Berlin. Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat vor einem "Fass ohne Boden" bei der weiteren Griechenland-Hilfe gewarnt. In einem im Voraus in Textform veröffentlichten Video-Interview für die "Leipziger Volkszeitung" (Samstag) wies Friedrich auf einen Zusammenhang der weiteren Finanzhilfe mit dem Ausgang der bevorstehenden Neuwahlen in Griechenland hin: "Wer von uns Hilfe möchte und Solidarität einfordert, der muss umgekehrt auch akzeptieren, dass wir eine gewisse Seriosität und eine gewisse Vernunft auch des Landes erwarten, dem wir helfen sollen." Deutschland sei gerne bereit, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, sagte Friedrich. "Wir sind nicht bereit, Geld in ein Fass ohne Boden zu kippen."
Die Griechen hätten bei ihrer Aufnahme in die Euro-Zone "offensichtlich geglaubt, wenn sie nur an den Euro kommen, dann ist der Reichtum automatisch gegeben". Das sei ein großer Irrtum gewesen. Eine Volkswirtschaft und "ein Land muss mit seiner Wirtschaftsstärke auch zu einer Währung passen", sagte der CSU-Politiker.
"Le Monde" zu Griechenland: Nach den Wahlen wird es zu spät sein Die unabhängige französische Tageszeitung "Le Monde" kommentiert am Samstag die Perspektiven für Griechenland:
"Man muss den Griechen jetzt vor der Wahl am 17. Juni einen neuen europäischen Plan vorstellen, der ihnen Zeit und genügend Luft einräumt, um ihre Schulden gegenüber der Europäischen Zentralbank EZB und die neuverhandelten Altschulden zurückzuzahlen. Dies ist dringender als die Einführung von Eurobonds. Nur ein solcher Plan könnte die Griechen ermuntern, eine konstruktive Mehrheit zu finden, in der der gerechte Zorn der (radikalen Linken) Syriza und die nötige Sachlichkeit der Pasok miteinander verbunden werden könnten. Nach den Wahlen wird es zu spät sein, um die Griechen zu überzeugen, dass sich ihre Mühen lohnen, und es wird zu spät sein, um eine Staatspleite und einen Austritt aus der Eurozone zu verhindern."