London. Die rot-weiß-rote Bilanz der Olympischen Spiele in London könnte schlechter nicht sein: Zum zweiten Mal nach Tokio 1964 bleiben Österreichs Sportler ohne Medaille, der Großteil der österreichischen Athleten scheint von der Weltspitze so weit entfernt wie lange nicht. Diese ernüchternde Erkenntnis soll nun Konsequenzen nach sich ziehen.
Nach dem Mountainbike-Rennen der Männer in London stand am Sonntag fest, dass Österreich keine Medaille mehr holt, da es der letzte Bewerb war, bei dem Österreicher am Start waren. Die besten Platzierungen des 70-köpfigen ÖOC-Aufgebots in London schafften somit Schwimmer Dinko Jukic und die Segler Nico Delle Karth/Niko Resch, die jeweils auf Rang vier kamen.
"Es ist schmerzlich", gestand Karl Stoss, Präsident des Österreichischen Olympische Komitee (ÖOC). "Da gibt es nichts zu beschönigen." Viele Niederlagen hätte er miterlebt, traurige und frustrierte Athleten gesehen. "Erfolge und Misserfolge liegen im Spitzensport aber oft sehr eng beisammen", erinnerte Stoss. Für Österreich schlug das Pendel in der britischen Hauptstadt fast nur in eine Richtung aus.
Keine Pauschalurteile
70 Athleten hatte das ÖOC nach London entsandt, einige davon waren von Sportminister Norbert Darabos medial als "Olympia-Touristen" verunglimpft worden. Die Nominierungskriterien, die das Komitee weitgehend der Vergabe der Startplätze durch die internationalen Fachverbände angepasst hat, will Stoss im Hinblick auf Rio 2016 von Sportler zu Sportler einzeln durchgehen. "Pauschalurteile helfen niemandem und machen auch wenig Sinn", betonte der ÖOC-Chef.
Stoss machte stattdessen auch "semi-optimale Bedingungen" in der heimischen Infrastruktur für die fehlenden Weltklasseleistungen verantwortlich. "Die Grundvoraussetzungen für Spitzensport sind in Österreich oft nicht gegeben", meinte der 55-jährige Vorarlberger. Als Beispiele führte er zu niedrige Hallen für Gymnastin Caroline Weber, kaum Trainingsmöglichkeiten für die Synchronschwimmerinnen oder einen fehlenden Wildwasserkanal an.
"Wir möchten aber nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Wir werden mit Athleten und Verbänden nach Lösungen suchen", versprach Stoss. Die fünf bestehenden Olympia-Zentren in Linz, Salzburg, Innsbruck, Dornbirn und in der Südstadt sollen verstärkt in Anspruch genommen werden, dazu sollen die Athleten viel stärker eingebunden werden. "Sonst sprechen wir wie der Blinde von der Farbe", meinte Stoss.