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Update: 18.07.2012, 16:02 Uhr
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Amtsträger zahlen für ihre Karten selbst

Selbstbehalt bei den Salzburger Festspielen



  • Sponsoren zeigen mehr Sensibilität bei Einladungen.

Zahlen oder nicht zahlen, das ist für Amtsträger auf Festspiel-Tour zunehmend eine schwierige Frage. - APAweb / Barbara Gindl

Zahlen oder nicht zahlen, das ist für Amtsträger auf Festspiel-Tour zunehmend eine schwierige Frage. APAweb / Barbara Gindl

Salzburg. Bei Festivitäten wie den Salzburger Festspielen bietet sich vor allem bei Premieren ein gewohntes Bild: In den vordereren Reihen und einigen Logen nehmen Politiker Platz. Sie kommen auf Einladungen von Sponsoren, aber auch von Amtsträgern. Um sich jegliche Diskussion über Bestechlichkeit zu ersparen, zahlen einige Politiker ihre Karten selbst. Andere machen den Festivalbesuch nicht zur Privatsache: Sie sehen sich als Repräsentanten der Republik und bezahlen die Karten nicht aus eigener Tasche.

Für Kulturministerin Claudia Schmied und Justizministerin Beatrix Karl fällt der Besuch von Festspielen unter Repräsentationsaufgaben, die sie als Vertreterinnen der Republik zu erfüllen hätten. Schmieds Karte wird aus dem Ressortbudget bezahlt. Karl betonte, es sei im Korruptionsstrafrecht ausdrücklich verankert, dass die Wahrung von Repräsentationsaufgaben zulässig ist. Wenn der Politiker eine Karte erhalte, sei das in Ordnung, sagte Sprecherin Sabine Mlcoch zur APA. "Wenn er dazu aber noch auf einen zweitägigen Urlaub eingeladen wird, könnte das ein Fall sein, den man sich ansehen muss."

Finanzministerin Maria Fekter hatte kürzlich verkündet, sie zahle die Karte für Theater- und Kulturevents seit 30 Jahren selbst. Auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle greift für eine Karte bei den Salzburger Festspielen in die private Geldbörse. Er hält am Wochenende einen Vortrag im Rahmen der "Ouverture spirituelle". Die Festspiele hätten ihn als kleines Dankeschön zu dem Konzert, über das er spricht, eingeladen, wie Festspielpräsidentin Rabl-Stadler zur APA sagte. "Die Karte für 'Die Schöpfung' bezahlt er aber selbst", bestätigte Ministeriumssprecherin Elisabeth Grabenweger.

Neue Richtschnur
Im April habe Töchterle seine Verärgerung über die Anfütterungsdebatte und den damit oft in Zusammenhang stehenden Generalverdacht gegen Politiker zum Ausdruck gebracht und gesagt, die Eröffnungen der Festspiele in Bregenz und Salzburg diesen Sommer nicht zu besuchen. Mittlerweile seien aber neue gesetzliche Rahmenbedingungen erarbeitet worden, die aus Sicht des Ministers eine gut nachvollziehbare Richtschnur bilden würden, sagte seine Sprecherin. Dennoch zahlt sich der Wissenschaftsminister seine Salzburger Festspielkarte jetzt selbst.

Die Sponsoren der Salzburger Festspiele würden penibel darauf achten, wen sie einladen dürfen und wen nicht, erklärte Rabl-Stadler. "Mich hat immer gestört, dass man jede Einladung unter den Generalverdacht der Korruption gestellt hat. Aber nachdem, was wir in den vergangenen Monaten erfahren haben, hab ich mich dazu nicht mehr geäußert. Ich bin empört, was da bei den diversen Untersuchungsausschüssen an Anfüttern im übelsten Sinn an den Tag gekommen ist. Ich will nicht in die Nähe jener kommen, die zwischen Gastfreundschaft und schwerer Korruption nicht unterschieden können."

3,9 Prozent Freikarten

Nur 0,9 Prozent der Karten der Salzburger Festspiele seien Repräsentationskarten für Personen, die von den Festspielen eingeladen werden, betonte die Festspielpräsidentin. Die Freikarten inklusive Pressekarten machten 3,9 Prozent aus. Und der Rechnungshof habe bestätigt, dass die Zahl der Freikarten rückläufig sei. Protokollchefin Suzanne Harf vermutet, dass sich aufgrund der jüngsten Diskussionen weniger Leute einladen lassen.

Auch die Stadt Salzburg, die ein Kartenkontingent für ihre Gäste und auch jeweils eine Loge im Großen Festspielhaus, Haus für Mozart und Landestheater zur Verfügung hat, ist vorsichtiger geworden. "Wir geben mindestens 80 Prozent unserer Karten zurück, seit es die strengen Corporate Governance Regelungen gibt", sagte Johannes Greifeneder, Sprecher der Stadt Salzburg. Die nicht benötigten Karten würden in den regulären Kartenverkauf gehen.

Seitens des Landes Salzburg wird das Thema so gehandhabt: Es gebe ein gewisses Kontingent an Repräsentationskarten für die Festspielsaison, über das die Regierungsmitglieder verfügen könnten, heißt es aus der Präsidialabteilung. Wenn die Politiker nicht alle kostenlosen Karten benötigten, sollten sie diese bis zu 72 Stunden vor Veranstaltungsbeginn zurückgeben, dann könnten sie noch regulär verkauft werden.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-18 10:22:41
Letzte Änderung am 2012-07-18 16:02:40


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