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Update: 13.07.2012, 20:54 Uhr
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2,7 Prozent Wirtschaftswachstum 2011

Wirtschaftswunder ohne Konsum


Von Konstanze Walther

  • Der private Konsum zieht trotz sinkender Sparquote nicht an.
  • Wifo-Experte: "Schlechte Entwicklung der verfügbaren Einkommen."

Wien.

Der Konsum bleibt hinter den Erwartungen.

Der Konsum bleibt hinter den Erwartungen.© dpa/Oliver Berg Der Konsum bleibt hinter den Erwartungen.© dpa/Oliver Berg

Das Bruttoinlandsprodukt Österreichs ist 2011 real um 2,7 Prozent gestiegen. Das ergeben die nun veröffentlichten Zahlen der Statistik Austria. Das macht Österreich, gemessen am BIP pro Kopf, zum drittreichsten Land der EU - hinter Luxemburg und den Niederlanden, wie Eurostat berechnet hat.

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Treiber des Bruttoinlandsprodukts war einmal mehr die Exportwirtschaft. Und es gab auch einen großen Verlierer: den Konsum, obschon der Konsum eigentlich stabilisierende Kraft sein sollte. Real hat der Konsum der privaten Haushalte 2011 nur um 0,7 Prozent zugenommen. Der Konsum insgesamt, rechnet man etwa die Ausgaben des öffentlichen Haushalts hinzu, die nur um 0,2 Prozent gestiegen sind, hatte einen Anstieg von nur 0,5 Prozent.

Ein Anstieg von 0,7 Prozent beim privaten Konsum ist ein deutlich verhalteneres Wachstum als noch 2010, als der Wert 1,7 Prozent ausmachte. Sogar im Krisenjahr 2009 (als das BIP um 3,8 Prozent schrumpfte) legte der Konsum mit 1,0 Prozent zu. Der schwache Konsum ist das Ergebnis der verfügbaren Einkommen, glauben Experten. "Dass sich das Wirtschaftswachstum dynamischer entwickelt als die Einkommensverhältnisse, ist inzwischen ein gewohntes Ergebnis", konstatiert Hedwig Lutz, die am Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo für den Arbeitsmarktbereich zuständig ist.



Die real verfügbaren Nettoeinkommen - also die Einkommen der österreichischen Beschäftigten (unselbständiger wie selbständiger) sowie die Betriebsüberschüsse von Kapitalgesellschaften - sind um 1,5 Prozent gestiegen. Ein deutlicher Unterschied zu den 2,7 Prozent Wirtschaftswachstum. Betrachtet man die Arbeitnehmerentgelte separat, fällt das Bild für die Unselbständigen noch düsterer aus. Rechnet man bei den von der Statistik Austria angegebenen nominellen Werten (siehe Grafik) die Inflation heraus, "kommt man auf einen realen Anstieg bei den Arbeitnehmergehältern von 0,6 Prozent", meint Lutz - das bedeutet auch, dass die anderen Einkommenskomponenten - Selbstständige beziehungsweise Betriebsüberschüsse - besonders stark gestiegen sind, um auf die Zahl von 1,5 Prozent Einkommenszuwachs zu kommen.

Einkommensfalle Teilzeit
Mit ein Grund ist in Österreich das Heer der Teilzeitbeschäftigten, das aber 2010 und 2011 mit 25 Prozent der Erwerbstätigen gleichgeblieben ist (die Quote liegt bei Frauen bei 40 Prozent), die weniger verdienen. Teilzeit ist allerdings nicht gleich Teilzeit: "In Österreich gibt es eine besondere Spreizung zwischen Beschäftigungsverhältnissen. Die Vollzeitbeschäftigung tendiert dazu, über das normale Maß hinauszugehen, während die Teilzeitbeschäftigung mit 20, 25 Stunden besonders gering ausfällt." In Skandinavien arbeiten Teilzeitbeschäftigte 30 Stunden.

Dass die Einkommen immer geringer ausfallen, zeigt auch die Sparquote (verfügbares Einkommen abzüglich Konsum), die - nach vorläufigen Zahlen - 2011 mit 7,5 Prozent so gering ausgefallen ist wie noch nie. "Wenn die Sparquote sinkt, sollte eigentlich der Konsum steigen", meint Marcus Scheiblecker, Experte für Makroökonomie am Wifo. "Da das nicht der Fall ist, muss man von einer schlechten Entwicklung der real verfügbaren Einkommen ausgehen."

Dagegen betrug das Wachstum bei den Bruttoinvestitionen real 9,6 Prozent. In allen Investitionskategorien gab es Steigerungen, am Bau mit 4,4 Prozent erstmals seit dem Krisenjahr 2009 wieder reale Zuwächse. In Fahrzeuge wurden real gleich um 23,3 Prozent mehr investiert als 2010 und in Maschinen und Geräte um 8 Prozent.

Die Exporte wuchsen real um 7,2 Prozent. Dabei legten Warenexporte um 8,5 Prozent und Dienstleistungsexporte um 4 Prozent zu.

Auch die Energiewirtschaft war mit einem realen Wachstum von 9,4 Prozent ein Gewinner des Jahres 2011 - dank der hohen Rohölpreise. Die Bauwirtschaft legte 2011 - erstmals seit drei Jahren - wieder zu. Ihr Wachstum betrug 3,5 Prozent.

Bei den Dienstleistungen überholte das Grundstücks- und Wohnungswesen in Sachen Wachstum mit einem Plus von 2,6 Prozent das Finanz- und Versicherungswesen mit 1,4 Prozent.

Geschrumpft sind die Bereiche Bergbau (-3,4 Prozent) und öffentliche Verwaltung (-0,7 Prozent).




Schlagwörter

Konjunktur, Konsum

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-13 17:42:12
Letzte Änderung am 2012-07-13 20:54:19


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