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Update: 09.08.2012, 16:12 Uhr
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China: Verfahren gegen Gattin von Ex-Funktionär Bo Xilai

Mordprozess im Schnellverfahren



  • Gu Kailai droht Todesstrafe - Urteil soll zu späterem Zeitpunkt fallen.

Massives Sicherheitsaufgebot vor dem Gerichtsgebäude in Hefei. - APAweb/Reuters/Aly Song

Massives Sicherheitsaufgebot vor dem Gerichtsgebäude in Hefei. APAweb/Reuters/Aly Song

Peking. Brisanter Polit-Krimi in China: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen ist der Ehefrau des geschassten Spitzenpolitikers Bo Xilai am Donnerstag in der ostchinesischen Stadt Hefei der Prozess wegen Mordes gemacht worden. Der 53 Jahre alten Gu Kailai und ihrem Hausangestellten Zhang Xiaojun wird vorgeworfen, im November den britischen Geschäftsmann Neil Heywood vergiftet zu haben. Der 41-Jährige, ein enger Freund der Familie, war tot in einem Luxushotel der Stadt Chongqing gefunden worden. Bo Xilai (63) war bis zu seiner Absetzung der starke Mann in der 30-Millionen-Metropole gewesen. Einen Termin für die Urteilsverkündung gibt es noch nicht.

  Gu, die sich als Anwältin einen Namen machte und zuweilen als Jackie Kennedy Chinas beschrieben wurde, droht die Todesstrafe. Beobachter halten das für unwahrscheinlich. Nach dem nur wenige Stunden dauernden Blitzprozess sollen sich an diesem Freitag mehrere Polizisten aus Chongqing vor Gericht verantworten. Ihnen werde zur Last gelegt, den Mord an dem Briten vertuscht zu haben, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

  Für die Kommunistische Partei in China sind der schillernde Kriminalfall und der Sturz von Bo Xilai zu einer Belastungsprobe geworden. Der Skandal hat zudem die Vorbereitungen für den im Herbst geplanten Generationswechsel an der Spitze der Partei durcheinandergewirbelt. Bo hatte gute Aussichten, in den engsten Führungszirkel aufzusteigen.

  Die Anklage warf Gu und ihrem Assistenten vor, dem Opfer beim Trinken von Tee und Alkohol in dem Hotel Gift verabreicht zu haben. Die Funktionärsfrau gab demnach an, sie habe ihren Sohn Bo Guagua vor dem Briten schützen wollen. Heywood hatte dem heute 24-Jährigen einst einen Platz an einer britischen Eliteschule besorgt. Nach Angaben der Ermittler hatten seine Mutter und er Streit mit dem Geschäftsmann. Es sei um Geld gegangen.

  In Hongkonger Medien waren zuvor Spekulationen aufgekommen, der Brite habe Vermögen der Familie ins Ausland geschleust und sogar ein Verhältnis mit der Politikerfrau gehabt. Der 24-jährige Sohn, der vor kurzem sein Studium an der Harvard-Universität abgeschlossen hat, ließ den Verteidigern seiner Mutter aus den USA eine Aussage zukommen. "Ich glaube daran, dass die Fakten für sich sprechen werden", sagte er dem Nachrichtensender CNN.

  Gus Anwalt habe dem Gericht in der ostchinesischen Stadt gesagt, dass die Angeklagte für die Tat "verantwortlich" sei, dass aber ihre Kooperation bei den Ermittlungen berücksichtigt werden müsse, sagte Gerichtsvertreter Tang Yigan nach dem Ende des Prozesses vor Journalisten. So soll die Frau kooperiert haben, indem sie sich zu "Vergehen anderer Menschen" geäußert habe.

  Chinas Staatsmedien stuften das Verfahren als historisch ein und bezeichneten es als Test für die Rechtsstaatlichkeit des Landes. Kritiker sprachen dagegen von einem politischen Schauprozess. Ausländische Medien waren nicht zugelassen. Die Familie des Opfers sei in dem Verfahren vertreten worden, teilte das Gericht mit, ohne weitere Details zu nennen.

  Vor dem Gericht waren zahlreiche Polizisten im Einsatz. Eine Demonstrantin wurde von Beamten weggeschleppt und in einen Polizeiwagen gebracht. Über den Prozessverlauf bewahrten die großen chinesischen Medien weitgehend Stillschweigen, auch die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete nur kurz über das Ende des Prozesses. Seit Monaten ist zudem die offizielle Internetsuche nach den Begriffen Bo und Gu blockiert.

  Bo Xilai war schon im März wegen Korruptionsverdacht als Parteichef in der Region Chongqing abgesetzt worden. Am 11. April, als seine Frau festgenommen wurde, verlor der charismatische Politiker auch seinen Sitz im Politbüro der Partei. Der "Prinzling" ist Sohn des Revolutionärs Bo Yibo, der einst zu der Machtelite gehörte. Mit seinen Kampagnen galt er als Galionsfigur der neuen Linken in der Partei, die gegen den Kurs der marktorientierten Reformer angehen.

  Die Affäre war durch den früheren Polizeichef von Chongqing und langjährigen Weggefährten von Bo ins Rollen gekommen. Er hatte im US-Konsulat Zuflucht gesucht und von dem Mordverdacht berichtet.




Schlagwörter

China, Gu Kailai, Bo Xilai

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-09 07:54:33
Letzte Änderung am 2012-08-09 16:12:24


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