
Damaskus/Beirut. Syriens Präsident Bashar al-Assad hat die Bekämpfung der Rebellen zur Schicksalsfrage für sein Land ausgerufen. "Das Schicksal unseres Volkes und unserer Nation - in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - hängt von dieser Schlacht ab", erklärte Assad am Mittwoch anlässlich des 67. Jahrestages der Armeegründung.
Eine "kriminelle Terroristenbande"
Er pries die Kampfbereitschaft seiner Soldaten gegen die Aufständischen, die er "kriminelle Terroristenbanden" nannte. Wo Assad sich aufhielt und wann er sich geäußert hat, war unklar. In Damaskus hat es am Mittwoch nach Angaben von Aktivisten erstmals in der Nähe zweier christlicher Bezirke Kämpfe zwischen syrischen Soldaten und Aufständischen gegeben. Soldaten und Rebellen kämpfen weiter erbittert um die Kontrolle über die Millionenstadt Aleppo im Nordwesten. Im Internet tauchten Videos auf, die dort die Hinrichtung von Regierungssoldaten durch Aufständische zeigen sollen.
"Mein Vertrauen in Euch ist groß!", sagte Assad an die Adresse der Soldaten anlässlich des Tages der Streitkräfte. "Auch das Vertrauen unseres Volkes ist groß, dass ihr die Verteidiger seiner gerechten Sache seid." Die Soldaten hätten durch ihren Kampf gegen die "Terroristenbanden" bewiesen, dass sie die Verteidiger der Werte des Volkes seien, sagte der Präsident laut einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur SANA. Syriens Armee befinde sich derzeit in einer "heldenhaften und entscheidenden Schlacht".
"Der Feind ist heute unter uns und nutzt Agenten, um das Land und die Sicherheit seiner Bürger zu destabilisieren und unsere wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Ressourcen aufzubrauchen", erklärte Assad, der seit eineinhalb Jahren einen Aufstand gegen sein Regime blutig niederschlagen lässt. Die syrische Armee hatte am Wochenende eine Gegenoffensive in Aleppo gestartet, der in dem Konflikt möglicherweise entscheidenden Stadt. Seitdem wird in der Millionen-Metropole erbittert gekämpft. Auch in Damaskus flammten die Gefechte zwischen Rebellen und Regierungstruppen am Mittwoch wieder auf.
Seit 17 Monaten wird gekämpft
In Aleppo, das zum wichtigsten Schauplatz des seit 17 Monaten währenden Kampfes wurde, nahmen Aufständische drei Polizeiwachen ein. Am Mittwochmorgen waren laute Explosionen zu hören. Aus Hubschraubern feuerten Soldaten auf die Aufständischen. Die Armee versuchte, die Rebellen zurückzudrängen. Diese kontrollieren nach eigenen Angaben einen weiten Bogen, der Viertel im Osten und Südwesten der Wirtschaftsmetropole umfasst. In den vergangenen Tagen konzentrierten sich die Gefechte auf den südwestlichen Stadtteil Salaheddin.
Internet-Videos aus Aleppo zeigten, wie Rebellen Hinrichtungen vornahmen - so wie dies auch Assads Truppen in Damaskus vorgeworfen wird. Ein Film zeigte vier Männer, die offenbar der gefürchteten Assad-treuen Shabiha-Miliz angehörten. Rebellen führten sie eine Treppe hinunter. Sie stellten sie vor eine Wand. Sie legten an und schossen. Schaulustige riefen: "Gott ist groß." Für eine andere Aufnahme filmte ein Kameramann die Leichen von 15 Männern, die in und vor einer Polizeiwache lagen. Ein Aufständischer feuerte auf die Leiche des Kommandanten und schoss ihm den Kopf weg. In beiden Fällen war es nicht möglich, den Wahrheitsgehalt der Filme zu überprüfen.
Seit Tagen widerstehen die meist nur mit Sturmgewehren und Panzerfäusten ausgerüsteten Aufständischen in Aleppo dem schweren Beschuss durch die Armee. Einem Bericht von NBC News zufolge haben sie fast zwei Dutzend Boden-Luft-Raketen auf dem Weg über das Nachbarland Türkei erhalten. Von der Grenze hatte sich die syrische Armee zurückgezogen, Rebellen kontrollieren mehrere Übergänge. Die schweren Waffen könnten eine Wendung zugunsten der Aufständischen bringen, wenn es ihnen damit gelingt, Hubschrauber und Kampfflugzeuge der Armee abzuschießen.