Wien. "Ältere Arbeitnehmer sind in der Regel verlässlicher, weil sie die klassischen Arbeitstugenden mitbringen." Thomas Rihl, Geschäftsführer von Job-Transfair, weiß, wovon er spricht. Job-Transfair, eine Tochter des bfi-Wien, vermittelt Arbeit für Arbeitslose, denen nur noch wenige Jahre bis zur Pension fehlen. "Wir machen Integrationsleasing", sagt Rihl. Um den Firmen das Beschäftigungsrisiko zu nehmen, werden Frauen ab 55 und Männer ab 58 Jahren angestellt, die Unternehmen refundieren einen Teil des Gehalts. Mehr als 400 Personen konnten so seit 2008 wieder ins Berufsleben finden.
Die Menschen sollen länger arbeiten. Das ist nicht nur der Wunsch der Regierung, sondern auch dringend erforderlich. Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter beträgt derzeit 58,4 Jahre und soll in den nächsten Jahren zumindest um zwei Jahre erhöht werden. Damit wird Österreich aber noch immer nicht dort ankommen, wo es Anfang der 1970er Jahre bereits war: bei einem Antrittsalter von 61 Jahren. Im jüngsten Sparpaket sind daher diverse Maßnahmen vorgesehen, um die Menschen länger im Job zu halten.
"Das ist ein chronisches Defizit"
Für den Sozialforscher und Pensionsexperten Bernd Marin sind diese Maßnahmen zwar "eine unmittelbare Lebensrettung, sie stoppen die Blutung, aber die Frage, ob der Patient je wieder aus dem Wachkoma kommt, ist damit noch nicht beantwortet". Schließlich macht die Anhebung des faktischen Pensionsalters um zwei Jahre bis 2020 kaum jene Zeit wett, die die Menschen länger leben werden.

14 Milliarden Euro - von 45 Milliarden, die die Pensionen jährlich kosten - beträgt der Bundeszuschuss. "Das ist ein chronisches Defizit. Für jeden dritten Leistungs-Euro ist kein Beitrags-Euro da", erklärt Marin. In zehn Jahren hat sich dieser Betrag in absoluten Zahlen verdoppelt. Marin: "Wir rinnen budgetär aus."
Und selbst wenn eine erste Trendwende beim Frühpensionsalter nun gelingt, ist Österreich spät dran. "Das ist meilenweit von dem entfernt, was wir bräuchten. Wir hinken anderen europäischen Staaten mit 15-jähriger Verspätung nach", so Marin. Im Jahr 2000 lag Österreich beim Pensionsalter ein bis zwei Jahre unter dem OECD-Durchschnitt, mittlerweile sind es vier bis fünf Jahre.
Ein Nachteil für die Frauen
Auch der Europäischen Kommission ist das österreichische Tempo zu langsam. Sie hatte in ihrem Weißbuch vom Februar 2012 vorgeschlagen, das Frauenpensionsalter an jenes der Männer anzupassen und die Erhöhung der Lebenserwartung automatisch im Pensionsrecht zu berücksichtigen. "Beides ist nicht gemacht worden", sagt Marin.