
Damaskus/Genf. Der Syrien-Vermittler Kofi Annan hat Präsident Bashar al-Assad nach dem jüngsten Massaker eine deutliche Warnung übermittelt. Die Ausweisung der syrischen Botschafter durch mehrere Staaten an diesem Dienstag sei ein Signal, dass die Regierungen dieser Staaten sehr besorgt seien über die Lage in Syrien, sagte Annan in Damaskus nach einem Treffen mit Assad. Wer das Massaker in der Ortschaft
Al-Hula verübt habe, müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Laut UNO besteht auch der Verdacht, dass Pro-Assad-Truppen in Houla Menschen mit Messer und Handwaffen getötet haben.
Annan betonte, sein Sechs-Punkte Plan für Frieden in Syrien sei bisher nicht umgesetzt worden. Nach einem vielversprechenden Start im April sei die Waffenruhe in sich zusammengebrochen. Annan erklärte, wie schon bei seinem ersten Besuch in März, das Regime müsse die politischen Gefangenen freilassen, die schweren Waffen aus den Städten abziehen und die Gewalt beenden. Die syrische Führung sei dazu auch alleine in der Lage sagte er in Anspielung auf Aussagen Assads und seiner Regierung. Diese hatten nach dem Treffen mit Annan erklärt, die Operationen "bewaffneter terroristischer Banden" seien die eigentliche Ursache des blutigen Konflikt.
"Beginnt einen Dialog"
"Meine Botschaft an alle Syrer ist: beginnt einen Dialog", sagte Annan. Die Zeit vergehe und sein Friedensplan werde nicht ewig auf dem Tisch liegen.
Die meisten Opfer des Massakers in der syrischen Ortschaft Houla wurden nach bisherigen Erkenntnissen aus nächster Nähe erschossen. Zu diesem Ergebnis kommt eine erste Untersuchung von UN-Experten. Danach wurden etwa 20 Menschen von Artilleriegeschossen getroffen. Die restlichen Opfer seien nach Aussagen von Überlebenden des Massakers von Milizionären getötet worden.
Ganze Familien seien demzufolge in ihren Häusern erschossen worden, sagte der Sprecher von UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay in Genf. Er verurteilte das Blutbad als "absolut abscheulich" und grauenhaft.
Umfangreiche Untersuchung gefordert
Unter den Opfern seien 49 Kinder und 34 Frauen. Viele der Kinder sollen jünger als zehn Jahre gewesen sein. Sprecher Rupert Colville betonte, es handle sich noch um vorläufige Angaben. Es gebe Berichte über weitere Tote. Es werde noch dauern, bis die genaue Zahl der Todesopfer geklärt sei. Viele der Menschen seien regelrecht hingerichtet worden. Einwohner machten für das Massaker die regimetreue Shabiha-Miliz verantwortlich, ergänzte er.
Colville forderte eine umfangreiche Untersuchung des Blutbades. Zugleich bekräftigte er die Forderung des UN-Hochkommissariats, Menschenrechtsverletzungen in Syrien vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu bringen.