• vom 09.04.2012, 16:06 Uhr

Top News

Update: 09.04.2012, 17:09 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Dass die Österreicher viel zu früh in Pension gehen, hat weder mit der Gesundheit der Arbeitnehmer noch mit dem Arbeitsmarkt zu tun

Eine unheilige Allianz


Von Brigitte Pechar

  • Es ist ein steiniger Weg, das Pensionsantrittsalter zu erhöhen.

Frauen können früher als Männer in Pension gehen - ein Vorteil ist das nicht. - © dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Frauen können früher als Männer in Pension gehen - ein Vorteil ist das nicht. © dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Wien. "Ältere Arbeitnehmer sind in der Regel verlässlicher, weil sie die klassischen Arbeitstugenden mitbringen." Thomas Rihl, Geschäftsführer von Job-Transfair, weiß, wovon er spricht. Job-Transfair, eine Tochter des bfi-Wien, vermittelt Arbeit für Arbeitslose, denen nur noch wenige Jahre bis zur Pension fehlen. "Wir machen Integrationsleasing", sagt Rihl. Um den Firmen das Beschäftigungsrisiko zu nehmen, werden Frauen ab 55 und Männer ab 58 Jahren angestellt, die Unternehmen refundieren einen Teil des Gehalts. Mehr als 400 Personen konnten so seit 2008 wieder ins Berufsleben finden.

Werbung

Die Menschen sollen länger arbeiten. Das ist nicht nur der Wunsch der Regierung, sondern auch dringend erforderlich. Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter beträgt derzeit 58,4 Jahre und soll in den nächsten Jahren zumindest um zwei Jahre erhöht werden. Damit wird Österreich aber noch immer nicht dort ankommen, wo es Anfang der 1970er Jahre bereits war: bei einem Antrittsalter von 61 Jahren. Im jüngsten Sparpaket sind daher diverse Maßnahmen vorgesehen, um die Menschen länger im Job zu halten.

"Das ist ein chronisches Defizit"
Für den Sozialforscher und Pensionsexperten Bernd Marin sind diese Maßnahmen zwar "eine unmittelbare Lebensrettung, sie stoppen die Blutung, aber die Frage, ob der Patient je wieder aus dem Wachkoma kommt, ist damit noch nicht beantwortet". Schließlich macht die Anhebung des faktischen Pensionsalters um zwei Jahre bis 2020 kaum jene Zeit wett, die die Menschen länger leben werden.



14 Milliarden Euro - von 45 Milliarden, die die Pensionen jährlich kosten - beträgt der Bundeszuschuss. "Das ist ein chronisches Defizit. Für jeden dritten Leistungs-Euro ist kein Beitrags-Euro da", erklärt Marin. In zehn Jahren hat sich dieser Betrag in absoluten Zahlen verdoppelt. Marin: "Wir rinnen budgetär aus."

Und selbst wenn eine erste Trendwende beim Frühpensionsalter nun gelingt, ist Österreich spät dran. "Das ist meilenweit von dem entfernt, was wir bräuchten. Wir hinken anderen europäischen Staaten mit 15-jähriger Verspätung nach", so Marin. Im Jahr 2000 lag Österreich beim Pensionsalter ein bis zwei Jahre unter dem OECD-Durchschnitt, mittlerweile sind es vier bis fünf Jahre.

Ein Nachteil für die Frauen
Auch der Europäischen Kommission ist das österreichische Tempo zu langsam. Sie hatte in ihrem Weißbuch vom Februar 2012 vorgeschlagen, das Frauenpensionsalter an jenes der Männer anzupassen und die Erhöhung der Lebenserwartung automatisch im Pensionsrecht zu berücksichtigen. "Beides ist nicht gemacht worden", sagt Marin.




4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-09 16:11:10
Letzte Änderung am 2012-04-09 17:09:12


Werbung



Beliebte Inhalte



Solidarität, Unverständnis, aber auch Furcht und Hass machen sich in London breit. - APAweb/REUTERS/Luke MacGregor
  • Islamistischer Tathintergrund: Polizei geht von "einsamen Wölfen" aus.
  • weiter

Wien. Wildwest-Szenen in Wien-Alsergrund: Ein am Vortag fristlos entlassener Mann kehrte Donnerstag früh in seine Firma in Wien-Alsergrund zurück und...weiter

Brüssel. (czar) Manchmal sind es edle Glaskaraffen, die auf dem Tisch stehen, und woanders sind es abgegriffene Plastikflaschen...weiter

20.000 Obdachlose leben allein auf den Straßen Athens. - APAweb / EPA / Orestis Panagiotou
  • Wer arbeitslos wird, landet schnell auf der Straße.
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter





Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung