
Locarno. Die britische Schauspielerin Charlotte Rampling ist nach 50 Jahren im Filmgeschäft so trügerisch zerbrechlich, scharfsinnig und aktiv wie nie, scheint es. Den Excellence Award hat sie am Filmfestival Locarno mit etwas Verwunderung entgegen genommen, wie sie sagt. Alleine in den letzten 10 Jahren wirkte sie in mehr als 20 Filmen mit, der aktuellste "I, Anna", bei dem ihr Sohn Barnaby Southcombe, Regie führte und sie die Hauptrolle spielt.
Teilweise kurz vor Start, in Post-Produktion oder in Dreharbeiten befindlich sind zumindest vier weitere Filme mit ihr: "Baby Blues" der italienischen Regisseurin Alina Marazzi, über eine Frau, die mit einem traumatischen Ereignis in ihrem Leben fertig werden muss, "Night Train to Lisbon" des dänischen Regisseurs Billie August, basierend auf dem Bestseller von Pascal Mercier, Fred Schepis neuer Film "The Eye of The Storm", in dem Rampling eine Frau mit Kontrollwahn spielt, die beschließt, zu sterben, und François Ozons neuestes Projekt "Jeune et Jolie" über eine junge Frau, die sich absichtlich prostituiert, mit der Französin Marine Vacth in der Hauptrolle.
Wiener Zeitung: Sie kommen gerade von den Dreharbeiten mit François Ozon zu seinem neuen Film "Jeune et Jolie" zurück – Ihre vierte Zusammenarbeit mit ihm und Ihre erste Rolle in einer satirischen Komödie seit langem?
Charlotte Rampling: Ozon will nicht, dass ich irgend etwas über den Film sage, weil er erst in frühestens einem Jahr rauskommt. Ich spiele darin eine Nebenrolle, in zwei Szenen am Ende des Filmes, die einen wichtigen Moment markieren.
Die Figuren, die sie in Ihren anderen neuen Filmen spielen, scheinen wieder in der Tradition der dunklen, psychologisch herausfordernden Rollen zu liegen, die Sie so interessieren...
Das kommt daher, weil ich das transportiere. Es ist irgend etwas in mir, ich suche mir diese Rollen nicht aus, etwas an ihnen sucht mich aus, weil da etwas in mir lebt, das hervortritt, wenn ich spiele. Dann verstöre ich das Publikum, oft geht es dabei auch darum, die emotional gefährliche Seite von Sexualität zu erforschen. Dabei denke ich auch an Ozon, weil er ähnlich ist. Da sind wir fast Zwillinge, in gewisser Weise, weil wir diese Ambivalenz teilen, die eine Figur ausmachen kann. Natürlich kann ich auch komödiantische Rollen gut spielen, aber die dunkleren Figuren bringen etwas Seltsames in mir heraus