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Update: 20.03.2012, 20:29 Uhr
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In und um Toulouse geht die Angst vor weiteren Anschlägen um

Die rosa Stadt trägt Trauer


Von WZ-Korrespondentin Birgit Holzer

  • Fahndung nach Attentäter läuft auf Hochtouren - bisher keine heiße Spur. Höchste Terror-Alarmstufe ausgerufen.

Eine Schweigeminute für die Opfer in der Ozar-Hatorah-Schule.

Eine Schweigeminute für die Opfer in der Ozar-Hatorah-Schule.© EPA Eine Schweigeminute für die Opfer in der Ozar-Hatorah-Schule.© EPA

Paris/Toulouse."Worte - ich habe keine Worte", sagt ein Passant zu der Fernseh-Reporterin, die doch genau das von ihm will: eine anschauliche Aussage über seine Gefühle, nachdem am Montag hier in seiner Nachbarschaft, vor der jüdischen Ozar-Hatorah-Schule in Toulouse, ein Unbekannter vier Menschen, darunter drei Kinder, getötet und einige weitere verletzt hat, bevor er floh. Auch am Tag nach dieser "nationalen Tragödie", wie Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sagt, versuchten die Kameras das Grauen einzufangen, das die Schüler, Eltern, Lehrer hier erlebten. Bilder, die Sprachlosigkeit, Fassungslosigkeit zeigten, aber auch große Anteilnahme. Um elf Uhr hielten alle Schulen im Land in einer Schweigeminute inne. Noch am Abend hatten sich Tausende Menschen in Toulouse und Paris zu Schweigemärschen zusammengefunden.

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Die "rosa Stadt", wie Toulouse wegen seiner zartrosa Häuserfassaden genannt wird, sonst bekannt für sein quirlig-studentisches Flair, trägt Trauer. Der Wahlkampf ist für einige Tage ausgesetzt.

Betroffenheit hat sich über das Land gelegt über eine ebenso grausame wie sinnlose Tat und einen Mörder, der kühl und methodisch vorging. Nicht nur am Montagmorgen, wie man inzwischen weiß, sondern auch schon bei zwei vorhergehenden Anschlägen in der Region, bei denen er insgesamt drei Fallschirmjäger, alle nordafrikanischer Abstammung, erschoss - ebenfalls am helllichten Tag. Folgt nun ein Attentat alle vier Tage? Auf wen zielt er als Nächstes? Die Menschen haben Angst vor dem Unberechenbaren, den die Medien den "Mann ohne Gesicht" nennen. "Wir sind extrem beunruhigt", erklärt Bürgermeister Pierre Cohen. Er hat den für heute, Mittwoch, geplanten Karneval abgesagt. Aus Respekt - und aus Vorsicht.

Zum ersten Mal hat Sarkozy die höchste Terror-Alarmstufe für die südwestfranzösische Region Midi-Pyrénées ausgerufen. In Bussen und Bahnen wird verstärkt kontrolliert, die Polizisten patrouillieren schwer bewaffnet auf den Straßen. Jüdische und muslimische Einrichtungen im ganzen Land werden besonders gesichert. Auch die südfranzösischen Kasernen sind in Alarmbereitschaft.

Großfahndung läuft
Derweil läuft die Großfahndung gegen Frankreichs "Staatsfeind Nummer eins" auf Hochtouren; die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Terrorismus. Motiv und Identität des Täters blieben auch am Tag nach der Tat unklar, ebenso, ob er alleine oder in einer Gruppe handelte. Zeugen beschreiben den Mann als mittelgroß und korpulent, der auf einem Motorroller vor der Schule vorfuhr, in Ruhe parkte, den Religionslehrer Jonathan Sandler und seine beiden Söhne niederschoss. In der anliegenden Synagoge beteten einige Schüler. Danach betrat er den Schulhof, hielt die kleine Myriam, die Tochter des Direktors, an den Haaren fest und schoss ihr direkt in den Kopf. Feuerte wahllos weiter und verletzte einen 17-jährigen Schüler. Dann ging er schnellen, aber ruhigen Schrittes zurück zu seinem Motorroller und fuhr davon, vorbei an den Autos der Eltern, die ihre Kinder abliefern wollten. "Die Szene war irreal", sagt Nicole Yardeni, Vorsitzende des jüdischen Dachverbandes Crif in Toulouse, die die Videoaufnahmen gesehen hat.




Schlagwörter

Toulouse, Attentate, Frankreich

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-03-20 18:23:12
Letzte Änderung am 2012-03-20 20:29:20


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