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Update: 20.08.2012, 10:00 Uhr
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Experte für Umdenken bei der Forschungsförderung

Innovation braucht nicht nur Geld



  • Mehr Wirtschafts-Knowhow im akademischen Umfeld nötig.

Neues Wissen und gute Ideen sollen letztlich zu wirtschaftlichem Erfolg führen.

Neues Wissen und gute Ideen sollen letztlich zu wirtschaftlichem Erfolg führen.APAweb / Reuters / Beawiharta Neues Wissen und gute Ideen sollen letztlich zu wirtschaftlichem Erfolg führen.APAweb / Reuters / Beawiharta

Wien. Die Zeiten seien vorbei, in denen simple Ausgabenerhöhungen dazu führten, dass Unternehmen mehr Neuerungen auf dem Markt brachten. In der Forschungsförderung müsse umgedacht werden, fordert der Innovationsforscher Andreas Schibany. Auf Unternehmensgründungen aus dem akademischen Umfeld und die Vermittlung unternehmerischen Denkens in der Ausbildung sollte mehr Augenmerk gelegt werden.

In Österreich werden heuer für Forschung und Entwicklung (F&E) voraussichtlich 8,6 Mrd. Euro aufgewendet, bis 2020 sollen die F&E-Ausgaben von derzeit 2,8 auf 3,76 Prozent des BIP steigen. Doch Geld ist nicht alles - um in einem hochentwickelten Innovationssystem neue Wachstumsimpulse zu setzen, braucht es laut Schibany eine breitere Sicht auf Innovationsprozesse.

Meist dominiert ein Aspekt Innovations-Diskussionen, wie sie diese Woche etwa wieder bei den Alpbacher Technologiegesprächen stattfinden: "Umso mehr ein Land für F&E ausgibt, umso erfolgreicher ist es, umso höher ist der Wohlstand und das Wachstum und umso erfolgreicher sind die Unternehmen", so Schibany in Gespräch mit der APA. Diese Sichtweise habe schon ihre Berechtigung, was auch in der positiven Entwicklung des Innovationssystems in den vergangenen Jahrzehnten sichtbar werde, wo Österreich "eine unglaubliche Entwicklung hingelegt" habe. Es zeige sich aber zunehmend, dass der Erfolg von Innovationen von Unternehmen nicht nur "an F&E gebunden ist, sondern an sehr vielen anderen Dingen hängt".

Als weitere wichtige Faktoren erkenne man in der Innovationsforschung immer mehr "immaterielle Investitionen", wie etwa in die Qualifikation von Mitarbeitern, Investitionen in Marketing und Software oder die Verbesserung von Unternehmensprozessen - ein Gedankengang, den Schibany und Kollegen auch im "Forschungs- und Technologiebericht 2012" formuliert haben. Solche Aktivitäten seien zwar schwer zu messen, die OECD arbeite allerdings seit etwa einem Jahr an einem Projekt, in dem man Erfolgsfaktoren von Unternehmen - über F&E hinaus - erfassen möchte.

"Ich würde dafür plädieren, auch in Österreich die Diskussion nicht nur an F&E festzumachen, sondern darüber hinaus an andere Formen von Investitionen zu denken, die für den Unternehmenserfolg verantwortlich sind", betonte Schibany. Man müsse "akzeptieren, dass andere Faktoren eine Rolle spielen und nicht jedes Unternehmen, das mehr für F&E aufwendet, auch erfolgreicher ist". Eine weitere Erhöhung der öffentlichen Förderungen nur in diesem Bereich wäre daher "nicht das Gelbe vom Ei".

"Jetzt ist ein Niveau erreicht, wo man die Förderinstrumente und -kultur und die Ziele an diese neue Entwicklung anpassen muss. Wir brauchen neue Wachstumsimpulse", so der Forscher, der sich wünscht, dass mehr Augenmerk "auf Unternehmensgründungen in hochriskanten wissens- und technologieintensiven Bereichen" und auf kleinere, flexiblere Unternehmen gelegt wird. Die zunehmende Förderung junger Unternehmen werde auch von der OECD gefordert. Gerade in Zeiten schwindenden Risikokapitals wäre es wünschenswert, dass der Staat stärker als Anschubfinanzierer einspringt. Man müsse sich aber auch genauer ansehen, warum Österreich am internationalen Risikokapitalmarkt weniger erfolgreich als etwa Dänemark oder Deutschland sei.

"Neue Business-Modelle werden in Köpfen entwickelt", der erste Punkt an dem man daher ansetzen müsse, sei "das Humankapital". Unternehmerisches Denken und Unternehmensgründung sollten demnach in der Ausbildung eine größere Rolle spielen. Schibany: "Man sollte nach einer traditionellen akademischen Ausbildung nicht plötzlich dastehen und fragen, wie gründe ich ein Unternehmen?" Auch raschere Möglichkeiten zum Schutz von geistigem Eigentum wären wünschenswert.

Auszeichnungen wie der vom Wissenschaftsministerium heuer erstmals vergebene "Phönix-Preis" für universitäre Spin-offs hätten ebenfalls positive Wirkungen. In anderen Ländern verfolge man aber auch den Ansatz, die Lösung eines technologiebezogenen Problems als Preis auszuschreiben: "Wer das löst, bekommt halt dann 100.000 Euro oder eine Million."




Schlagwörter

Forschung, Innovationen

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Dokument erstellt am 2012-08-20 09:51:13
Letzte Änderung am 2012-08-20 10:00:46


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