• vom 12.07.2012, 18:20 Uhr

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Veröffentlichte Einstellungsverfügung bringt den Fifa-Präsidenten in Bedrängnis

"P1 hatte Kenntnis"


Von Simon Rosner

  • Sepp Blatter als Mitwisser im ISL/ISMM-Schmiergeldskandal geoutet.

Zürich.

Schweigen war die erste Strategie der Fifa im Schmiergeldskandal, dann schwenkte Präsident Sepp Blatter um 180 Grad um.

Schweigen war die erste Strategie der Fifa im Schmiergeldskandal, dann schwenkte Präsident Sepp Blatter um 180 Grad um.© EPA Schweigen war die erste Strategie der Fifa im Schmiergeldskandal, dann schwenkte Präsident Sepp Blatter um 180 Grad um.© EPA

Eine bemerkenswerte Eigenschaft von Sepp Blatter ist es, immer auf der Siegerseite zu stehen. Das ist nicht bloß Glück, dazu gehört auch ein unverfrorener Opportunismus. "Er sei erfreut", zwitscherte der Fifa-Präsident fröhlich auf seinem Twitter-Account, nachdem ein Schweizer Bundesgericht die Veröffentlichung eines brisanten Dokuments erlaubt hatte. Das Urteil liege "auf der Linie, die die Fifa und der Fifa-Präsident seit 2011 verfolgen", heißt es in einer Aussendung. Immerhin war der Fußball-Weltverband ehrlich genug, zwischen den Zeilen anzuführen, dass er vor 2011 eine andere Linie vertreten hat, eine fundamental andere.

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Beim nun veröffentlichten Dokument handelt es sich um die Einstellungsverfügung der Zuger Staatsanwaltschaft zu Ermittlungen im Bestechungsskandal des 2001 in Konkurs gegangenen Sportvermarkters ISL/ISMM. Jahre, Jahrzehnte hatte die von Adidas-Chef Horst Dassler gegründete Firma großen Sportverbänden, darunter der Fifa, Rechte abgekauft, um sie dann für TV-Anstalten und Sponsoren aufzubreiten und weiterzuverkaufen. All die Jahre flossen immense Summen an hohe Funktionäre dieser Verbände, es waren als Provisionen getarnte Schmiergeldzahlungen, damit sie der ISL/ISMM die Rechte zuschanzen.

Mit einer Zahlung von insgesamt 5,5 Millionen Franken (4,6 Millionen Euro) in die Konkursmasse des pleitegegangenen Vermarkters, wovon 2,5 Millionen Franken direkt von der Fifa kamen, der Rest von zwei hohen Fifa-Funktionären bezahlt wurde, kaufte sich der Verband frei. Die Ermittlungen wurden im Mai 2001 eingestellt, und das Dokument, in dem sich Namen von Schmiergeldempfängern fanden, seither unter Verschluss gehalten. Als erste Namen dennoch durchsickerten, jene von Ex-Präsident João Havelange und seines einstigen Schwiegersohns Ricardo Teixeira, wendete sich die Fifa in ihrer Meinung um 180 Grad. Darum freut sie sich jetzt ganz offiziell, dass ein Schweizer Gericht die Veröffentlichung aus Gründen des öffentlichen Interesses genehmigte.

Inhaltlich findet sich auf den 41 Seiten - dank der investigativen Arbeit einiger Journalisten und der BBC - wenig Neues, doch nun steht es für jedermann ersichtlich schwarz und weiß in der Einstellungsverfügung: Fast 160 Millionen Franken (133 Millionen Euro) sind zwischen 1989 und 2001 an Schmiergeldzahlungen an diverse Funktionäre geflossen. Havelange hat zumindest 1,2 Millionen Euro erhalten, sein brasilianischer Landsmann und langjähriger Vize-Präsident der Fifa, Ricardo Teixeira, schöpfte gar zehn Millionen Euro ab.




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Dokument erstellt am 2012-07-12 18:26:46


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