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Update: 21.07.2012, 21:36 Uhr
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Betriebe sollen einem "Sonderbüro" unterstellt werden

Nordkorea: Machtkampf um die Staatwirtschaft



  • Staatschef Kim Jong Un versucht die Vorherrschaft des Militärs zu brechen.

Nordkoreas aufgeblähtem Militärapparat könnten weitreichende Reformen bevorstehen. - APAweb / AP / Kim Kwang Hyon

Nordkoreas aufgeblähtem Militärapparat könnten weitreichende Reformen bevorstehen. APAweb / AP / Kim Kwang Hyon

Pjöngjang. Auf Nachtaufnahmen aus dem Weltall ist Nordkorea leicht zu erkennen: Während sich durch die Nachbarländer China und Südkorea gleißende Lichtergirlanden ziehen, bleibt es im Lande Kim Jong Uns finster, und das nicht nur aus Sicht der Satelliten. Die Staatswirtschaft des Landes liegt darnieder, seit Jahren balanciert der totalitär regierte Staat am Rande des Zusammenbruchs.

Das könnte sich in naher Zukunft ändern. Hinter den jüngsten Personalrochaden des Jung-Diktators Kim Jong Un im innersten Führungszirkel des Landes vermuten Experten einen Machtkampf um die Staatswirtschaft. Kim Jong Un und sein einflussreicher Onkel Jang Song Thaek wollen der Armee das Kommando über die maroden volkseigenen Betriebe entreißen und einem zivilen "Sonderbüro" unterstellen, meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider.

Der vor kurzem abgesetzte Generalstabschef Ri Yong Ho habe sich, berichtete Reuters weiter, gegen derartige Reformvorhaben gestellt. Ri galt als konsequenter Verfechter des Primats der Streitkräfte. Unter der Herrschaft von Kims verstorbenem Vater Kim Jong Il genoss die 1,2 Millionen Soldaten starke Armee des Landes stets Vorrang vor allen anderen Interessen.

"Songun" heißt dieses System in Nordkorea. In sämtlichen Bereichen des zivilen Lebens geben Militärs den Ton an, die Gesellschaft wurde auf allen Ebenen militarisiert. Ein Drittel des Staatshaushaltes ist für die Armee reserviert. Begehrte Ressourcen wie Nahrungsmittel, Kleidung oder Wohnraum kommen zuerst den privilegierten Militärs zugute.

Könnte der seit einem halben Jahr an der Macht befindliche Kim Jong Un die Vorherrschaft des Militärs brechen, wäre der Weg frei für Wirtschaftsreformen nach dem Vorbild Chinas oder Vietnams: Die Macht der Partei bliebe unangetastet, aber der fernöstliche Mix aus Sonderwirtschaftszonen, Privateigentum und Billiglöhnen könnten das Land schneller verändern, als man sich vor einem Jahr noch hätte träumen lassen.

Laut der südkoreanischen Website "Daily NK", die gewöhnlich gut informiert über den nördlichen Nachbarn berichtet, wird in Nordkorea bereits darüber diskutiert, ob der chinesische oder der vietnamesische Weg geeigneter sei. Kim Jong Un hat offiziell Parteikader mit dem Auftrag ins Ausland geschickt hat, neue Arbeits- und Produktionsmethoden zu studieren.

Die Bevölkerung betrachtet die Vorgänge in Pjöngjang höchstwahrscheinlich skeptisch: Alle Wirtschaftreformen der letzten Jahre scheiterten dramatisch und vergrößerten das Elend der Bevölkerung.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-21 19:54:23
Letzte Änderung am 2012-07-21 21:36:01


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