• vom 25.07.2012, 18:09 Uhr

Top News

Update: 25.07.2012, 21:18 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



97 Prozent der Eisfläche in Grönland binnen vier Tagen angetaut

Das Eis geht, die Hoffnung kommt



  • Wissenschafter rätseln über Ursache.
  • Grönland sieht die Eisschmelze auch als Chance für Wohlstand.

Washington. (rs) Als Son Nghiem vom Jet Propulsion Laboratory die Daten zum ersten Mal sah, wollte er zunächst seinen Augen nicht trauen. Zu unglaublich erschien dem Nasa-Forscher, was er auf seinem Computer vor sich sah. Doch nach der Konsultation mehrerer anderer Wissenschaftler war klar, dass es sich nicht um einen Daten- oder Aufzeichnungsfehler handelte, sondern um ein ganz und gar reales Phänomen: Innerhalb von nur vier Tagen im Juli war fast die gesamte Eisdecke in Grönland angetaut. Selbst an der Summit Station, die 3200 Meter über dem Meer und damit nahe am höchsten Punkt Grönlands liegt, wurde eine Schmelze registriert.

Werbung

An und für sich ist das Antauen großer Flächen im Sommer nicht ungewöhnlich, doch im Durchschnitt schmilzt das Eis nur auf der Hälfte der Oberfläche Grönlands. Dass fast die gesamte Eisdecke betroffen ist, kam in den mehr als 30 Jahren, seitdem Wetter- und Klimasatelliten die Erde umkreisen, nicht vor. Überrascht hat die Wissenschaftler aber nicht nur die enorme Ausdehnung, sondern vor allem auch die unglaubliche Geschwindigkeit: Am 8. Juli waren erst 40 Prozent der Fläche betroffen, am 12. Juli wurde dann der Rekordwert von 97 Prozent beobachtet.

Was hinter all dem steckt, ist allerdings noch unklar. Vor allem aber ist es nach Ansicht der Wissenschaftler zu früh, um die massive Eisschmelze in Verbindung mit dem Klimawandel zu bringen. So war etwa der spektakuläre Abbruch eines 120 Quadratkilometer großen Eisbergs am grönländischen Petermann-Gletscher vor knapp fünf Tagen vor allem das Resultat höherer Meerestemperaturen, und nicht der wärmeren Luft. "Wenn wir dasselbe Ausmaß an Eisschmelze auch im August und im nächsten Jahr feststellen, werden wir wohl stärker an eine Verbindung mit der Erderwärmung denken. Aber zu diesem Zeitpunkt können wir noch nichts sagen", erklärte Nghiems Nasa-Kollegin Dorothy Hall. In den vergangenen Tagen dürfte die Eisdecke über weite Flächen hinweg auch schon wieder angefroren sein.

Unabhängig durch Rohstoffe
Doch auch wenn es sich bei der aktuellen Eisschmelze um ein Einzelphänomen handeln könnte, steht für die Wissenschafter fest, dass die grönländischen Gletscher mit bisher ungekannter Geschwindigkeit abtauen. Zuletzt verschwanden 250 Gigatonnen Eis pro Jahr. Der massive Rückgang macht Grönland aber nicht nur für Klimatologen interessant. Unter der Eisdecke wird ein wahrer Schatz an Rohstoffen wie Kupfer, Platin, Uran und Aluminium vermutet. Auch große Öllagerstätten dürften sich in der Region befinden. Bereits jetzt sind 30 zumeist ausländische Explorationsunternehmen in Grönland tätig, die in den nun leichter zugänglichen Gebieten nach möglichen Standorten für neue Minen suchen. Derzeit ist die Saison allerdings noch kurz, gearbeitet werden kann nur von Mitte Mai bis Anfang Oktober. Dafür sind aber die politischen Verhältnisse stabil. "Es ist hier nicht wie in Afrika oder Südamerika, wo es Unruhen und Kriege gibt oder der Staat auf einmal eine Mine konfisziert ohne die Eigentümer zu entschädigen", sagt Dan Bang, der Finanzvorstand des grönländischen Minenunternehmens NunaMinerals, gegenüber der EU-Nachrichtenplattform Euractiv.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-25 18:14:09
Letzte Änderung am 2012-07-25 21:18:16


Werbung



Beliebte Inhalte



Unvorstellbare Grausamkeit sollen Gottfried Helnweins Arbeiten oft erklären. - Julia Stix
  • Der Künstler über Mangel an Charisma, Kunst als Trophäe und ordinäres Wienerisch.
  • weiter

Hier wird vereint, was vor ein paar Jahren für Kopfschütteln sorgte. - Mazak
  • Am 23. Mai eröffnet die Wohngemeinschaft offiziell ihre Pforten.
  • weiter

Emmelie de Forest holt den nächsten Song Contest nach Dänemark. - APAweb / AP / Alastair Grant
  • Emmelie de Forest setzte sich mit "Only teardrops" gegen 25 Konkurrenten durch.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

  • Der Streit um religiöse Symbole ist ein Nebenschauplatz
  • weiter

"Bevor uns das Rohöl ausgeht, geht uns das Wasser aus" , ist Brabeck-Letmathe überzeugt. - dpa
  • Spitzenmanager über Europas Defizite und emotionale Debatten.
  • weiter





Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

19.5.2013: Eine Wandererin passiert einen See in den schweizer Alpen von Piz Zavragia. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung