
Moskau/Wien. Der Wiener Rechtsanwalt Erich Rebasso dürfte von zwei ehemaligen russischen Polizisten getötet worden sein. Pavel V. und Alexander M., die wegen Betruges und Drogenhandel vor Gericht gestanden sind, haben laut der russischen Zeitung "Kommersant daily" bei ihrer Einvernahme zugegeben, den Juristen entführt zu haben. Der Mord an Rebasso war laut ihren Angaben nicht geplant, viel mehr hätten sie ihn versehentlich zu fest auf den Kopf geschlagen. Trotz des Todes ihres Opfers versuchte das Duo noch, 435.000 Euro von der Familie des Anwaltes zu erpressen.
Die beiden Verdächtigen gaben an, dass sie im Auftrag eines Hintermannes gehandelt haben. Einen Auftraggeber nannten sie allerdings nicht. Dem Duo droht im Falle einer Verurteilung alleine wegen Entführung eine Haftstrafe von 15 Jahren in Russland.
In Österreich sind die Ermittlungen weitgehend abgeschlossen. Doch es bleiben einige offene Fragen, die nur die beiden in Russland verhafteten Verdächtigen beantworten könnten. Die Einvernahmen scheinen sich aber schwierig zu gestalten: Laut Polizeisprecher Roman Hahslinger dürfte den in Moskau weilenden heimischen Beamten kein direkter Zugang zu den beiden Verdächtigen möglich sein.
Hahslinger sagte, dass die Spurensuche in Wien und Umgebung so gut wie beendet ist. Der Tathergang ist für die Ermittler damit einigermaßen klar. Die beiden Verdächtigen dürften Rebasso beobachtet und am 27. Juli in der Garage abgefangen haben. In der Garage selbst kam es noch zu einer Auseinandersetzung. Das Blut des Anwalts fand sich in seinem Geländewagen, im Kofferraum des Mietautos seiner Kontrahenten - ein Opel Zafira - und in der Garage neben den Fahrzeugen.
War Rebasso bereits tot, als er abtransportiert wurde?
Offen bleibt, ob Rebasso schon tot war, als er von den Verdächtigen abtransportiert wurde. Jedenfalls dürften sie ihn in den Kofferraum des Mietwagens gelegt und dann mit beiden Autos die Garage verlassen haben.
Neben dem Blut des Anwalts wurden in der Garage auch andere DNA-Spuren gefunden. Es steht Hahslinger zufolge der abschließende Befund noch aus, dass es sich dabei um die genetischen Fingerabdrücke der Verdächtigen handelt. Davon gehen die Ermittler aber aus.
Für die heimischen Ermittler gibt es entgegen der Darstellung der Verdächtigen "keine Hinweise", dass sie Hintermänner oder Komplizen hatten, stellte Hahslinger am Samstag klar. Nicht endgültig gesichert ist hingegen, ob die inhaftierten Russen tatsächlich zum Kreis der geschädigten Kleinanleger gehören, die vor Jahren in Russland um Geldsummen in der Höhe von jeweils 50.000 bis 60.000 Euro geprellt wurden. Rebassos Name war in Zusammenhang damit gefallen. Er selbst soll daran nicht beteiligt gewesen sein und erstattete damals in Österreich Selbstanzeige, um zu beweisen, dass er in die Betrügereien nicht verwickelt ist. Das Verfahren gegen ihn wurde später eingestellt. Dennoch langten weiterhin schriftliche Drohungen in der Anwaltskanzlei Rebassos ein.
Rebasso war am 27. Juli in einer Tiefgarage am Georg-Coch-Platz in der Wiener Innenstadt entführt oder gleich ermordet worden. Am Dienstag dieser Woche wurden in Moskau zwei Verdächtige festgenommen.
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