Wien/Madrid/Athen. In Europa tickt eine Zeitbombe, die jederzeit hochgehen kann. Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008 ist die Jugendarbeitslosigkeit dramatisch gestiegen, Millionen junger Menschen suchen mit wachsender Verzweiflung einen Job - ihre Aussichten sind schlecht. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO hat errechnet, dass die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen zwischen 2008 und 2011 um 26,5 Prozent gestiegen ist. Die Statistiken sprechen davon, dass mehr als 50 Prozent der Jugendlichen in Spanien und Griechenland erfolglos auf der Suche nach Arbeit sind. Diese Zahlen werden von manchen Soziologen als übertrieben kritisiert, auch Studenten und Schüler würden einbezogen. Andere kontern, dass viele Jugendliche nur wegen der verheerenden Aussichten auf dem Arbeitsmarkt im Bildungssystem wären. In den USA etwa sind die Bewerbungen für einen Studienplatz seit Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008 um 20 Prozent gestiegen.

Selbst konservative Berechnungen gehen davon aus, dass in Spanien und Griechenland jeder dritte Jugendliche keinen Job findet. Die Arbeitslosenrate bei den 16- bis 24-Jährigen hat sich dort fast verdreifacht. Die Rede ist von einer "Verlorenen Generation"; von Millionen Jugendlichen ohne Illusionen, die die Hoffnung, Arbeit zu finden, aufgegeben haben. Den Beteuerungen der Politiker, die rasche Abhilfe versprechen, glauben sie längst nicht mehr.
Was Jobs brächte, wäre eine Erholung der Wirtschaft, doch die ist für lange Jahre nicht in Sicht. "Ich wache auf", teilt ein 18-jähriger Arbeitsloser aus dem englischen Leeds via Internet-Plattform Youtube mit, "und bin bereits mies drauf." "Ich will in die Arbeit gehen, ich kann auch 13 Stunden schuften, wenn es sein muss. Wenn ich meine Bankomatkarte einschiebe und auf ,Kontostand drücke, dann will ich verdammt noch mal mein selbst verdientes Geld sehen." "Die sagen, ich bin überqualifiziert", beklagt sich ein anderer Jugendlicher im breiten nordenglischen Slang, "wie kann das sein?", flucht er. "Die vom Arbeitsamt haben mich doch extra in die Schulungen geschickt."
Keine Hoffnung
Die junge Generation sei "die am besten ausgebildete und gleichzeitig die mit den wenigsten Hoffnungen", schreibt der Spanier Ignacio Escolar, ehemaliger Herausgeber der Zeitung "Publico" und einer der populärsten Blogger des Landes. Die immer wieder erfolglose Jobsuche erzeuge bei vielen jungen Menschen ein Gefühl von "sozialer Ausgrenzung, Nutzlosigkeit und Nichtstun", formuliert es die UNO in ihrem neuesten Bericht. Zahlreiche Studien belegen, dass Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen besonders gravierende Auswirkungen hat. Sie rutschen überdurchschnittlich oft in die Kriminalität ab, an erster Stelle stehen Eigentumsdelikte, wie Autodiebstahl. Dazu kommt Alkohol- und Drogenmissbrauch. Spaniens Jugend ist nicht zufällig auch in diesem Bereich europaweit auf Platz Nummer eins. Jugendliche, die in Familien aufwachsen, in den Arbeitslosigkeit die Norm ist, haben ganz schlechte Karten. Sie brauchen einen eigenen Betreuer, der sich über längere Zeit mit dem Problem auseinandersetzt und dem Jugendlichen die Kultur der Arbeit von der Pike auf beibringt. Derartige Sozialarbeiter-Programme gibt es vor allem in Deutschland, in dem meisten anderen europäischen Ländern fehlt dafür längst das Geld.