Damaskus. Den syrischen Regierungstruppen ist es auch am Dienstag offenbar nicht gelungen, die Kontrolle über die umkämpften Teile der Hauptstadt Damaskus zurückzugewinnen. Die Rebellen erklärten, die Armee habe zwar mehrere Viertel der Stadt umstellt, diese jedoch nicht erobern können. Sie sprachen von den schwersten Kämpfen im Machtzentrum von Präsident Bashar al-Assad seit dem Beginn des Aufstandes vor 17 Monaten. Im Stadtbezirk Kabun sei dabei auch ein Hubschrauber der Armee abgeschossen worden.
Die syrische Regierung, die bisher zu den Kämpfen in Damaskus geschwiegen hatte, bestätigte diese am Dienstag. Die Sicherheitskräfte hätten Kämpfer gestellt, die in die Hauptstadt eingedrungen seien, sagte Informationsminister Omran Soabi. Einige von ihnen seien geflohen, andere hätten sich ergeben.
Armee setzt ganzes Arsenal ein
Aufständische berichteten, im Stadtviertel Tadamon seien Raketen und Artilleriegeschosse eingeschlagen. Die Armee setze auch Kampfhubschrauber ein. In Midan seien Scharfschützen auf den Dächern in Stellung gegangen. Auf Videos im Internet waren Männer in Jeans mit Granatwerfern zu sehen sowie brennende Reifen und Rauchsäulen über der Stadt. "Überall sind Soldaten. Ich kann Rettungswagen hören", sagte ein Bewohner. Man fühle sich wie im Krieg.
Ein Aufständischer sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Rebellen kämpften weiter, weil sie sich nicht zurückziehen könnten. "Wenn sie abziehen könnten, würden sie es tun", sagte er. Dagegen sagten andere Kämpfer, die Gefechte in der Hauptstadt zeigten, dass Assads Machtbasis bröckle. Nach Angaben von Regimegegnern kamen am heutigen Dienstag im ganzen Land mehr als 40 Menschen bei Kämpfen ums Leben, davon 14 Soldaten der Regierungstruppen.
Im benachbarten Israel gehen Sicherheitsexperten davon aus, dass der syrischen Führung die Kontrolle über Damaskus aus den Händen gleite. Präsident Assad ziehe bereits Truppen von der Grenze zu Israel ab, um die Einheiten um Damaskus zu verstärken, sagte der Chef der Militäraufklärung Generalmajor Aviv Kochavi, vor dem Parlament. "Die syrische Armee geht sehr brutal vor; das zeigt die Verzweiflung des Regimes", sagte er. Assad habe Truppen von den Golanhöhen in die Konfliktgebiete abgezogen. Auf den Golanhöhen sind auch 400 österreichische Soldaten im Rahmen einer UNO-Mission zur Überwachung der Waffenstillstandslinie mit Israel stationiert.
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