Spanien verhandelt offenbar mit seinen Partnern in der Euro-Zone über Bedingungen für ein umfassendes Hilfsprogramm, das über die bereits vereinbarte Bankenstützung hinausgeht. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Vor dem 12. September werde es dazu auch nicht kommen.
Die Verhandlungen würden sich voraussichtlich auf dem Euro-Finanzministertreffen am 14. und 15. September intensivieren. Spanien favorisiere, dass der Rettungsschirm EFSF bei Primärauktionen spanische Staatsanleihen aufkaufe, während die Europäische Zentralbank am Sekundärmarkt aktiv werde, um die Renditen zu drücken. Einer Person zufolge dauern die Gespräche seit Wochen an. Über den Umfang der Hilfen sei noch nicht diskutiert worden. Am 12. September wird das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über den künftigen Rettungsfonds ESM erwartet.
Ein komplettes Rettungspaket verschlechtert nach Einschätzung der Ratingagentur S&P nicht die Kreditwürdigkeit Spaniens. Das Rating würde in diesem Fall nicht angetastet, teilten die Bonitätswächter am Mittwoch mit. Die Vorteile für Spanien dürften demnach sogar die Nachteile überwiegen und die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs der Steuer- und Wirtschaftsreformen steigern.
Mario Draghi, der Chef der Europäische Zentralbank (EZB) hat einen neuen Rettungseinsatz der EZB am Anleihemarkt in Aussicht gestellt, um den Zinsdruck für die großen Euro-Krisenländer zu lindern. Vor allem für Spanien, aber auch für Italien ist die Schuldenaufnahme an den Finanzmärkten enorm teuer geworden. Bisher lieferte Draghi noch nicht, doch bald soll ein Plan vorgestellt werden.
Spanien arbeitet derweil an einer Reform des Bankenwesens, um die Geldinstitute einer strengeren staatlichen Kontrolle unterziehen. Wie die Madrider Medien am Donnerstag berichteten, will Ministerpräsident Mariano Rajoy die Rolle der Zentralbank als Aufsichtsorgan stärken. Die Zentralbank soll demnach schneller als bisher bei Banken intervenieren können, die in Schwierigkeiten geraten. Damit soll eine Wiederholung eines Fiaskos wie im Fall der Grossbank Bankia verhindert werden. Für die Sanierung des viertgrössten Geldhauses des Landes muss der Staat über 24 Mrd. Euro aufbringen. Die Probleme von Bankia und anderen Geldhäusern zwangen Spanien dazu, die EU um eine Hilfe von bis zu 100 Mrd. Euro für seine Kreditinstitute zu bitten.