Washington. (rie/apa) "Im Leben eines jeden Menschen kommt der Punkt, an dem man sagen muss: 'Genug ist genug'." Was klingt wie die klassischen Worte zum Ende einer Karriere, ist die Aufgabe eines der größten Sporthelden der vergangenen Jahre. Ein Sportheld, dessen weiße Weste schon gehörig angeschwärzt war. Lance Armstrong mag nicht mehr angeschwärzt werden. Er fühlt sich in der klassischen "Ich-bin-das-Opfer,-die-Welt-ist-ungerecht"-Rolle.

In der Stellungnahme auf seiner Website gibt der Ex-Radstar bekannt, dass er sich nicht dem angestrengten Doping-Verfahren der US-Anti-Doping-Behörde USADA stellen wolle. Ein Verfahren, in dem der 40-Jährige mit dem Rücken zur Wand gestanden wäre. Mehrere Ex-Kollegen hatten angekündigt, gegen den siebenfachen Sieger der Tour de France aussagen zu wollen. Die USADA wirft Armstrong vor, jahrelang gedopt und mit illegalen Substanzen gehandelt zu haben. Armstrong freilich will sich nichts zu Schulden kommen gelassen haben. Für ihn sprächen die zahlreichen Dopingtests, bei denen er immer negativ geblieben war. Armstrongs Verweigerung dem Dopingverfahren gegenüber ist kein Eingeständnis - freilich aus seiner Sicht. Die US-Anti-Doping-Behörde sieht das anders. Alle sieben Siege bei der Tour de France, dem härtesten und prestigereichsten Radrennen der Welt, sollten ihm aberkannt werden. Dafür plädierte die USADA - kurz nach Armstrongs Stellungnahme. "Es ist ein trauriger Tag für all jene unter uns, die den Sport und unsere Sporthelden lieben", sagte USADA-Chef Travis Tygart, der Armstrongs Entscheidung "herzzerreißend" nannte. Auch der Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), John Fahey, sprach sich für die Aberkennung aller Tour-Siege Armstrongs aus. Gegenüber Reuters meinte Fahey, Armstrongs Entscheidung, sich nicht dem Doping-Verfahren zu stellen, bedeute, dass an den Doping-Anschuldigungen etwas dran sein müsse. Tatsächlich aberkennen kann Armstrongs Triumphe aber nur der Internationale Radsportverband (UCI).
Eine lebenslange Sperre hat die USADA Armstrong aber verhängt. Der 40-Jährige hat zwar dem Radsport den Rücken gekehrt, war bis zuletzt aber als Triathlet aktiv. Erst im Juni gewann er den Halb-Ironman auf Hawaii.
Armstrong hatte in den vergangenen Monaten verzweifelt darum gekämpft, den Prozess vor der USADA abzuwenden. Dafür gewann er auch die Unterstützung der UCI, dessen Präsident Pat McQuaid den Dopingbekämpfern vorwarf, Armstrong "unbedingt rankriegen zu wollen". Allerdings scheiterte Armstrong vor Gericht mit zwei Versuchen, das USADA-Verfahren zu unterbinden, zuletzt am Montag.
Opfer einer "Hexenjagd"
Als das Opfer einer "Hexenjagd", betrieben von Travis Tygart, sieht sich Armstrong. Jetzt will er abschließen "mit diesem Unsinn". Er würde sich dem Verfahren der Anti-Doping-Behörde stellen, wenn es gerecht wäre, beteuerte er. "Aber ich weigere mich, an einem Verfahren teilzunehmen, das so einseitig und unfair ist." Es gebe nämlich "keinerlei physische Beweise" für die Dopingvorwürfe. "Die einzigen physischen Beweise sind die Hunderten Kontrollen, die ich mit Bravour bestanden habe. Ich stand rund um die Uhr und rund um die Welt zur Verfügung. Bei Wettkämpfen, außerhalb von Wettkämpfen. Mit Blut und Urin. Wofür immer man mich ersuchte, stellte ich zur Verfügung. Worin ist der Sinn des Testens, wenn die USADA sich in letzter Konsequenz nicht daran hält?"
Armstrong gewann die Tour de France in den Jahren 1999 bis 2005. Nach seinem Comeback wurde er im Jahr 2009 noch einmal Dritter bei der dreiwöchigen Radrundfahrt. Bald jedoch wurden die Dopinganschuldigungen gegen ihn immer lauter, im Februar 2011 erklärte er seinen zweiten Rücktritt. Aufgrund von Aussagen von Radprofis erhob die USADA Ende Juni 2012 eine Dopinganklage gegen Armstrong. Neben Armstrongs früheren Tour-Helfern Floyd Landis und Tyler Hamilton sollen auch vier weitere Radprofis gegen Armstrong ausgesagt haben.
Armstrong will sich künftig verstärkt seiner Stiftung zum Kampf gegen Krebs widmen. Den Sport hat er abgehakt. Genug ist genug.
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