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Update: 17.04.2012, 11:09 Uhr
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Erika Pluhar geht mit Adoptivenkel Ignaz auf Spurensuche in die Westsahara

"Habe keine Angst mehr"


Von Alexandra Zawia

  • Pluhar über ihren sehr persönlichen Dokumentarfilm "Sahara in mir".

Wien. "Eine Vergangenheitsbewältigung muss immer auch eine Gegenwartsbewältigung sein", findet Erika Pluhar (73), die dafür auch gern in die Westsahara zurückkehrte, woher ihr mittlerweile 27-jähriger Adoptivenkel Ignaz stammt, dessen Obsorge Pluhar nach dem tragischen Tod ihrer Tochter Anna Proksch 1999 übernommen hatte. "Den Wunsch, den Ursprung seines eigenen Seins kennenzulernen, habe ich ihm nur zu gern erfüllt", so Pluhar im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Mit dem Kameramann Karl Kofler reisten die beiden in jene Region an der Westküste Nordafrikas, die bis 1975 eine spanische Kolonie war und seither vom nördlichen Nachbarn Marokko besetzt ist. "Sahara in mir" heißt das filmische Resultat, das derzeit in den Kinos zu sehen ist.

Erika Pluhar und ihr Adoptivenkel Ignaz in "Sahara in mir": In der Wüste Vergangenheit und Gegenwart bewältigen.

Erika Pluhar und ihr Adoptivenkel Ignaz in "Sahara in mir": In der Wüste Vergangenheit und Gegenwart bewältigen.Elmo Movie World Erika Pluhar und ihr Adoptivenkel Ignaz in "Sahara in mir": In der Wüste Vergangenheit und Gegenwart bewältigen.Elmo Movie World

"Ich wollte mit diesem Film keinerlei politisches Plädoyer machen", sagt Pluhar. "Denn die Saharauis sind ein sehr stolzes Volk. Der Film ist das Tagebuch einer sehr persönlichen Reise." Mit einem Diktiergerät zieht sich Ignaz auf der Reise immer wieder zurück, versucht zu ordnen und zu verstehen, was er erlebt hat. "Es war sehr berührend zu sehen, dass er sich dort mit einer gewissen Selbstverständlichkeit bewegt hat", erzählt Pluhar. "Aber ich weiß, wenn die Kamera nicht dabei war, gab es auch Tränen." Zwar gibt Erika Pluhar hier in erster Linie den großmütterlichen Begleitschutz für Ignaz; die Reise ist für sie aber auch eine Rückkehr in ein Land, das sie Anfang der Achtzigerjahre als damals noch aktive Schauspielerin mehrmals mit ihrer Tochter besucht hatte. In einer berührenden Szene bedankt sich der Bürgermeister von Samra bei Pluhar für ihre Treue und ihre Liebe zu seinem Volk. "Ignaz und ich haben diesen Film meiner Tochter gewidmet. Ja, man sagt immer, was einen nicht umbringt, macht einen stärker. Aber ganz ehrlich: Ich hätte nichts dagegen, stark zu sein, ohne Schlimmes erlebt zu haben."

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Doch von Bitterkeit ist bei Pluhar nichts zu spüren. "Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist es, unsere Würde zu bewahren", sagt sie. Eine andere Herausforderung sei es aber auch gewesen, nach ihrer Schauspielkarriere als Autorin und Sängerin akzeptiert zu werden: "Unsere Gesellschaft lehnt es ab, wenn man von einer Schublade in die andere wechselt. Aber ich bin ein beharrlicher Mensch, und Feuilleton-Dünkel kümmert mich spätestens seit André Heller nicht mehr."

Das Leben als Überwindung
Erika Pluhar spricht offen, mit einer tiefen Gelassenheit, aber zu innerer Stärke zu finden, sei natürlich ein langer Prozess gewesen. "Das Leben war für mich immer auch eine Überwindung", sagt sie heute. "Ein immerwährender Angstabbau - ob im Theater vor Premieren oder im wirklichen Leben. Das kostet sehr viel Energie", so Pluhar. "Aber jetzt fürchte mich nicht mehr vor Menschen und auch nicht mehr vor mir selbst. Ich bin mir des Lebens bewusst."

Auch diese Reise habe ihr dahingehend erneut geholfen, meint sie. "Vieles relativiert sich, wenn man seine gewohnte Umgebung - auch die geistige - einmal verlässt. Das ist ein Rezept, das jeder regelmäßig befolgen sollte." Ignaz habe diese Offenheit in sich, darauf ist Pluhar stolz, auch wenn selbst er immer wieder mit Rassismus konfrontiert worden sei. Die Idee einer multikulturellen Gesellschaft findet sie gut, sagt Pluhar, aber: "Aus meiner schönen Wohnung in Grinzing heraus kann ich natürlich leicht sagen, dass man sich vor Multikulturalität nicht fürchten muss. Mir ist klar, dass es Schwierigkeiten gibt." Extremismus jeglicher Art lehne sie ab, so Pluhar. "Egal ob politischen, religiösen oder freizeitsportlichen. Sie werden mich nie in einer Fangruppe mitgrölen sehen, und ich möchte auch nie eine Begrölte sein, das war ich Gottseidank auch nie." Einer späten, neuen Karriere als Regisseurin sei sie aber nicht abgeneigt, meint sie. "Wenn es sich ergibt, werde ich gerne noch ein paar Filme machen, egal ob vor oder hinter der Kamera. Die Gelassenheit hab ich jetzt."


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Schlagwörter

Erika Pluhar, Sahara in mir

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-16 16:56:05
Letzte Änderung am 2012-04-17 11:09:30


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