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Update: 09.08.2012, 14:18 Uhr
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Zehn Jahre ohne Sonnenlicht

Russische Sekte hielt 27 Kinder jahrelang unterirdisch gefangen



  • Insgesamt 70 Personen lebten in zellenartigen Wohnräumen.

Mitglieder der russischen Untergrund-Sekte, die jahrelang Kinder gefangen gehalten hat. - APAweb/AP/Nikolay Alexandrov

Mitglieder der russischen Untergrund-Sekte, die jahrelang Kinder gefangen gehalten hat. APAweb/AP/Nikolay Alexandrov

Moskau. Eine russische Sekte hat mit 27 Kindern jahrelang ohne Sonnenlicht, Heizung und Strom in einem unterirdischen Bunkersystem gelebt. "Die Kinder sind nie zur Schule gegangen und waren kaum über der Erde", teilten die Behörden in der Stadt Kasan der Zeitung "Komsomolskaja Prawda" zufolge mit. "Sie waren schmutzig, trugen Lumpen und wurden nie von Ärzten untersucht. Die rund 70 Mitglieder lebten mehr als zehn Jahre in den zellenartigen Wohnräumen, die bis zu sieben Stockwerke tief unter die Erde gebaut worden waren.

Information

Die "Faisrachmanisten"-Sekte in Kasan
Als selbst ernannter "Prophet Allahs" bestimmte der Prediger Faisrachman Satarow (83) über seine etwa 70 Anhänger. Seine Lehre beschreibt der Geistliche, der 1964 zum ersten Mal eine Vision gehabt haben soll, in dem Buch "Wurzeln des Glaubens". Dabei stützt er sich auf den Koran sowie den Hadith, die Überlieferungen über den Propheten Mohammed. Satarows Anhänger müssen sich strikt an den Koran halten. Weltliche Behörden, aber auch die muslimischen Führer der Teilrepublik Tatarstan lehnt er ab. Nur "Faisrachmanisten" dürfen sein Grundstück betreten. Angeblich kennt Satarow das genaue Datum des Weltuntergangs - doch weiht er nur seine Jünger ein.

Die Kinder sind nach Medienangaben zwischen 18 Monaten und 17 Jahren alt. Sie kamen in Spitäler und sollen dann in Waisenhäusern betreut werden, wie der Kinderschutzbeauftragte der Regierung, Pawel Astachow, der Agentur Ria Nowosti sagte.

Ermittlungen gegen Sektenchef
Die Behörden in der muslimisch geprägten Teilrepublik Tatarstan ermitteln gegen den 83 Jahre alten Sektenchef Faisrachman Satarow, weil er "das Recht in die eigene Hand genommen hat". Den Eltern drohen Verfahren wegen der Misshandlung Schutzbefohlener. Festnahmen gab es zunächst nicht. Saratows Anhänger in der Wolga-Stadt Kasan - rund 800 Kilometer östlich von Moskau - drohen der "Komsomolskaja Prawda" zufolge, den Weltuntergang heraufzubeschwören, falls ihnen die Behörden nicht ihre Kinder zurückgeben. Auch gegen den angekündigten Abriss des illegal gebauten Hauses ihres "Propheten" kündigten sie Widerstand an.

Die "Faisrachmanisten" hätten sich bereits 2001 von der Außenwelt abgeschottet, schrieb das Blatt. Der Grund war angeblich durchaus weltlich: Die Gemeinschaft habe hohe Schulden gehabt. Auf dem von Mauern umgebenen Gelände nahe einer Bahnstrecke steht eine kleine Moschee. Zudem verfüge die Sekte über eine Dieselstation und sogar eigene Brunnen. Die Frauen hätten ihre Kinder auf dem Gelände geboren. Unterricht gab der selbst ernannte Prophet Satarow. Seine Anhänger durften - bis auf wenige Ausnahmen - das Gelände nicht verlassen und keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen.

Satarow erklärte sich Medien zufolge Ende der 1980er Jahre zum Propheten. Nachdem er 1996 das etwa 700 Quadratmeter große Gelände am Stadtrand von Kasan gekauft hatte, befahl Satarow seinen Jüngern, dort das unterirdische Zellensystem zu errichten. Die Behörden waren auf den Fall aufmerksam geworden, als ein Spezialkommando im Rahmen von Ermittlungen nach einem Mord an einem muslimischen Geistlichen das Gelände stürmte. Der Verdacht auf Terrorismus bestätigte sich zunächst nicht.




Schlagwörter

Russland, Tatarstan

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-09 11:27:29
Letzte Änderung am 2012-08-09 14:18:17


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