
Brüssel/Guadeloupe/Paris/Wien. Der Sozialist Francois Hollande hat, wie von den Meinungsforschungsinstituten vorhergesagt, die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich am Sonntag für sich entschieden. Der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy landete in ersten, im TV veröffentlichen Hochrechnungen auf dem zweiten Platz. Hollande erreichte laut Hochrechnung des Innenministeriums 27,7 Prozent, Sarkozy 26,6 Prozent. Die Kandidatin der rechtsextremen Front National (FN), Marine Le Pen, erreichte mit 19,7 Prozent ein historisches Ergebnis für ihre Partei.
Da keiner die absolute Mehrheit erreichte, gehen die beiden Bestplatzierten, Hollande und Sarkozy, am 6. Mai in die Stichwahl. Alle Umfragen bisher sagten einen Sieg des Sozialisten in der zweiten Runde voraus. Es ist das erste Mal bei einer französischen Präsidentenwahl, dass der Amtsinhaber im ersten Durchgang zurückliegt.
Rechtsextreme erreichen fast 20 Prozent
Marin Le Pen übertraf das historische Ergebnis ihres Vater aus dem Jahr 2002: Jean-Marie Le Pen landete damals mit 16,9 Prozent auf dem zweiten Platz hinter dem konservativen Kandidaten Jacques Chirac und warf damit den Sozialisten Lionel Jospin aus dem Rennen. Im zweiten Wahldurchgang gelang Chirac mit 82,2 Prozent dann jedoch ein haushoher Sieg. 2007 konnte Jean-Marie Le Pen lediglich 10,4 Prozent der Stimmen auf sich verbuchen.

Hollande erklärte sich zum Favoriten für die Stichwahl: "Ich bin heute der am besten Platzierte, um der nächste Präsident der Republik zu werden", sagte der Wahlsieger der ersten Runde vor jubelnden Anhängern im zentralfranzösischen Tulle, seiner politischen Heimat. "Am 6. Mai will ich einen Sieg, einen schönen Sieg." Er sprach von einer "Abstrafung Sarkozys", den er eine Mitschuld am hohen Abschneiden Le Pens gab. Europa müsse eine neue Orientierung in Richtung auf Wachstum und Arbeitsplatzbeschaffung gegeben werden, sagte Hollande.
Bayrou blieb unter den Erwartungen
An vierter Stelle mit 10,7 Prozent landete am heutigen Sonntag Jean-Luc Melenchon von der Linksfront aus Kommunisten (PCF) und Linkspartei (PG). Melenchon gab eine Wahlempfehlung für Hollande ab: Er rief seine Anhänger dazu auf, Sarkozy am 6. Mai zu schlagen. Das französische Volk habe genug von Jahren unter Sarkozy. Dem Zentrumspolitiker Francois Bayrou wurden 9,2 prognostiziert. Le Pen und Bayrou, der weit hinter seinen 18,5 Prozent aus dem Jahr 2007 zurückblieb, legten sich noch nicht auf eine Empfehlung für die Stichwahl fest.
Auf Mitterands Spuren
Sollte sich Hollande bei der Stichwahl durchsetzen, wäre er der zweite sozialistische Präsident Frankreichs nach Francois Mitterrand (1981-95). Als Kernprojekte in Hollandes Wahlprogramm gelten eine umfassende Reform des Steuersystems und Maßnahmen in den Bereichen Bildung und Beschäftigung. So sollen Besserverdiener und Unternehmen stärker belastet werden und 60.000 neue Jobs an Schulen geschaffen werden.