• vom 13.07.2012, 17:51 Uhr

Top News

Update: 13.07.2012, 18:25 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Negative politische Werbung gilt in Österreich nicht als feine Schule

Hart, aber wirkungsvoll


Von Walter Hämmerle

  • Analyse: Schlechtes Image von "Negative Campaigning" besteht meist zu unrecht.

Wien.

Lust an der Polemik ist auch den Grünen nicht fremd.

Lust an der Polemik ist auch den Grünen nicht fremd.© APA/ROBERT JAEGER Lust an der Polemik ist auch den Grünen nicht fremd.© APA/ROBERT JAEGER

Eigentlich ist es eine simple Rechnung: Tendenziell sinkt die Wahlbeteiligung, was wiederum den Wert der abgegebenen Stimmen erhöht. Folglich haben diejenigen Parteien bei Wahlen die besten Chancen, denen es gelingt, die eigenen Kernwähler am stärksten zu mobilisieren. Nicht immer und bei jeder Wahl, aber doch im Durchschnitt.

Werbung

Diese wenig revolutionäre Einsicht führt Parteimanager aller Couleurs dazu, rechtzeitig an Strategien zu tüfteln, die verbliebenen eigenen Stammwähler verlässlich zu den Urnen zu treiben. Und dies, so lehrt die Erfahrung, funktioniert am effizientesten mittels negativer Botschaften, die auch die Instrumentalisierung von Sorgen und Ängsten billigend in Kauf nehmen.

So weit so normal. Für Schlagzeilen sorgt ein solches Unterfangen nur dann, wenn die negativen Botschaften entweder außergewöhnlich infam oder - man denke an das jüngste Strategiepapier der ÖVP gegen Rot-Grün - besonders schwer mit der allgemeinen Wahrnehmung auf Kollisionskurs liegen. Letzteres ist allerdings unvermeidlich, wenn die angepeilte Zielgruppe und die öffentlichen Meinungsbildner gesellschaftlich-kulturell ein besonders großer Graben trennt. Oder einfacher ausgedrückt: Was am Stammtisch eines Bauernbundortsvereins im Waldviertel "einigeht", mit dem kann man sich in Bobo-Vierteln arg lächerlich machen.

Allerdings: Über den tatsächlichen Erfolg einer solchen Kampagne mit kultureller Fallhöhe sagt dieser Umstand für sich genommen noch relativ wenig aus. Sich völlig lächerlich zu machen, sollte man dennoch tunlichst vermeiden. So gesehen - und jenseits ideologischer Standpunkte - haben es SPÖ und Grüne mit ihrer Permanenz-Warnung vor Schwarz-Blau geradezu lächerlich einfach. Schließlich geben sich Mitglieder dieser Kombination seit Jahren bei Gericht die Klinke in die Hand.

In Österreich ist politische Werbung, die auf negative Botschaften setzt, zumindest in der veröffentlichten Meinung weitgehend verpönt. Was nichts daran ändert, dass diese Strategie von sämtlichen Parteien, wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß, praktiziert wird. Das schlechte Image besteht dabei zumeist zu unrecht. Schließlich belegen Studien aus den USA, die diesbezüglich als internationale Trendsetter fungieren, dass in negativen Werbekampagnen weit weniger gelogen wird als in positiven. Das hat allerdings nichts mit höheren moralischen Standards zu tun, sondern erklärt sich aus der naheliegender Tatsache, dass Parteien, die hier mit falschen Behauptungen arbeiten, die eigene Kampagne auf den Kopf fällt.

Auch die These, dass negative Politwerbung zu sinkender Wahlbeteiligung führt, lässt sich generell belegen. Zwar gibt es durchaus Kampagnen, die gezielt darauf hinarbeiten, die Wähler der Konkurrenz von einem Urnengang abzuhalten - in Österreich etwa der SPÖ-Wahlkampf 2006 -, grundsätzlich jedoch gehört zum demokratischen Stimmenwettbewerb die Konfrontation pointierter Standpunkte. Zuspitzungen und Polemik erlauben es zudem, komplizierte Sachverhalte auf einfache Botschaften zu reduzieren. Die Kosten der Eurofighter etwa Sparbestrebungen im Pensionssystem gegenüberzustellen, wie dies SPÖ, Grüne und auch FPÖ über Jahre hinweg getan haben, mag vielleicht streng sachlich unzulässig sein; das ändert nichts daran, dass das Bild in den Köpfen vieler Bürger funktioniert hat, die Botschaft angekommen ist.




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-13 17:56:06
Letzte Änderung am 2012-07-13 18:25:32


Werbung



Beliebte Inhalte



"Totally sexy" lautet hier das Motto. Und das um jeden Preis. - Luiza Puiu
  • Label balanciert auf dem schmalen Grat zwischen sexy und ordinär.
  • weiter

RBI-Chef Herbert Stepic stellt seine Funktion als CEO zur Verfügung. - APAweb / Hans Klaus Techt
  • "Mr. Osteuropa" verabschiedet sich von seinem "Lebenswerk"
  • weiter

Solidarität, Unverständnis, aber auch Furcht und Hass machen sich in London breit. - APAweb/REUTERS/Luke MacGregor
  • Islamistischer Tathintergrund: Polizei geht von "einsamen Wölfen" aus.
  • weiter

In knapp mehr als vier Minuten - 20 hätte er gehabt - handelte Faymann, ganz ohne einleitende Worte, die 15 Fragen ab. - APAweb/Jäger
  • Kanzler versicherte mehrfach, dass das Bankgeheimnis für Steuer-Inländer nicht angetastet wird.
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter





Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

23.05.2013: Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung