
Tripolis. Bei den ersten tödlichen Anschlägen in Tripolis seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi sind am Sonntag zwei Menschen getötet worden. Eine Autobombe sei nahe der Militärakademie im Zentrum der libyschen Hauptstadt gezündet worden, eine zweite in der Nähe des unweit gelegenen Innenministeriums, sagte der Chef der Sicherheitsbehörden, Mahmud Al-Tsherif. Er machte Anhänger Gaddafis für die Taten verantwortlich.
Al-Tsherif zufolge wurden beide Sprengsätze am Morgen per Fernzündung ausgelöst. Bei dem Anschlag an der Militärakademie seien zwei Menschen getötet und vier verletzt worden. Durch die Detonation nahe des Innenministeriums sei niemand verletzt worden. Der Chef der Sicherheitsbehörden in Tripolis ergänzte, die Tat sei von einer "Schläfer-Zelle" verübt worden, die von Mitgliedern der früheren Gaddafi-Führung aus dem Ausland finanziert werde.
Die Gruppe habe bereits am 3. August einen Autobombenanschlag in Tripolis verübt, sagte Al-Tsherif. Dabei sei ein Mensch verletzt worden. Nicht alle Mitglieder dieser Gruppe hätten bisher festgenommen werden können, sagte er. Behördenangaben zufolge waren bei einer Razzia in Tripolis Anfang August drei Männer getötet worden, die im Verdacht standen, Bombenanschläge vorzubereiten.
Nach Angaben des Vize-Innenministers Omar al-Chadhraui hatte es in den vergangenen drei Tagen Hinweise auf mögliche Anschläge gegeben. Angesichts der Zahl an Waffen, die in Libyen im Umlauf seien, sei es aber "schwierig, alles zu kontrollieren". Seinen Angaben zufolge suchten die Sicherheitskräfte nach weiteren Sprengsätzen.
Gaddafi hatte in dem nordafrikanischen Land mehr als vier Jahrzehnte lang uneingeschränkt geherrscht. Er wurde im Zuge eines Volksaufstandes, bei dem die Rebellen von einer internationalen Militärallianz massiv unterstützt wurden, vor etwa einem Jahr gestürzt und am 20. Oktober 2011 auf der Flucht getötet. In den Wirren des Umsturzes hatten sich dutzende Verantwortliche der Gaddafi-Ära ins Ausland abgesetzt. Die neuen Behörden werfen ihnen vor, den demokratischen Übergang in Libyen stören zu wollen.