• Artikel vom 25.01.2012, 11:04 Uhr

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Update: 27.01.2012, 22:49 Uhr
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Menschliche Überreste von Opfern staatlicher Gewalt in der Türkei

Skelett-Funde in ehemaligem Verhörzentrum


  • Nach Beschluss des Genozidgesetzes setzt die türkische Regierung Hoffnungen auf den Verfassungsrat in Paris.

Türken protestierten nach dem Beschluss des Genozidgesetzes vor der französischen Botschaft in Ankara.

Türken protestierten nach dem Beschluss des Genozidgesetzes vor der französischen Botschaft in Ankara.APAweb / Reuters Türken protestierten nach dem Beschluss des Genozidgesetzes vor der französischen Botschaft in Ankara.APAweb / Reuters

Istanbul. Die türkischen Behörden haben bei Grabungen in einem ehemaligen Verhörzentrum der Militärpolizei die sterblichen Überreste von 23 mutmaßlichen Opfern von Folter und außergerichtlichen Hinrichtungen gefunden. Bei neuen Grabungen in der Großstadt Diyarbakir im Kurdengebiet seien am Mittwoch vier weitere Schädel sowie weitere Knochen zum Vorschein gekommen, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu. Damit steige die Zahl der seit Anfang des Monats gefundenen Skelette auf 23. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.Das historische Viertel Ickale in Diyarbakir war bis vor etwa zehn Jahren als Verhör- und Internierungszentrum der Militärpolizei und des berüchtigten paramilitärischen Geheimdienstes Jitem genutzt worden. Insbesondere in den 1990er Jahren waren im Kurdengebiet viele Menschen spurlos verschwunden; sie sollen Opfer einer illegalen Jitem-Kampagne gegen angebliche Unterstützer der verbotenen Rebellengruppe Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) geworden sein.
   Die ersten menschlichen Überreste waren Anfang des Monats bei der Verlegung von Gasleitungen in Ickale gefunden worden. Seitdem wird in dem Viertel systematisch nach weiteren Opfern gesucht. Laut Menschenrechtlern reichten 36 Familien mutmaßlicher Opfer der Sicherheitskräfte Strafanzeige ein und beantragten DNA-Tests, um zu klären, ob die jetzt gefundenen Skelette die Überreste ihrer verschwundenen Verwandten sind.

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   Insgesamt gelten mehrere tausend Menschen im Kurdengebiet als vermisst. Auch in anderen Teilen Südostanatoliens wird seit einiger Zeit nach mutmaßlichen Massengräbern geforscht. Nach Angaben des türkischen Menschenrechtsvereins IHD wurden in fast drei Dutzend Massengräbern bisher die sterblichen Überreste von 190 Menschen gefunden.

Hoffen auf Pariser Verfassungsrat
Nach der Verabschiedung des umstrittenen französischen Völkermordgesetzes setzt die türkische Staatsführung ihre Hoffnungen auf den Verfassungsrat in Paris. "Ich hoffe, dass mindestens 60 Senatoren den Verfassungsrat anrufen, um diesen Schatten von der französischen Demokratie zu nehmen", sagte Staatspräsident Abdullah Gül nach Berichten türkischer Medien vom Mittwoch.

In Frankreich hatte nach der Nationalversammlung am Montag auch der Senat ein Gesetz verabschiedet, das die Leugnung von Völkermorden unter Strafe stellt, die in Frankreich offiziell als solche eingestuft worden sind. Darunter fällt auch das Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs. Die Türkei bestreitet einen Genozid und hat mit dem Abbruch der Beziehungen und einem Verbot französischer Firmenbeteiligungen in der Türkei gedroht.

Nach scharfer Kritik an dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy hatte die türkische Regierung am Vortag aber darauf verzichtet, weitere Sanktionen in Kraft zu setzen. Türkische Zeitungen berichteten dazu, Ankara wolle in der Sache nicht die Unterstützung der französischen Politiker verlieren, die das Gesetz öffentlich kritisiert haben. Der neunköpfige französische Verfassungsrat kann vom Parlament geschlossene Gesetze für verfassungswidrig erklären.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-25 11:06:13
Letzte Änderung am 2012-01-27 22:49:32


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