Wien. Lehrer sollen künftig mehr Zeit mit den Schülern verbringen, lautet eine der Losungen von Unterrichtsministerin Claudia für die lange angekündigte Reform des Lehrerdienstrechts. Derzeit macht Unterrichten nach Eigeneinschätzung der Pädagogen nur zwischen 28 und 35 Prozent ihrer Arbeitszeit aus, wie aus einer bereits 2001 durchgeführten "Lehrer-Arbeitszeitstudie" hervorgeht.
Konkrete Verhandlungen bis zum Sommer
Das ist nur eines von vielen Problemen, die ein neues Lehrer-Dienstrecht adressieren soll. Die Verhandlungen liefen bisher nicht erfolgreich, am Donnerstag ist eine neue Runde zwischen Schmied, Finanzministerin Maria Fekter, Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und der Lehrergewerkschaft angesetzt. Schmied hofft, dass bis zum Sommer die Eckpunkte für das neue Dienstrecht stehen. Die Gewerkschafter wollen zunächst die Vorschläge der Regierung entgegennehmen und bewerten; sie rechnen damit, dass es noch bis Anfang Juni dauern wird, bis die Verhandlungen konkret werden.
Eile ist indes geboten, denn den Schulen steht eine riesige Personal-Rotation bevor: Bis 2025 geht rund die Hälfte der 125.000 Lehrer in Pension, schon jetzt gibt es zu wenige Lehrer. Gleichzeitig steigt der Personalbedarf durch Regierungsprojekte wie Neue Mittelschule (NMS) und Ausbau der Nachmittagsbetreuung.
Zehn Prozent des Budgets für Lehrer
Der Bund wendet fast zehn Prozent seiner Gesamtausgaben für Lehrer auf. Für Bundeslehrer (AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen) hat der Bund 2011 laut dem am Montag vom Rechnungshof (RH) veröffentlichten Bundesrechnungsabschluss 2,78 Mrd. Euro (ein geringer Teil dieser Summe entfällt auch auf Aufwendungen für administratives Personal, Anm.) ausgegeben, für die Landeslehrer (Volks-, Haupt-, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schulen) waren es 3,43 Mrd. Euro. Seit 2007 haben sich die Aufwendungen für Bundeslehrer um 14,4 Prozent erhöht, für Landeslehrer um 10,8 Prozent.
Lehrer-Initiative forder Qualitäts-Debatte
Die Initiative "LehrerInnen für das Bildungsvolksbegehren" hat sich in einem offenen Brief an die Unterrichts-, Finanz- und Beamtenministerin gewandt. Darin äußern die Lehrer die Befürchtung, dass die Verhandlungen "hauptsächlich unter budgetären Aspekten geführt werden" und fordern, pädagogische Überlegungen mit einzubeziehen. Auf einer dazugehörigen Webseite http://www.bildungsrecht.at wird um Unterstützer des Anliegens geworben.
Als Unterzeichner des Briefes fungieren die ehemaligen AHS-Direktoren Heidi Schrodt und Erwin Greiner sowie AHS-Lehrer Daniel Landau. Sie sehen in den bevorstehenden Verhandlungen "die einmalige Chance", gehaltstechnische mit pädagogischen Fragen zu verbinden "und somit mit einer Gehaltsreform einen schulischen Innovationsschub in Gang zu setzen". Sie fordern, dass bei den Verhandlungen u.a. eine größtmögliche Autonomie an Bildungseinrichtungen, die Abschaffung von Bezirksschulräten im Rahmen einer Verwaltungsreform sowie eine Neudefinition der "Arbeitszeit" von Pädagogen thematisiert werden. Die Initiative "LehrerInnen für das Bildungsvolksbegehren" ist aus der im Vorjahr von Ex-SP-Vizekanzler Hannes Androsch initiierten "Volksbegehren Bildungsinitiative" hervorgegangen.