
Fabien Didier Yene kennt die Härten des Schicksals afrikanischer Auswanderer. Der Kameruner hatte versucht, nach Europa zu gelangen – vergeblich. Immer wieder scheiterte er an den Grenzzäunen von Ceuta und Melilla, den spanischen Exklaven neben Marokko, oder wurde am Mittelmeer abgefangen. Dazwischen durchquerte Yene mehrmals die Wüste, sah Flüchtlinge, deren Fußsohlen in Fetzen zerrissen waren, sah - teilweise tödliche – Misshandlungen durch Polizisten und Grenzwachebeamten der afrikanischen und europäischen Länder.
Festgehalten hat Yene seine Erfahrungen in dem 2011 auf Deutsch erschienen Buch "Bis an die Grenzen". Heute ist er in Marokko als Menschenrechtsaktivist tätig – und geändert hat sich an der Situation der Auswanderer wenig, wie er im Interview mit Klaus Huhold sagt. Erst kürzlich protestierte Yene mit einem Brief an die marokkanischen Verantwortlichen für Menschenrechtsfragen, nachdem schwarzafrikanische Auswanderer in Marokko berichtet hatten, dass sie von der Polizei gejagt und misshandelt wurden.

Fabien Didier Yene: Nein. Ich war vollkommen überrascht, welche Realität die Migranten entlang der Strecke Richtung Europa erleben, welchen Strapazen und welchem Leid sie ausgesetzt sind. Ich war mir nicht bewusst, dass der Mensch so grausam sein kann.
In einer Passage meinen Sie, dass Flüchtlinge schlechter als Sklaven, nämlich als Untermenschen behandelt werden. Hat Sie dieser Eindruck auf Ihrer gesamten Reise begleitet?
Ich empfand die Situation eine Zeit lang in Marokko so, als ich mich wirklich degradiert fühlte. Wir haben vor Ceuta und Melilla in den Wäldern gewohnt und mussten in den Mistkübeln nach Essen wühlen. Die Wälder wurden mittlerweile geräumt, aber auch in den marokkanischen Städten ist es sehr schwierig für die Migranten. Viele haben keine Papiere und keine Aufenthaltsgenehmigung und sind gezwungen unter menschenunwürdigen Bedingungen zu arbeiten. Sie sind ihren Arbeitgebern vollkommen ausgeliefert, die jede Form von Lohnraub betreiben können.
Sie arbeiten nun für NGOs in Marokko. Ist es in den vergangenen Jahren schwieriger geworden, von dort aus in die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla, zu gelangen?