Manama. Weltmeister Sebastian Vettel hat den umstrittenen Formel-1-Grand Prix von Bahrain für sich entschieden. Der deutsche Red-Bull-Pilot setzte mit seinem ersten Saisonsieg auch an die Spitze der WM-Wertung. Hinter Vettel kamen die Lotus-Fahrer Kimi Räikkönen (FIN) und Romain Grosjean (FRA) auf das Podest. Vettels australischer Teamkollege Mark Webber wurde Vierter.

In der WM-Wertung führt Vettel mit 53 Punkten vor dem Briten Lewis Hamilton (McLaren/49) und Webber (48). Jenson Button (GBR/McLaren) und Fernando Alonso (ESP/Ferrari) liegen mit jeweils nur zehn Zählern Rückstand auf Vettel auf den Rängen vier und fünf.
Das Rennen war trotz schwerer Ausschreitungen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei gestartet worden. Nach den Massenprotesten von Freitag und Samstag war es auch in der Nacht auf Sonntag zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Gummigeschoße ein, vermummte Demonstranten warfen Brandsätze auf die Polizei.
Vor dem Grand Prix hing schwarzer Rauch über der Küstenstadt Budaija, dem Zentrum der Proteste gegen die Herrscherfamilie. Nach Angaben der Opposition kam bei den Unruhen am Wochenende ein Aktivist ums Leben. Die Bestattung des 36-Jährigen könnte dem Vernehmen nach noch am Sonntag erfolgen und weitere Ausschreitungen schüren. Bereits am Vormittag zündeten Jugendliche Autoreifen auf Straßen an. Die Feuer wurden zumeist schnell gelöscht.
Die regierende Al-Khalifa-Familie wollte die luxuriöse Sportveranstaltung nutzen, um nach den Unruhen im vergangenen Jahr die Rückkehr zur Normalität zu signalisieren. 2011 war das Formel-1-Rennen abgesagt worden. König Hamad bin Isa Al-Khalifa sagte kurz vor dem Rennen, er fühle sich Reformen und Versöhnung verpflichtet. "Die Tür ist immer offen für aufrichtigen Dialog unter allen Menschen", hieß es in einer Mitteilung. "Ich möchte mich persönlich klar zu Reformen und Aussöhnung in unserem großartigen Land bekennen", hieß es in einer am Sonntagmorgen veröffentlichten Erklärung des Monarchen.
Bahrain ist ein enger Verbündeter der USA. Das Land ist der einzige Golfstaat, der ernsthaft von der Revolutionsbewegung des Arabischen Frühlings erfasst wurde. Bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im vergangenen Jahr - auch mit Hilfe Saudi-Arabiens - starben 35 Menschen.
Formel 1 weit ab von den Ausschreitungen
Das Formel-1-Rennen fand weit ab von den Ausschreitungen statt. Die Autobahn, die zum Rundparcours führt, sicherten Polizeiautos. An der Straße sei auch Stacheldraht aufgezogen worden, sagten Aktivisten der Opposition. In den Hotels, in denen Formel-1-Mitarbeiter und -Fahrer untergebracht waren, wurden in der Früh Gäste beim Schwimmen und Entspannen am Pool gesehen.
Vettel drückte vor dem Rennen seine Frustration über die Konzentration auf die politische Lage in Bahrain aus. Er freue sich darauf, in sein Auto zu kommen und sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die wirklich wichtig seien - "Reifentemperaturen, Autos". Auch Formel-1-Chef Bernie Ecclestone hatte sich kühl gezeigt. "Das hat nichts mit uns zu tun", sagte er. "Wir haben eine Vereinbarung, hier zu sein, und wir sind hier." Er selbst könne im Übrigen das Rennen gar nicht absagen, selbst wenn er wollte. Die nationale Sportbehörde des Landes müsse darüber entscheiden.
Etwa 7.000 meist schiitische Gegner der sunnitischen Herrscherfamilie hatten am Samstag demokratische Reformen in dem Inselstaat im Persischen Golf gefordert. Sie werfen zudem den Formel-1-Organisationen vor, das Königshaus aufzuwerten, das seine Gegner unterdrücke. Nach Angaben von Aktivisten sind allein in den vergangenen Tagen vor dem Formel-1-Rennen 95 Menschen nach Protesten festgenommen worden. Die Sicherheitsvorkehrungen in dem Land mit rund 1,3 Millionen Einwohnern sind enorm verschärft worden. Die Kosten des Rennens werden auf 40 Millionen Dollar geschätzt. Vor zwei Jahren kamen 100.000 Zuschauer, der Umsatz im Zusammenhang mit dem Rennen erreichte eine halbe Milliarde Dollar.