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Update: 09.05.2012, 20:23 Uhr
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Zweitwohnsitz in den Bergen: Probleme der alpinen Gentrifizierung

Eine alpine Verdrängung


Von Matthias Nagl

  • Der Raum in den Alpen ist begrenzt, neue Formen des Wohnens führen zu Konflikten.

Salzburg.

Der Berg ruft: Schöne Aussicht, teuer bezahlt. Der Boom der Zweitwohnsitze im alpinen Raum führt zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung: Abwanderung und hohe Immobilienpreise sind die Folge.

Der Berg ruft: Schöne Aussicht, teuer bezahlt. Der Boom der Zweitwohnsitze im alpinen Raum führt zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung: Abwanderung und hohe Immobilienpreise sind die Folge.© Hartmut Nägele Der Berg ruft: Schöne Aussicht, teuer bezahlt. Der Boom der Zweitwohnsitze im alpinen Raum führt zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung: Abwanderung und hohe Immobilienpreise sind die Folge.© Hartmut Nägele

Der erfahrene Alpenbewohner muss sich in Gefahr begeben, in die er sich eigentlich nie begeben würde, nur um den unerfahrenen Städter aus einer freizeitbedingten Notlage zu retten. Dieser Vorwurf schwingt bei manchen alpinen Rettungseinsätzen mit und illustriert die unterschiedlichen Interessenlagen, die im Alpenraum aufeinander prallen.

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Was für die einen Freizeitraum ist, ist für die anderen identitätsstiftender Wohnraum. Unterschiedliche Vorstellungen von der angemessenen Nutzung dieses Raumes sind die Folge.

Astronomische Mietpreise
Dass die Alpen für urbane Bevölkerungsschichten in jüngster Zeit vermehrt auch zum Wohnraum werden, bezeichnet der Wirtschaftsgeograf Manfred Perlik von der Europäischen Akademie Bozen als "alpine Gentrifizierung". Damit weist der Wissenschafter auf einen Prozess hin, der in den Großstädten wohlbekannt, für ländliche Regionen wie die Alpen aber neu ist: Die alteingesessene Bevölkerung wird durch neu zuziehende, wohlhabende Bewohnerschichten wenn schon nicht verdrängt, dann zumindest marginalisiert.

Dass das nicht zwingend sein muss, veranschaulicht das Beispiel der Schweizer Gemeinde Andermatt. Dort ist wahre Goldgräberstimmung ausgebrochen, seit der ägyptische Investor Samih Sawiris vor einigen Jahren den Bau eines Tourismusprojekts mit Hotels, Ferienhäusern, Geschäften, neuen Skiliften und einem Golfplatz gestartet hat. Die Planung und Umsetzung erfolgte in weitgehender Übereinstimmung mit der Bevölkerung.

"Natürlich wird hier ein Agrarraum umgewandelt", erklärt Perlik im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Aber es ist immer noch kultivierter als woanders, wo die Bewohner verjagt werden."

So werden in Andermatt große Hoffnungen in das Projekt gelegt. Im übernächsten Winter sollen die ersten Hotels fertig sein, doch schon vor Baubeginn hatte sich der Quadratmeterpreis in der Gemeinde mehr als verdoppelt. "Dieses Beispiel zeigt, wie der Druck auf den Wohnungsmarkt durch Investoren steigt", so Perlik. "In Tourismusgemeinden hat die lokale Bevölkerung Schwierigkeiten, erschwinglichen Mietraum zu bekommen." Auch in langsam gewachsenen Tourismusregionen liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis zum Teil in astronomischen Höhen. Tiroler Gemeinden wie Kitzbühel und Reith haben Immobilienpreise, die sich mit der Wiener Innenstadt und dem Nobelbezirk Döbling vergleichen lassen können.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-09 15:47:06
Letzte Änderung am 2012-05-09 20:23:31


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