Frankfurt. Die erste Reaktion der Märkte war Enttäuschung. Die Investoren hätten von der Europäischen Zentralbank (EZB) einen sofortigen Donnerschlag erhofft. Die Erwartung, Präsident Mario Draghi würde eine "Bazooka" - also eine geldpolitische Waffe mit durchschlagender Wirkung - auspacken, war aber überzogen. Und die kurze Börsenrally der Vorwoche übertrieben.
Vielleicht wird es etwas länger dauern, bis der Gehalt der Botschaft durchsickert. Denn der Italiener hat am Donnerstag durchaus einen Paukenschlag geliefert. Allerdings im Einklang mit seiner bisherigen Krisenpolitik.

Draghi weiß natürlich, dass - wenn es eng wird - die Zentralbank als einzige europäische Institution jederzeit handlungsfähig ist, um eine Kernschmelze der Währungsunion zu verhindern. Sie werde auch alles tun, was nötig ist, um den Euro zu erhalten, bekräftigte Draghi am Donnerstag erneut. Die Krise auf Dauer lösen kann die EZB allerdings nicht: "Geldpolitik wird nicht ausreichen, wenn nicht zugleich die Regierungen aktiv werden."
Schon bisher hat die Zentralbank der Politik Zeit für Reformen erkauft, diese aber nie aus der Verantwortung entlassen. Würde die EZB mit dem von den Märkten so sehr herbeigesehnten Paukenschlag den Druck von den Krisenstaaten nehmen, so würden diese umgehend ihre Spar- und Reformanstrengungen einstellen - ihre Wirtschaft würde nie wieder wettbewerbsfähig.
Hätte die EZB, wie von vielen gefordert, im Herbst 2011 den Druck von Italien genommen, würde dort wohl heute noch Silvio Berlusconi als Premierminister Bunga-Bunga-Partys feiern - das Land wäre meilenweit von ernsthaften Reformen entfernt. Die EU-Institutionen hätten überdies keine Eile, die wirtschaftspolitische Kooperation in der EU und Eurozone voranzutreiben und auf eine gesündere Basis zu stellen.
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Die EZB verlangt auch jetzt politische Vorleistungen: Sanierung der Haushalte, Strukturreformen, ein institutionelles Zusammenrücken Europas. Sie stellt im Gegenzug jedoch gewichtige Zentralbank-Aktionen in Aussicht.
"Der Euro ist nicht umkehrbar", betonte Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates. Er warnte Spekulanten davor, gegen den Fortbestand der Währung zu wetten. Es sei inakzeptabel, dass diesbezügliche Investorenzweifel die Finanzierungskosten für Mitgliedstaaten immer höher treiben.

