Innsbruck. Die Innsbrucker Bürgermeisterwahl brachte vorerst keine Entscheidung. Amtsinhaberin Christine Oppitz-Plörer von der bürgerlichen Liste "Für Innsbruck" erhielt dem vorläufigen Endergebnis zufolge 31 Prozent der Stimmen. VP-Kandidat Christoph Platzgummer erreichte 28 Prozent. Die beiden müssen in zwei Wochen in eine Stichwahl gehen. Bei den Listen hatte hingegen die Volkspartei gegenüber "Für Innsbruck" knapp die Nase vorn. Die Piraten schafften den erstmaligen Einzug in den Gemeinderat. Die Wahlbeteiligung fiel mit 50,7 Prozent äußerst gering aus. Für das Regieren in der Landeshauptstadt ist weiterhin eine Koalition notwendig.
Die Grünen überholten mit acht Mandaten die SPÖ (sechs Mandate). Die Piraten zogen mit einem Sitz in den 40-köpfigen Gemeinderat ein. FPÖ und Rudi Federspiel erreichten jeweils drei Mandate, der ÖVP-Seniorenbund bleibt bei einem Mandat. Der Bürgermeister wurde zum ersten Mal direkt gewählt.
ÖVP überholte "Für Innsbruck"
Für die ÖVP bedeutet das Ergebnis die Rückeroberung der relativen Mehrheit. Sie legte um 7,3 Prozentpunkte auf 21,9 Prozent zu und überholte damit die seinerzeit vom heutigen Landtagspräsidenten Herwig van Staa gegründete Bürgermeisterliste "Für Innsbruck", die 5,9 Prozentpunkte verlor und 21,0 Prozent erreichte.
Die Grünen kamen auf 19,1 Prozent (plus 0,5 Prozentpunkte) oder acht der 40 Sitze. Für die SPÖ bedeutete das Ergebnis ein Minus von 5,1 Prozentpunkte auf sechs Sitze.
Die Liste "Rudi Federspiel" kam auf 7,9 Prozent (minus 1,5 Prozentpunkte), die Freiheitlichen auf 7,7 Prozent (plus 2,7 Prozentpunkte). Der VP-Seniorenbund stagnierte bei 2,7 Prozent.
Platzgummer: "Menschen wollen Wechsel"
Tirols Landeshauptmann Günther Platter sah in dem Wahlergebnis eine Bestätigung für das bürgerliche Lager. Sichtlich erfreut gab sich VP-Spitzenkandidat Platzgummer: "Die Menschen wollen einen Wechsel". "Für Innsbruck" sei Garant dafür, dass die FPÖ nicht in die Stadtregierung kommen werde, betonte Oppitz-Plörer: "Wir sind die Heimat der politischen Mitte". Für die Stichwahl will Oppitz-Plörer die Innsbrucker in den nächsten Wochen von der "harten Arbeit" der letzten Jahre überzeugen. Nach dem Wahlkampf seien aus ihrer Sicht "keine Gräben offen".
FP-Spitzenkandidat August Penz sah sich als "unzufriedener Gewinner". Dass sich das umstrittene Wahlplakat mit dem Slogan "Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe" negativ ausgewirkt habe, glaubte Penz jedenfalls nicht. SP-Spitzenkandidatin, Stadträtin Marie-Luise Pokorny-Reitter erklärte, dass es "wehtue", wenn man Mandate verliert. Wahlempfehlung für die Stichwahl wollte sie noch keine abgeben.
Pokorny-Reitter kam in der Bürgermeister-Wahl auf 14 Prozent. Die Grüne Sonja Pitscheider verbuchte zehn Prozent, Rudi Federspiel neun Prozent. August Penz (FPÖ) kam auf fünf Prozent, "Pirat" Alexander Ofer auf zwei Prozent.
Piraten entern Gemeinderat
Die Piraten haben erstmals den Gemeinderat geentert. Mit 3,9 Prozent der Stimmen erlangten sie einen der 40 Sitze im Stadtparlament. Der 38-jährige Alexander Ofer ist damit als erster Pirat in einer österreichischen Körperschaft vertreten.
Die Tiroler Piratenpartei PPT war ursprünglich Teil der Bundesorganisation der österreichischen Piraten PPÖ. Die Tiroler wurden aber nach einem Disput im Jänner ausgeschlossen. Sie treten ebenfalls für typische Piraten-Themen wie Transparenz in der Politik, freien Zugang zu Kultur und Wissen und Datenschutz ein. Ofner hatte im Wahlkampf wiederholt "mehr Bürgerbeteiligung" eingefordert.
%
WBE 96.861
ABG 50.684=52,33
GÜL 48.866=96,41
Für Innsbruck/Oppitz-Plörer 15.313=31,34
SPÖ/Pokorny-Reitter 6.818=13,95
GRÜNE/Pitscheider 4.869= 9,96
ÖVP/Platzgummer 13.704=28,04
RUDI/Federspiel 4.251= 8,70
FPÖ/Penz 2.395= 4,90
KPÖ/Stingl 468= 0,96
PPÖ/Ofer 1.048= 2,14
NAMEN DER LISTEN UND KANDIDATEN:
Für Innsbruck - Christine Oppitz-Plörer
SPÖ - Marie-Luise Pokorny-Reitter
GRÜNE - Sonja Pitscheider
ÖVP - Christoph Platzgummer
RUDI - Liste Rudi Federspiel - Rudi Federspiel
FPÖ - August Penz
KPÖ - Josef Stingl
PPÖ - Piraten Partei Tirol - Alexander Ofer