Pjöngjang. Nordkoreas Einheitspartei, die kommunistische Arbeiterpartei, hat Kim Jong-un zu ihrem "Ersten Sekretär" ernannt. Der Beschluss wurde auf einem außerordentlichen Treffen der Parteitagsdelegierten in Pjöngjang gefasst. Damit wurde Kim Jong-uns Stellung an der Spitze des isolierten Staates gestärkt.
Zugleich wurde Kim Jong-il, der zu Lebzeiten Generalsekretär war, der Ehrentitel eines "ewigen Vorsitzenden" der Partei verliehen. Kim Jong-ils 1994 verstorbener Vater Kim Il-sung wird als "ewiger Präsident" der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik verehrt.
Gleichzeitig mit der Ernennung von Kim Jong-un zum Parteichef wurde ein Wechsel an der Spitze des nordkoreanischen Verteidigungsministeriums vollzogen. Kim Jong-gak löst als "Minister der Volksstreitkräfte" den 75-jährigen Vizemarschall Kim Yong-chun ab, berichtete das Parteiorgan "Rodong Sinmun".

Kim Jong-Gak (59) ist seit 2002 General und war bisher stellvertretender Minister. Er begleitete oftmals den verstorbenen Machthaber Kim Jong-il auf dessen Inspektionsreisen und schlug 2009 der Obersten Volksversammlung die Wiederwahl Kim Jong-ils zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates vor.
Raketenstart steht unmittelbar bevor
Indes steht der Start der nordkoreanischen Langstreckenrakete möglicherweise bereits am Donnerstag bevor. Die Rakete werde betankt, sagte der Leiter des nordkoreanischen Satelliten-Kontrollzentrums, Paek Chang-ho, am Mittwoch vor ausländischen Journalisten. Nach offiziellen Angaben soll die Unha-3 einen Wettersatelliten ins All bringen. Nachbarstaaten und die USA vermuten aber einen militärischen Test für eine Rakete, die mit Atomsprengköpfen bestückt auch Alaska erreichen könnte. Mit dem Start verstößt Nordkorea gegen Beschlüsse der Vereinten Nationen.
Wie lange die Betankung dauert, sagte Paek nicht. Auch zum genauen Zeitpunkt des Starts, der zwischen Donnerstag und Montag geplant ist, äußerte er sich nicht. "Das werden meine Vorgesetzten entscheiden." Der Zeitpunkt fällt mit den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il-sung zusammen.
Clinton fürchtet weitere Provokationen
Der Start der Langstreckenrakete würde die Ansicht stützen, dass Nordkoreas Führung verbesserte Beziehungen mit dem Rest der Welt "als eine Bedrohung ihres Systems betrachtet", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton am Dienstag in Annapolis. "Und die jüngere Geschichte deutet sehr stark darauf hin, das weitere Provokationen folgen könnten." Ähnlich äußerten sich auch Clintons japanischer Amtskollege Koichiro Gemba und die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Susan Rice. Auch die deutsche Regierung warnte Nordkorea am Mittwoch vor dem Start einer Langstreckenrakete gewarnt und diesen als "deutliche Provokation" bezeichnet.
China zeigte sich am Mittwoch besorgt, aber eher zurückhaltend zu den Vorbereitungen Nordkoreas. Der Sprecher des Außenministeriums, Liu Weimin, wollte sich auf Journalistenfragen nicht konkret zu einer möglichen Reaktion des Weltsicherheitsrats äußern. "Alle Worte und Reaktionen der internationalen Gemeinschaft sollten dem Ziel dienen, Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in Nordostasien zu fördern, und die Situation nicht noch verschlimmern."
Westliche Regierungen sehen hinter dem Satellitenstart den Versuch, den Test einer Interkontinentalrakete zu verschleiern, die einen atomaren Sprengkopf tragen könnte. Dies würde eine Verletzung der UNO-Resolution 1874 bedeuten, die Pjöngjang weitere Atomwaffentests oder Abschüsse ballistischer Raketen verbietet. Nordkorea hatte jeweils wenige Monate vor seinen Atomwaffentests in den Jahren 2006 und 2009 Langstreckenraketen getestet.