nah rankommen, wenn es nur einen einzigen Kandidaten gäbe, einen Gingrich, einen Perry, oder einen (Rick) Santorum", sagt der Politik-Experte Charles Bierbauer. "Aber ich sehe nicht, dass das passiert. Die Egos sind zu groß."