
Damaskus. Über Barzeh, einem Außenbezirk von Damaskus, kreisen nach einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders Al-Jazeera Kampfhubschrauber und feuern Raketen auf Bodenziele. "Es gibt heftige Explosionen", sagte der syrische Journalist Thabet Salem Al-Jazeera. "Es ist das erste Mal, dass Damaskus dermaßen massiv bombardiert wird."
Aktivisten teilten mit, dass es zahlreiche Opfer gegeben habe. Nachdem die syrische Armee zuletzt einige Schlappen im Kampf gegen die Aufständischen hinnehmen musste, holt sie nun zum Gegenschlag aus. In den Straßen der syrischen Hauptstadt Damaskus liefern sich Regierungstruppen und Aufständische verlustreiche Kämpfe.
Armee-Hubschrauber griffen bereits in der Nacht zum Samstag Stellungen der Rebellen mit Raketen an. Panzer nahmen von der Ringstraße aus das Zentrum ins Visier, das die Rebellen nach dem Anschlag auf die Führung des Sicherheitsapparats zum Teil eingenommen hatten. Im Gegenzug nahmen leicht bewaffnete Aufständische Einrichtungen der Sicherheitskräfte und Straßensperren unter Beschuss. Die Kämpfe gingen auch am Sonntag weiter.
Regierungstruppen neu formiert
In den vergangenen Tagen hatten die Aufständischen deutlich an Boden gewonnen, den die Regierungstruppen offenbar zurückerobern wollen.
"Das Regime war die letzten drei Tage ohne Führung. Aber die Luft- und Bodenangriffe in Damaskus und den Vororten zeigen, dass es seine Schlagkraft nicht verloren hat und sich neu aufstellt", sagte ein Oppositioneller. Bei einem Anschlag am Mittwoch waren vier der engsten Mitarbeiter von Präsident Bashar al-Assad getötet worden, darunter ein Schwager des Machthabers.
Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte nannte den Donnerstag und den Freitag wegen des gewaltsamen Todes von 550 Menschen die beiden verlustreichsten Tage seit Beginn des Volksaufstands gegen Assad vor bald eineinhalb Jahren. Während ihrer Offensive brachten die Rebellen auch drei Grenzübergänge zum Irak und zur Türkei unter ihre Gewalt. Am Übergang Bab al-Hawa erlaubten Kämpfer die Plünderung eines Geschäfts für zollfreie Waren, der zum Imperium eines Assad-Cousins gehört.
Flucht aus Aleppo
Auch in der syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo dauerten die Kämpfe zwischen der Armee und den Aufständischen an. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte halten die Kämpfe im Stadtviertel Salaheddin bereits seit Freitagvormittag an. Am Sonntag versuchte die Armee im Morgengrauen, die Kontrolle über den Stadtteil Salaheddin wiederzuerlangen, wie ein Aktivist telefonisch sagte.Einwohner seien wegen der Offensive auf der Flucht, teilten die oppositionellen Örtlichen Koordinationskomitees (LCC) der Protestbewegung mit.