
Als Marshall in der TV-Serie "How I Met Your Mother" macht Schauspieler, Puppenspieler und Drehbuchautor Jason Segel, was er als Tom in seinem neuen Film "Fast Verheiratet" immer wieder verschiebt: seine Freundin ehelichen. Für ihre Karriere gibt er seine auf und die Verlobungszeit dehnt sich schier ewig, bis es fast zu spät ist. Seit seinem ersten großen, internationalen Erfolg mit "Nie wieder Sex mit der Ex" vor fünf Jahren hat Jason Segel so ziemlich alle Varianten von Beziehungen durchgespielt. Der "Wiener Zeitung" erklärte der mit der Schauspielerin Michelle Williams Liierte, warum zur perfekten Beziehung immer drei gehören.
"Wiener Zeitung":Sind sie ein romantischer Typ?
Oh ja, das würde ich schon sagen! Aber eher im männlichen Sinn. Also ich stelle Lautsprecher richtig ein oder stecke Stecker in die richtigen Steckdosen. Manchmal koche ich aber auch ein nettes Abendessen. Das macht mir durchaus Spaß, und mit einem Schnellkochtopf kann man wenig falsch machen. Oder ich mache Überraschungstrips - mit der Frau natürlich. Ich bin jedenfalls ein fantastischer Küsser, dafür bin ich bekannt!
Sind Sie sehr selbstkritisch?
(lacht) Ich versuche immer, nett zu sein. Ich bin also dann sehr selbstkritisch, wenn ich das Gefühl habe, dass ich gemein war. Aber was das Berufliche angeht, ist es mir relativ egal, was jemand über mich denkt oder ob man die Filme mag oder nicht. Ich tue mein Bestes, aber das ist nicht, woher ich meinen Stolz nehme.
In welchem Film Sie auch spielen oder das Drehbuch dafür schreiben, machen Sie dem "netten Typen" immer durch viel Fluchen Luft.
Das stimmt absolut, und nicht jugendfreie Dialoge finde ich überhaupt toll, ich würde ja noch viel weiter gehen. Aber bei "Muppets" ging das ja überhaupt nicht, ich meine: Vor Kermit flucht man einfach nicht, das gehört sich nicht. Ich spiele oft den netten Typen und ich wäre total bereit, endlich einen echten Bösewicht zu geben.
Fühlen Sie sich nach Typ gecastet?
Nein, nicht wirklich, aber ich habe das Gefühl, ich habe zu wenig Zeit. Die Fernsehserie "How I Met Your Mother" läuft nun schon acht Jahre, das ist wirklich schon eine halbe Ewigkeit, und es ist Zeit, dass sie endet. Die Identität der wahren Mutter wird bald enthüllt werden und wir alle wieder in Freiheit entlassen. Die Figur, die ich dort spiele, ist, was sie ist, und natürlich denken viele, dass ich auch so bin.
Ist es über so lange Zeit möglich, jemanden zu spielen, der einem gar nicht ähnelt?
Ja, ich denke, man kann alles spielen. Nette Typen zu spielen fällt mir leicht, es fühlt sich natürlichan.Aberich wäre wirklich gern der intelligente, böse Fiesling.
Dabei sind Sie so gut im Weinen!
Danke, das fällt mir wahrlich nicht schwer. Ich bin der unmännlichste Mann Hollywoods, schätze ich. In diesem langen Körper wohnt ein Riesenbaby. Ich bin wie Lenny von "Mice and Men".
Auch wie John Malkovich in der Verfilmung des Romans?
Doch, ja, obwohl der schon etwas gruselig rüberkam. Wenn mans bedenkt: Bevor ich die "Muppets" gemacht habe, war ich ja auch nur ein Typ, der in einem Haus voller Puppen wohnte.
Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?
Jetzt schon. (lacht) Tatsache ist, in der Liebe gibt es immer einen unsichtbaren dritten Mitspieler, und zwar das Timing. Ich denke, man kann in seinem Leben viele "die Eine" treffen, aber vielleicht sind die zu jenem Zeitpunkt gerade mit jemand anderem zusammen oder wohnen nicht in derselben Stadt. Timing ist ein wesentlicher Faktor beim Thema Beziehung. Und manchmal gibt es auch andere dritte Mitspieler. Was übrigens auch sehr viel Spaß macht.
Ist Liebe ein Geschenk?
Ein Geschenk und eine Verantwortung. Man muss die Liebe schon pflegen, sie nähren und sich um sie kümmern.
Was ist es, was speziell Victoria und Tom im Film verbindet?
Dass sie auch beste Freunde sind. Ich glaube, das ist der Schlüssel zu jeder funktionierenden Beziehung. Die Anziehungskraft wird mal stärker, mal schwach sein, die Paradynamiken werden sich verschieben, aber eine beste Freundschaft bleibt.
In Ihren Filmen haben Sie viele Beziehungsszenarien durchgespielt.. .
Stimmt. Ich hatte Kinder, war geschieden, hatte mit Tod zu tun.
Haben Sie nun Angst, zu heiraten?
Nein, gar nicht, das ist eine schöne Perspektive für mich. Violet und Tom im Film warten immer auf den richtigen Moment. Aber es kann auch sehr lohnend sein, das Timing zu ignorieren und einfach mit dem mitzugehen, was einem das Leben zuwirft.
Sie wurden in der Gruppe um Judd Apatow bekannt, der der Independent-Komödien-Szene einen neuen Ton beifügte. Wie entwickelt sich das Genre gerade?
Die Komödie befindet sich immer in einem Zyklus, und als Judd damals etwas anderes machte, waren wir gerade zur rechten Zeit am rechten Ort. Wir alle haben uns unter seinem Mantel entwickelt. Seth Rogen zum Beispiel dreht gerade seinen ersten eigenen Film.