Paris. Schon vor der offiziellen Eröffnung ist in Paris das größte Kunstzentrum Europas gefeiert worden. Das für rund 20 Millionen Euro umgebaute Palais de Tokyo in der Nähe des Trocadero bietet auf rund 22.000 Quadratmetern jede Menge Raum für kulturelle Projekte. Zum Auftakt standen 30 Stunden lang Performances, Videoschauen, Installationen, Konferenzen und Konzerte auf dem Programm. Am kommenden Freitag öffnet das Zentrum für zeitgenössische Kreation offiziell.
Die Umbauarbeiten dauerten zehn Monate. Die Fläche wurde fast verdreifacht. Nach dem Vorbild von Kunsthallen im deutschsprachigen Raum besitzt das Zentrum für zeitgenössische Kreation keine eigene Sammlung. Mit dem Festprogramm hat der neue Direktor des Kunstzentrums, Jean de Loisy, gezeigt, wie sein Programm aussehen soll: vielfältig, offen und international.
Das neoklassizistische Gebäude liegt auf der Touristenroute, nur wenige Schritte vom Trocadero entfernt, und verfügt nun über Räume, von denen andere träumen.
Utopisch, aufregend, ehrgeizig, pragmatisch, intelligent, notwendig und maßlos. Mit diesen hochtrabenden Worten wurde 2002 die Kunsthalle für Gegenwartskunst eingeweiht. Ein Ereignis, auf das die avantgardistische Kunstszene schon damals lange gewartet hat. Die Anfangseuphorie hielt knapp fünf Jahre an, dann brachen politische Machtkämpfe aus.
Man stritt sich darum, wer die restlichen 15.000 Quadratmeter des Westflügels des Gebäudes nutzen sollte, das dem französischen Staat gehört. Die 2002 eröffnete Kunsthalle nahm nur knapp ein Drittel der Fläche ein. Das Zentrum kämpfte dabei gegen Goliath und gewann. Der Zuschlag ging nicht an das Centre Pompidou. Eine Wende in letzter Minute und eine Schlacht, die das Kunstzentrum viel Energie und Geld gekostet hat.
Vielleicht wird nun im zweiten Anlauf das erhoffte Ziel erreicht. Der neue Direktor Jean de Loisy war unter anderem Konservator der Pariser Fondation Cartier, Ko-Kurator großer erfolgreicher Ausstellungen wie "Die Schönheit" in Avignon im Jahr 2000, "Spuren des Heiligen" im Centre Pompidou (2008) und Kurator der Monumenta 2011 mit Anish Kapoor im Pariser Grand Palais.
Raum für Gegenwartskunst
Paris fehlt es weder an Museen noch an Galerien, doch gibt es keinen Ort, der ausschließlich der Experimentierfreudigkeit junger Künstler gewidmet ist. Das Kunstzentrum im Palais de Tokyo, das im Jahr 1937 für die Weltausstellung errichtet wurde, bietet zumindest die bauliche Hülle für ein Labor für Gegenwartskunst.